Neue Aufstände in Südsyrien

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Der Süden Syriens gehörte zu den ersten Gebieten, die sich im Jahre 2011 gegen die syrische Regierung auflehnten und seit jeher weiterhin ein wichtiges Gebiet für die syrische Opposition darstellt, obwohl es seit wenigen Jahren wieder fest unter der Kontrolle der Regierung steht. In Zeiten der durch Sanktionen und Korruption verursachten Wirtschaftskrise versuchen einige militärische Verbände, bestehend aus ehemaligen Aufständischen, den Süden erneut von der Kontrolle der syrischen Regierung zu „befreien“. Dabei spielt Russland eine unrühmliche Rolle, da sie einerseits Verursacher, als auch Katalysator der neuesten Runde von Gefechten ist.

Zwischen Sicherheitskräften der syrischen Regierung und Soldaten des 5. Militärkorps kam es an mehreren Orten zu schweren Auseinandersetzungen. Angehörige des 5. Korps, welches ursprünglich von der syrischen Armee und Russland kreiert wurde um die lukrativen Öl- und Gasressourcen im Zentrum des Landes vor dem Islamischen Staat zu schützen, seitdem aber Auffangbecken rehabilitierter Ex-Rebellen geworden ist, stürmten mehrere Checkpoints in den Städten Kahil und Saida und konnten dabei Polizeistreitkräfte aus den Siedlungen vertreiben. Dabei wurden mindestens fünf Soldaten getötet. Während es Verhandlungsversuche gibt, kontrolliert das 5. Korps nun einige Gebiete nahe Kahil, nachdem sich das übliche Militär zurückgezogen hatte.

Einige behaupten, dass das 5. Korps nun auf die gleichnamige Provinzhauptstadt Daraa vorrücken würde. Es ist aber unwahrscheinlich, da es ihnen völlig an den militärischen Kapazitäten dazu fehlt. Dennoch gibt es Sympathien für sie in der Bevölkerung Südsyriens, gerade zu Zeiten der anhaltenden Wirtschaftskrise im Land. Der Anlass für den Aufstand ist weiterhin völlig ungewiss. Angeblich gab es Unstimmigkeiten über das zukünftige Verhältnis zu den ehemaligen Aufständischen, die einen wichtigen Teil der Organisation ausmachen. Zudem könnte Russland eine wichtige Rolle in dem Konflikt spielen, die ihre Stellvertreter, also das 5. Korps, lieber durch Verhandlungen wieder an sich binden soll anstatt nun militärisch niedergeschlagen zu werden.

Dara’a gilt als  der Geburtsort der „Revolution“ und versteht sich damit auch als Hochburg des Widerstandes gegen die syrische Regierung, während andere Landesteile fest unter Regierungskontrolle stehen und es dort fast nie zum erwähnenswerten Widerstand kommt. Der wohl primäre Grund des Aufstandes ist neben der regulären Unzufriedenheit aber in den Friedensverhandlungen zu finden, die nach der erfolgreichen Offensive der syrischen Armee durchgeführt wurden um weiteres Blutvergießen aus dieser für die Opposition aussichtslosen Situation zu vermeiden. Diese Operation spaltete das Territorium der Aufständischen in zwei Teile: Einen völlig umkreisten Ostteil rund um Dara’a und weiter westlich die Provinz Quneitra, die bisher nahezu unberührt von den Gefechten war und zumindest teilweise von Israel unterstützt wurden.

Während der Osten eine „reguläre Kapitulation“ akzeptieren musste (sprich: Generalamnestie für alle Kämpfer, Freiwillige können nach Idlib transportiert werden und die Regierung kehrt als Administrator zurück), sah es in Quneitra wesentlich besser für die Opposition aus: Auf Intervention Russlands konnte man einen sehr großzügigen Frieden schließen. Die Regierung wird zunächst nur rudimentär in die Region zurückkehren, Ex-Rebellen werden weiterhin die Verwaltung der Gebiete übernehmen und können sogar weiterhin ihre Waffen behalten. Ebenso wird die syrische Armee nicht zurückkehren, lediglich die russische Militärpolizei wird sporadisch Patrouillen fahren. Wie man heute weiß, war diese zugesprochene Autonomie verheerend für die gesamte Region.

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