Syrische Regierung und Vereinigte Arabische Emirate suchen die Annäherung

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Eingang der wiedereröffneten VAE-Botschaft in Damaskus

Die ersten Anzeichen einer diplomatischen Annäherung war die Ankunft des ehemaligen sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Bashir in Damaskus: Immer mehr arabische und in den letzten sieben Jahren der syrischen Regierung feindlich gegenüberstehende Länder scheinen sich in den letzten Monaten um eine diplomatische Rehabilitierung mit Syrien zu bemühen, nachdem der Sieg der Regierung im syrischen Konflikt unausweichlich und stillschweigend akzeptiert wird. Besonders aktiv sind die Vereinigten Arabischen Emirate als erster Golfstaat, nachdem sie die diplomatischen Beziehungen zu Syrien wiederhergestellt und die Botschaft wiedereröffnet haben. Beide Länder könnten von einem Bündnis profitieren, die Ursache hierfür liegt vor allem in der Feindschaft gegenüber der Türkei, die Interessen der VAE unter anderem in Libyen bedroht.

Zu den neuesten Zugeständnissen des VAE zählt die Schließung des Fernsehsenders „Orient“, welcher in der Vergangenheit vor allem von pro-oppositioneller Berichterstattung geprägt war. Ohnehin waren die Emirate im Vergleich zu seinen Nachbarn nicht derart intensiv in den syrischen Konflikt involviert, insofern fällt diese Kehrtwende also leichter. Zudem befinden sich sämtliche aufständische Organisationen unter der Kontrolle oder dem Einfluss der Türkei, einem regionalen Rivalen der Vereinigten Arabischen Emirate. In Libyen unterstützen beide Länder sich gegenseitig bekämpfende Fraktionen, die Türkei finanziert die international anerkannte „Einheitsregierung“, welche nur noch kleine Teile des Landes kontrolliert, und die VAE die ostlibyschen Tobruk-Regierung unter der Führung des Kommandanten Khalifa Haftar.

Insbesondere in der diplomatischen Kommunikation gibt es positive Töne gegenüber Assad und der syrischen Regierung. Kronprinz Mohammed bin Zayid bekräfte erst vor einer Woche die enge Zusammenarbeit zwischen den zwei Völkern und dass Syrien auf die Unterstützung der VAE in Bezug auf die Coronabekämpfung zählen. Der emiratische Geschäftsträger Abdul a-Nuaimi in Damaskus lobte zudem die Prosperität und Stabilität, die die Syrer unter der Führung von Bashar al-Assad erfahren wird.

Vorübergehend gab es sogar Gerüchte darüber, dass Mohammed bin Zayid der syrischen Regierung bis zu drei Milliarden US-Dollar versprach, sollten sie ihre Militäroffensive in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib neustarten. Dadurch würde auf die Türkei ein erheblicher militärischer Druck ausgeübt werden, da sie selber mit Hunderten Truppen und großen Mengen an Kriegsgerät als Schutzmacht der islamistischen Gruppierungen in der Provinz präsent sind. Zum gleichen Zeitpunkt sind türkische Streitkräfte in Libyen auf einem ähnlichen Niveau involviert, dementsprechend könnte die Vereinigten Arabischen Emirate auf eine Entlastung in Libyen hoffen. Jedoch handelt es sich hierbei nur um unbestätigte Gerüchte, wirkliche Beweise existieren dafür nicht.

Die Eröffnung der VAE-Botschaft im Diplomatenviertel wurde von den syrischen Medien mit großem Interesse aufgenommen, nachdem die Renovierung des Gebäudes abgeschlossen war. Wie die restlichen Golfstaaten kappte die VAE den Kontakt mit der Regierung 2011 und unterstützte stattdessen die Aufständischen, auf politischer und militärischer Ebene. Während die Vereinigten Arabischen Emirate im Vergleich zu Saudi-Arabien oder Qatar nur eine untergeordnete Rolle spielten, ist dies ein wichtiger diplomatischer Sieg für die Regierung, die damit auch ihre Legitimation wiedergewinnt. Kurz darauf kündigte auch Kuwait an, ihre Botschaft im Herzen Syriens wiederzueröffnen. Zukünftig könnte auch ein Wiedereintritt in die Arabische Liga ermöglicht werden, insofern es eine Stimmenmehrheit innerhalb der gegebenen Mitglieder dafür gibt. Während einige arabische Länder wie der Libanon oder der Irak seit Anbeginn den Ausschluss Syriens kritisiert haben, gibt es auch bei den anderen Mitgliedern vermehrt versönlichere Töne. Besonders Ägypten fördert den Gedanken einer erneuten Mitgliedschaft jenen Landes, welches vor neun Jahren ausgeschlossen wurde.

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