Neue kurdische Einheitsfront gebildet

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Im Norden Syriens schlossen sich 25 kurdische Parteien und Organisationen zu einer neuen politischen Allianz zusammen, die den Namen „Kurdische Nationale Einheit“ (PYNK) tragen soll. In der ersten offiziellen Verlautbarung begründete man diese Entwicklung mit den derzeitigen Geschehnissen in der Region, wahrscheinlich eine Anspielung auf die abnehmende Rolle der USA und dem zunehmenden Einfluss der syrischen Regierung und Russlands zum Schutze vor weiteren Übergriffen der Türkei. Dennoch soll diese neue Einheitsfront vor allem durch den Druck der USA entstanden sein, welche an einer Lösung des innerkurdischen Konfliktes zwischen nationalistischen Kurden aus dem Irak (KDP) und demokratischen Konförderalisten unter der PKK/KCK interessiert sind, um ihren eigenen Einfluss in der Region auszubauen.

Unter diesen 25 Parteien befinden sich in erster Linie Kleinstparteien, welche keine bis wenig Macht in Nordsyrien besitzen, einzige Ausnahme bildet die einflussreiche syrisch-kurdische PYD, welche oftmals als syrischer Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bezeichnet und klassifiziert wird. Sie ist die dominante politische Kraft in der Region und besitzt zudem auch noch mit ihrem militärischen Flügel der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) eine schlagfertige Exekutive. Sie war auch wohl die wichtigste Kraft, die an dieser politischen Allianz arbeitet und bereits seit Jahren versucht, eine Einheit zwischen den kurdischen Organisationen zu erschaffen.

Viele von ihnen waren bereits zuvor in Dachverbänden organisiert, unter der „Bewegung für eine demokratische Gesellschaft“ (TEV-DEM) und der „Versammlung für Demokratie und die Linke“ (KDCK) war die PYD und ihre ideologischen und realpolitischen Verbündeten zu finden, aber auch traditionell eher mit der PYD und dem Konzept des „demokratischen Konförderalismus“ kritisch gegenüber stehende Fraktionen sind nun Teil von PYNK. Darunter befinden sich beispielsweise die „Bruderschaftspartei Kurdistans“ (PBK) oder die „Freie Patriotische Union – Rojava“, welche noch vor einem Jahr ein eigenes Bündnis (Union Kurdischer Kärfte – Rojava, YKHR) gründeten und seit jeher zu einer Verhandlungen mit der PYD bereit waren. Als letztes Bündnis ist die „Kurdische Nationalallianz“ (HNKS) mit der „Syrischen Reformbewegung“ und der „Kurdischen Demokratischen Linkspartei in Syrien“ vertreten. Auch tendenziell eher die syrische Regierung unterstützende Parteien wie die „Kurdische Erneuerungsbewegung – Syrien“ oder die „Syrisch-Kurdische Demokratische Partei“ (PDKS) sind in PYNK vertreten.

Während man viele Gruppierungen der politischen Linke vereinen konnte, ist weiterhin die Abwesenheit des „Kurdischen Nationalrates“ (ENKS/KNC) auffällig. Lediglich einzelne, alte Abspaltungen der vergangenen Jahre wie die „Kurdische Demokratische Partei – Syrien“ oder die „Kurdische Demokratische Partei in Syrien“ sind neue Mitglieder, welche aber ohnehin eng mit der PYD in Verbindung standen. Der Kurdische Nationalrat stellt der größte Oppositionsblock gegen die PYD dar und besitzt enge Beziehungen mit den kurdischen Nationalisten der regierenden „Demokratischen Partei Kurdistans“ (KDP) unter Massoud Bahrzani, welche wiederum mit der ebenso irakischen „Patriotischen Union Kurdistans“ (PUK) in Opposition stehen, welche mit ihrem syrischen Ableger „Syrisch-Kurdische Demokratische Einigkeitspartei“ hingegen in PYNK präsent sind.

Es ist auch unwahrscheinlich, dass dieser Graben zwischen den zwei Fraktionen jemals überwinden werden kann, gemessen daran, dass der KNC immer wieder mit der Türkei zusammengearbeitet hat, oftmals auch gegen die PKK in der eigenen Region. Dennoch gab es über die vergangenen Monate hinweg Berichte von Versuchen seitens der USA, diese Kluft zu beseitigen. Möglicherweise ist es auch ein Versuch diverser kurdischer Parteien, sich neue Legitimität zu verleihen. Die Türkei wird diese politische Allianz lediglich als Ablenkmanöver von Terroristen werten, welche sich unter einem neuen Image reorganisieren wollen.

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