IS-Aktivitäten nehmen in Syrien & Irak erheblich zu

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Offizielles PR-Foto des amerikanischen Militärs in Syrien, welches von der einstigen Anti-IS-Operation weit abgerückt ist und stattdessen syrische Ölfelder kontrolliert

Über die vergangenen Wochen hinweg ließ sich ein Anstieg an terroristischen Aktivitäten durch den Islamischen Staat bemessen, wie irakische und syrische Institutionen gleichermaßen bestätigen. Die Verschiebung der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige Coronavirus-Pandemie verschafft dem IS wichtigen Spielraum, den er zugunsten wiederaufgenommener Angriffe und Guerilla-Taktiken nutzt. Besonders der Norden des Iraks ist davon betroffen und verschiedene Milizen erleiden erhebliche Verluste, aber auch im Osten Syriens, die Gebiete unter der Kontrolle der kurdisch-arabischen „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF), haben mit ungewöhnlichen Taktiken der IS-Schläferzellen zu kämpfen, welche neben Attentaten auch massenweise Getreidefelder in einer wüstenreichen Region verbrennen.

Besonders die Region rundum der turkmenischen Stadt Kirkuk oder die Region nördlich von Bagdad ist von anhaltenden Terrorangriffen betroffen, gegenüber dem vorherigen Zeitraum soll die Zahl der Angriffe um das Dreifache zugenommen haben. Zu den beliebtesten Zielen gehören Dorfbewohner und Hirten, welche inbesondere nachts aufgrund der fehlenden Militärpräsenz Entführungen, Tötungen oder Schutzgeldforderungen ausgesetzt sind. Zwar starten irakische Streitkräfte mit der Unterstützung irakisch-schiitischer Milizen und der USA Säuberungsoperationen in der gebirgigen Region, welche trotz der Entdeckung etlicher Tunnelnetzwerke und IS-Kämpfer erfolglos verlaufen.

Zudem erstellen IS-Anhänger immer wieder falsche Checkpoints entlang der Fernstraßen, in der die angehalteten Personen oftmals getötet oder ausgeraubt werden. Möglich wird dies durch Armee- oder Polizeiuniformen, die sie zuvor erbeutet hatten. Auch in den eigenen Medienkanälen erklärt der Islamische Staat immer wieder neue Erfolge, wie z.B. die Ermordung von drei Kämpfern des mehrheitlich schiitischen Milizenverbandes „Hashd al-Shaabi“ in der Stadt Markhout. Diese Meldungen stimmen jedoch in Wirklichkeit eher selten, stattdessen werden oftmals einfache Zivilisten als Spione oder eben Kämpfer porträtiert.

Dem gegenüber stehen die IS-Aktivitäten in Syrien, welche weniger von einem bewaffneten Konflikt geprägt sind, dort zünden IS-Sympathisanten und Anhänger hingegen Felder an. Besonders die Provinzen Hasakah und Raqqah sind von den Bränden schwer getroffen, Hunderte an Bauern mit zumeist kleinen Ackerflächen sind ihrer Lebensgrundlage beraubt worden. Die Region ist generell landwirtschaftlich geprägt und war vor dem Krieg das ertragreichste Gebiet in Syrien, umso härter trifft es Nordsyrien also. Der Islamische Staat bekannte sich zu derartigen Aktionen unter dem Argument, dass die Landwirte „Apostasie“ betreiben und den Feind [die USA] damit unterstützen.

Der IS besitzt im Norden und Osten des Landes weiterhin eine große Präsenz, obwohl der offiziell aus dem Land vertrieben wurde. Schläferzellen erstrecken sich quasi über das gesamte Gebiet, welches von ihnen einst kontrolliert wurde und nährt sich teilweise aus der Unterstützung der lokalen, arabischen Bevölkerung. Auch das Ausheben dieser Strukturen ist nur mühselig erfolgreich, besitzt die SDF doch keinen Geheimdienst wie die syrische Regierung. Auch deswegen ist nur der Norden betroffen, während es im Territorium der Regierung nur vereinzelte Vorfälle gibt. Die eigentlich mit ihnen

Die Wüste zwischen Syrien und Irak (Badia al-Sham) ist Operationsbasis und Rückzugsgebiet der versprengten IS-Kräfte in Syrien. Aufgrund des ungünstigen Terrains und kaum existenter Infrastruktur können sich die mobilen IS-Kämpfer ungehindert bewegen und damit den ständigen Säuberungskampagnen der SDF, der syrischen Armee oder irakischer Streitkräfte entfliehen. Offizielle Zahlen bezüglich des Islamischen Staates existieren nicht, schätzungsweise soll die Organisation aber bis zu 3000 Kämpfer alleine im gesamten Irak besitzen. In Syrien ist die Zahl hingegen kleiner, aber zumindest im Osten Syriens können sie auf die Sympathien eines Bevölkerungsteils setzen, die die Kontrolle der Kurden ebenso wie die der syrische Regierung aufgrund ihrer islamistischen Sympathien ablehnen. Zudem befinden sich Tausende Kämpfer und Familienmitglieder in Gefängnissen, welche weiterhin Anhänger der Ideologie sind.

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