Islamisten bekämpfen sich in Idlib untereinander

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Zwei Tage lang war die letzte, noch von islamistischen Kräften kontrollierte Provinz Idlib von internen Gefechten geprägt, die wohl radikalsten und mit al-Qaida im Zusammenhang stehenden Gruppierungen bekämpften sich an mehreren Orten in Idlib gegenseitig, dabei kam es auch zum Einsatz schwerer Waffen. Innerhalb diesen kurzen Zeitraumes kam es zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse, insbesondere die Türkei profitiert von ihren ohnehin bestehenden Kontakten mit dschihadistischen Fraktionen in der syrischen Provinz. Interne Gefechte innerhalb der Opposition sind nichts ungewöhnliches in Zeiten der Waffenruhe und des Friedens und offenbaren zugleich eine syrische Zukunft unter der Kontrolle ebendieser Gruppen.

Involviert sind in erster Linie zwei Fraktionen: Die dominierende und stärkste Fraktion innerhalb der syrischen Opposition, Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra) und dem Bündnis des „Standhaft-Operationsraumes“, in erster Linie unter der Führung von Hurras al-Din, aber auch Organisationen wie Ansar al-Din oder Ansar al-Islam sind beteiligt. Bei den Angreifern handelt es sich um die dschihadistische Gruppierung „Hurras al-Din“, die eine Abspaltung von Tahrir al-Sham darstellt. Grund ihrer Unabhängigkeit ist in erster Linie der Bruch mit der al-Qaida-Führung, während Tahrir al-Sham eine unabhängigere Politik fernab von al-Qaida verfolgt, steht Hurras al-Din weiterhin in enger Beziehung mit dieser.

Ein weiterer Grund und wohl auch momentaner Anlass der neuesten Runde an Gefechten ist aber das Verhältnis zur Türkei. Während Tahrir al-Sham gute Beziehungen zur Türkei unterhält, obwohl sie als terroristische Gruppierung von ebendiesem Land eingestuft wird, sieht Hurras al-Din jegliche Beziehungen mit der Türkei und der durch ihr entstandenen Waffenruhe kritisch. Deswegen versuchte Hurras al-Din immer wieder, den Frieden gewaltsam durch ständige Überfälle auf Positionen der syrischen Armee zu beenden, wodurch sie auch einige militärische Erfolge erringen konnte, die wiederum in den radikaleren Teilen der Bevölkerung für Sympathien sorgte. Ohnehin befindet sich Tahrir al-Sham derzeit in einem schweren Verhältnis, da die gegenwärtige Wirtschaftskrise in Syrien ihre Machtbasis erodieren lässt und es immer häufiger zu Protesten gegen sie und ihren politischen Flügel, die „Heilsregierung“, kommt. Aufgrund dessen und auf Bitten der Türkei versucht Tahrir al-Sham dementsprechend, Opposition zur Türkei, zur Waffenruhe und zu Tahrir al-Sham selbst zu zerschlagen,

Die Gefechte begannen in mehreren Dörfern westlich der gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib. Demnach konnten Kämpfer von Hurras al-Din ein Gefängnis der verfeindeten Fraktion erobern und die Insassen daraufhin befreien. Bei den daraufhin entstandenen Kämpfen kam es zum Einsatz schwerer Artillerie und Mörser, die wiederum auch Zivilisten getötet haben sollen. Später setzte Tahrir al-Sham auch mehrere Kampfpanzer ein, nachdem einige Anhänger der Miliz zu Hurras al-Din desertierten und sie dadurch mit unterbemannten Positionen in Idlib selber zu kämpfen hatten. Auch anderswo gab es Versuche seitens Hurras al-Din, Positionen von Tahrir al-Sham zu erobern und inbesondere die an die Türkei grenzenden Gebiete zu sichern und damit langfristig die türkische Rolle in Syrien zu schwächen. Letzten Endes jedoch schien Tahrir al-Sham mit dem Erreichen weiterer Verstärkung aus den anderen Teilen der Region ihre Lage konsolidieren zu können.

Dadurch erklärte sich Hurras al-Din und Verbündete bereit, eine Waffenruhe zu akzeptieren. Bisher ist unklar, welche Fraktion von diesen kurzweiligen Kämpfen wirklich siegreich oder zumindest erfolgreich hervorgehen konnte. Während Hurras al-Din ihre schnelle Schlagkraft beweisen, einige Erfolge vorzeichnen und insbesondere in der Bevölkerung wahrscheinlich an Beliebtheit zunehmen konnte, befinden sie sich weiterhin in der schwächeren Position gegenüber Tahrir al-Sham, alleine schon territorial und personell. Tahrir al-Sham konnte zwar sämtliche verlorenen Gebiete wiedererobern, musste dabei jedoch einige Niederlagen hinnehmen und befindet sich derzeit in einer Konsolidierungsphase. Wahrscheinlich könnten aber die Beziehungen zwischen ihnen und der Türkei dadurch profitieren, da sie sich als effektiver Stellvertreter des nördlichen Nachbarlandes beweisen konnten und türkische Oppositionelle schlagen konnten.

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