Syrische und russische Bombardements über ganz Idlib

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In der letzten, noch von islamistischen Kräften kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens dauern die Artillerie- und Luftangriffe der syrischen und russischen Militärstreitkräfte seit über eine Woche ein, von der einstigen Waffenruhe verbleibt nur noch eine vage Erinnerung. Während sich die Angriffe der syrischen Regierung auf den Lufraum beschränken, griffen islamistische Milizen Verteidigungsstellungen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) am Boden an und konnten bei diesen Überfällen mehrere Soldaten töten. Die Stimmung in Idlib ist inzwischen von der Erwartung geprägt, dass das syrische Militär jederzeit ihre Offensive weiterführen könnte, unabhängig von der Präsenz türkischer Truppen in der ganzen Region.

Die russischen und syrischen Bombardements verschieben sich immer weiter von den Frontlinien hinweg und betreffen inzwischen die gesamte Region rundum Idlib. So griffen russische Kampfjets am Sonntag die Städte Binnish, Fuah oder Kafraya an, welche mehrere Kilometer von der Front entfernt liegen. In Binnish konnten russische Luftschläge ein Munitionslager zerstören, jedoch starben durch die Explosionen mindestens drei Zivilisten, die zuvor aus anderen Teilen Syriens flohen. Als Reaktion darauf intensivierten die islamistischen Gruppierungen ihre Angriffe auf syrische Soldaten entlang der gesamten Frontlinie, insbesondere aber in dem Gebirge von Latakia. Dort starben zwölf Soldaten durch einen Überfall dschihadistischer Kräfte.

Derweil entdeckten Sicherheitskräfte der syrischen Regierung in dem vor mehreren Monaten eroberten Dorf al-Ghadfah ein geheimes Untergrundlager, wo menschliche Organe gehandelt wurden. Unter anderem fand man dort Herzen, Lebern und Köpfe, die in Chlor zur Konservierung eingetaucht waren. Ein weiterer Abschnitt des Lagers diente wohl auch als militärisches Lager, wo mehrere Quartiere und ein Gebetsraum errichtet wurden. Ursprünglich gehörte das Dorf und die nächstgelegene Großstadt Maraat al-Numan zum Territorium der radikalislamistischen Miliz Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra), bis es im Januar 2020 in der letzten Idlib-Offensive des syrischen Militärs ohne großen Widerstand erobert werden konnte.

Diesen Entwicklungen vorausgegangen sind wochenlange Truppentransporte und Verstärkungen, die die Frontlinien von Idlib erreicht haben. Insbesondere die SAA soll ihre Truppen in den Provinzen Hama und Latakia verstärkt haben, während islamistische Kräfte wie Tahrir al-Sham vor kurzem erst einen rund 80 Fahrzeuge zählenden Konvoi nach Jabal al-Akrad in Latakia geschickt haben. Ohnehin sieht es danach aus, dass eine potentielle Militäroperation seitens der syrischen Regierung genau dort stattfinden würde. Die Region gehört aufgrund ihren gebirgigen Terrains zu den am stärksten befestigten Hochburgen der Opposition, insbesondere ausländische Dschihadisten haben sich hier eingelagert: Tschetschenen, Degestaner, Usbeken und Turkmenen kontrollieren das Gebiet.

Die wichtigste Stadt in dem Gebiet, Jisr al-Shughour, wird oftmals als „uigurische Kolonie“ bezeichnet, da dort die chinesische „Islamische Turkestan-Partei“ ihr Lager aufgebaut hat, nachdem sie aus Afghanistan fliehen mussten. Gerade diese Gruppierungen sind nicht dafür bekannt, sich an zwischenstaatliche Vereinbarungen zu halten und werden alles unternehmen, um weiterhin ihren Dschihad in Syrien ausführen zu können. Dadurch erhält die syrische Regierung wiederum eine neue Legitimation, gegen die Opposition militärisch vorgehen zu können.

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