Neue Angriffe auf Idlib

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Über die letzten Tage hinweg haben sich die syrischen und russischen Luft- und Artillerieangriffe auf die letzte, noch von islamistischen Kräften kontrollierte Provinz Idlib intensiviert, was oftmals als Vorbote für eine bevorstehende Militäroffensive dient. Über die gesamte Frontlinie hinweg kam es zu so vielen militärischen Aktivitäten, die es seit 2019 nicht mehr gab: Während der Boden von Artilleriebombardements betroffen ist, kreisen in der Luft etliche Drohnen und Kampfjets aus russischer und syrischer Produktion. Einziges Hindernis für eine mögliche Operation: Die Türkei, welche ihre militärische Präsenz massiv ausbaute und mit ihren islamistischen Verbündeten eng kooperiert.

Dutzende Siedlungen entlang der gemeinsamen Frontlinie in Süd-Idlib wurde von Artillerieeinheiten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) getroffen, Berichten zufolge wurde dabei auch die durch Russland technologisch verbesserten Systeme getestet. Neue Truppen wie die Eliteeinheit der „Tiger Forces“ unter Suheil al-Hassan oder weitere Divisionen erreichten ebenfalls ihre Stellungen an der Front. Die neuen Truppenverlegungen und der exzessive Einsatz von Artillerie und Kampfjets um die feindliche Position bereits vorab zu schwächen, stellen ein bekanntes Muster bisheriger Militäroffensiven dar. Insbesondere die seit Tagen andauernden Bombardements sind ein starkes Indiz dafür, erstmalig bisher ist hingegen der Einsatz russischer und syrischer Drohnen um feindliche Truppen- und Nachschubbewegungen verfolgen zu können.

Über die potentiellen Ziele einer Militäroperation lässt sich nur mutmaßen und hängt vor allem von der Türkei ab, die inzwischen mit etlichen Militärbasen und tausenden Truppen in Idlib präsent ist. Dementsprechend reichen die Ambitionen von einer vollständigen Wiedereroberung der Provinz bis hin zur Eroberung der M4-Autobahn, welche die Städte Latakia und Aleppo miteinander verbindet und dabei quer durch Idlib verläuft. Dabei kontrolliert das syrische Militär bereits ein Großteil der M4, lediglich der Abschnitt in Süd-Idlib liegt im feindlichen Territorium und etwa zehn Kilometer von den Armeestellungen entfernt. Die Türkei unterhält zudem mehrere vorgeschobene Kontrollpunkte entlang der Straße und weiter südlich, Angriffe darauf würden Vergeltungsschläge der Türkei provozieren.

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Gelb markiert die M4-Autobahn, welche quer durch Süd-Idlib verläuft und eigentlich zur demilitarisierten Zone erklärt wurde

Dem Ereignis vorausgegangen sind wochenlange Truppentransporte und Verstärkungen, die die Frontlinien von Idlib erreicht haben. Insbesondere die SAA soll ihre Truppen in den Provinzen Hama und Latakia verstärkt haben, während islamistische Kräfte wie Tahrir al-Sham vor kurzem erst einen rund 80 Fahrzeuge zählenden Konvoi nach Jabal al-Akrad in Latakia geschickt haben. Ohnehin sieht es danach aus, dass eine potentielle Militäroperation seitens der syrischen Regierung genau dort stattfinden würde. Die Region gehört aufgrund ihren gebirgigen Terrains zu den am stärksten befestigten Hochburgen der Opposition, insbesondere ausländische Dschihadisten haben sich hier eingelagert: Tschetschenen, Degestaner, Usbeken und Türken kontrollieren das Gebiet.

Die wichtigste Stadt in dem Gebiet, Jisr al-Shughour, wird oftmals als „uigurische Kolonie“ bezeichnet, da dort die chinesische „Islamische Turkestan-Partei“ ihr Lager aufgebaut hat, nachdem sie aus Afghanistan fliehen mussten. Gerade diese Gruppierungen sind nicht dafür bekannt, sich an zwischenstaatliche Vereinbarungen zu halten und werden alles unternehmen, um weiterhin ihren Dschihad in Syrien ausführen zu können. Dadurch erhält die syrische Regierung wiederum eine neue Legitimation, gegen die Opposition militärisch vorgehen zu können. Mit den ständigen Überfällen von Hurras al-Din umso mehr.

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