Islamisten bekämpfen sich in türkisch kontrollierter Zone untereinander

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Im Norden der Provinz brachen am vergangenem Freitag heftige Gefechte um die Kontrolle einer syrisch-türkischen Grenzstadt aus, nachdem es in den Tagen vermehrt zu Scharmützeln zwischen verschiedenen islamistischen Gruppierungen gekommen ist. In der Region rundum Nord-Aleppo und Afrin kommt es immer wieder zu oppositionsinternen Gefechten um Macht und Ressourcen, die oftmals blutig und erst mit türkischer Intervention enden. Jedoch handelt es sich bei diesem Falle um die wohl seit Jahren brutalsten Kämpfe, auch da die Türkei bisher noch nicht eingeschritten ist. Der erneute Ausbruch der Kämpfe ist ein Ausdruck für die anomischen Verhältnisse in jenen Gebieten, in denen die Türkei ihre syrischen Stellvertreter herrschen lässt.

Schauplatz des Geschehens ist die syrische Grenzstadt Jarablus, welche als erster größerer Ort im Zuge der türkischen Militäroperationen „Euphrates Shield“ vom Islamischen Staat im Jahre 2016 erobert werden konnte und seitdem durch die türkische Regierung massiv mit Aufbauhilfen gefördert wurde, so entstanden neue Wohnbezirke und öffentliche Infrastruktur, die aber vor allem von islamistischen Milizen und deren Familienmitgliedern genutzt wird, nachdem ein Großteil der kurdischen Bevölkerung vertrieben wurde. Am Freitag kam es scheinbar zu Versuchen durch Kämpfer von Ahrar al-Sharqiyah und Jaish al-Sharqiya, die „Freie Syrische Polizei“ (welche selber vielmehr eine eigene Miliz unter türkischer Obhut darstellen) aus der Stadt gewaltsam zu vertreiben und somit Jarablus für sich beanspruchen zu können.

Dabei brachen bereits die ersten Gefechte aus, im Stadtzentrum detonierte ein Sprengsatz und zerstörte dabei ein Auto. Nahe einem Hauptquartier der Polizeistreitkräfte kam es zu mehreren Toten und Verletzten, nach nur wenigen Stunden konnte sich Ahrar al-Sharqiyah durchsetzen und einen Großteil der Straßen kontrollieren. Aufgrund der Situation mobilisierten Verbündete der Polizei wie die „Syrische Nationale Armee“, Sultan Murad oder Jaish al-Islam ihre Streitkräfte und befinden sich derzeit mit dutzenden Militärkonvois auf dem Weg nach Jarablus. Ahrar al-Sharqiyah verfolgt ähnliche Pläne und schickt eigene Unterstützung, bisher erreichten beide Kräfte aber noch nicht ihr Ziel. Sollte die Türkei weiterhin so ruhig wie bisher sein, könnte die Lage wesentlich eskalieren und möglicherweise sogar zu einem eigenen Bürgerkrieg in den Reihen der türkischen Stellvertreter bzw. Verbündeten führen.

Auch anderswo gibt es immer wieder ähnliche Situationen, wenn auch nicht auf einem ähnlichen Intensitätslevel. In der Nacht zuvor wurden drei Mitglieder von Ahrar al-Sharqiyah durch einen Sprengsatz an ihrem Auto getötet. Zum gleichen Zeitpunkt leisteten sich die Polizei und al-Sharqiyah Kämpfe in der Stadt Jinderes, es ist unklar ob ein Zusammenhang zum Geschehen in Jarablus besteht. In dem erst vor einem Jahr eroberten Ras al-Ayn kam es vor zwei Wochen zu Kämpfen zwischen Sultan Murad und der Hamza-Division, da man sich uneinig über die Besetzung ehemaliger kurdischer Häuser war. Eine Woche später gab es Plänkeleien zwischen Ahrar al-Sham und der Hamza-Division östlich von al-Bab, da man über eine Schmuggelroute streitete. Die Liste ließe sich unendlich weiterführen.

Ohnehin gilt das von der Türkei verwaltete Gebiete um Jarablus und al-Bab als ein Hort der Korruption und Plänkeleien zwischen den verschiedenen Gruppierungen. Ahrar al-Sharqiyah gehört zu den dschihadistischen Organisationen innerhalb des türkischen Machtgebietes und sind innerhalb Afrins durch die Zerstörung eines Spirituosengeschäfts oder dem Singen von islamistischen Liedern ins Rampenlicht getreten. Dieser Vorfall ist nur eines der vielen Beispiele in Nordsyrien, wie die Herrschaft der ineinander verfeindeten und verschiedene Ziele verfolgenden Opposition aussieht, besonders islamistische Kräfte verursachen derartige Eskalationen. Besonders die Einwohner in Afrin und Nord-Syrien leiden darunter, zuvor konnten sie in relativer Stabilität und Freiheit unter der Kontrolle der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. Syrischen Demokratischen Kräfte leben.

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