US-Unternehmen bekommt Zuschlag für syrische Ölfelder

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Im Osten Syriens, auf den Gebieten östlich des Euphrat-Flusses in der Provinz Deir ez-Zor, liegen die wichtigsten und zugleich größten Rohstoffe des Landes: Erdöl. Diese Territorien befinden sich seit der Niederlage des Islamischen Staates in den Händen des arabisch-kurdischen Milizenbündnisses mit dem Namen „Syrische Demokratischen Kräfte“ (SDF), die seit jeher von den USA unterstützt werden. Trotz kurdischer Sympathien kommunizierte Präsident Donald Trump klar, dass die amerikanische Truppenpräsenz in Syrien allein aufgrund des Erdöls zurückzuführen ist. Dementsprechend erwartbar ist nun die Nachricht, dass das Finanzministerium der USA einem US-Unternehmen den Zuschlag gab, die Ölfelder zu modernisieren, welche enge Kontakte mit der US-Regierung unterhält. Dafür sollen die Kurden eine eigens erstellte „Oil Protection Force“ bereitstellen.

Das kaum bekannte und kleine Unternehmen „Delta Crescent Energy“ aus Delaware erhielt vom amerikanischen Finanzministerium die Lizenz für mehrere Jahre, die eher antiquierten Raffinerien und Anlagen unter der Kontrolle der SDF zu modernisieren und damit die Ölförderung zu erhöhen, wodurch die USA auch einen höheren Anteil an den ausgeschütteten Gewinnen erhält. Offiziell fand der Deal zwischen dem Unternehmen und der Zivilregierung der kurdisch-arabischen Allianz statt, jedoch wird hier die USA ein wichtiges Wort mitzureden haben, alleine schon da die US-Truppen ein Großteil der Ölfelder mit eigenen Truppen kontrollieren. Zudem befinden sich in der Führungsregie des Unternehmens zahlreiche bekannte Ex-Militärs und Diplomaten, wie z.B. Jim Reese.

Reese ist der Gründer der Sicherheitsfirma „TigerSwan“, die enge Kontakte zur irakischen Regierung unterhält und in der Vergangenheit dort bereits typische Aufgaben von privaten Militärunternehmen wie Personenschutz unternahm. Auch in Syrien können sie auf eine lukrative Vergangenheit zurückgreifen: Dort unternahm TigerSwan den Schutz für ein anderes amerikanisches Sicherheitsunternehmen mit dem Namen „Tetra Tech“ und Sitz in Kalifornien, welches im Territorium der SDF mehrere Minenentschärfungsmissionen durchführte. Außerdem schickte Reese mit mehreren Partnern einen Plan für die Modernisierung der Ölförderung an die amerikanische Regierung, welche nun scheinbar auf offene Ohren gestoßen ist.

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll die SDF zudem mehrere Kontingente an Sicherheitskräften bereitstellen, die möglicherweise den Namen „Oil Protection Forces“ tragen könnten und damit klar ihren Einsatz beschreiben: Der Schutz des Erdöls für die USA und die Syrischen Demokratischen Kräfte. Es erinnert frappierend an die „Petroleum Facility Guard“ in Libyen, die eigens für den Schutz der Ölfelder und der dazugehörigen Anlagen entstanden ist und seit jeher als eher neutraler Akteur gilt.

Die syrische Regierung verurteilte diesen Deal und beschrieb es als Versuch, syrisches Öl stehen zu wollen. Die Türkei positionierte sich ähnlich und behauptete, diese Vereinbarung würde der „seperatistische Agenda“ der SDF vorantreiben. Beide Länder befürchten, dass ein solches Abkommen den syrischen Kurden, die bisher nur begrenzte Anerkennung für ihre Taten in Syrien erhielten und beispielsweise bei den Friedensgesprächen in Genf ausgeschlossen sind, mehr Unabhängigkeit und Souveränität verleihen könnte, insbesondere in Hinsicht auf zukünftige Verhandlungen. Die SDF-Regierung selber bezog keine Stellung zum neuesten Geschehen, unter der Hoffnung, von den Kriegsparteien und Teilen der eigenen Bevölkerung nicht als „US-Marionetten“ angesehen zu werden.

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