Unabhängiges Südjemen ausgerufen

Yemen independence rally Aden Reuters

Südjemenitische Separatisten erklärten in der vergangenen Nacht die Unabhängigkeit bzw. autonome Alleinherrschaft gegenüber der international anerkannten Exilregierung, welche nach der Niederlage im Kampf gegen die Houthi-Rebellen in den Süden und Osten des Landes floh. In mehreren Provinzen wurden Regierungsgebäude und Institutionen von südjemenitischen Milizen übernommen, die vom sogenannten „südjemenitischen Übergangsrat“ angeführt werden und einen unabhängigen Staat etablieren wollen. Unterstützung erhalten sie dabei zumindest teilweise durch die Vereinigten Arabischen Emirate. Bereits in der Vergangenheit gab es ähnliche Machtergreifungsversuche, die jedoch durch diplomatische Verhandlungen zwischen Separatisten und Regierung beigelegt werden konnten. Ob sich ein solches Szenario wiederholen wird, ist bisher unklar.

In der Nacht zum Sonntag stürmten verschiedene südjemenitischen Separatisten, die meisten darin organisiert in der „Southern Resistance“ die provisorische Hauptstadt und zugleich wichtige Hafenstadt Aden im Süden des Landes, besetzten Regierungsgebäude und Institutionen wie den Hafen, die Erdölraffinerien oder die Zentralbank und vertrieben effektiv die militärische Präsenz der regulären jemenitischen Streitkräfte. Auch in anderen Städten und Provinzen, in denen der Übergangsrat präsent ist wie Hadramout oder Socotra, kam es zu Umstürzen. Einige südjemenitischen Provinzen wie Shabwah hingegen erklären weiterhin ihre Loyalität für die Exilregierung, dementsprechend repräsentiert der Übergangsrat nicht den Willen der gesamten Bevölkerung im Südjemen, besitzt aber gerade in Aden eine enorme Popularität.

Dennoch genießen sie recht hohe Beliebtheit, was vor allem aber auf die Unfähigkeit und Korruption der eigentlichen Regierung zurückzuführen ist. Seit Jahren gibt es nur eine unzureichende Versorgung mit Elektrizität und Wasser, allgemein wird die Infrastruktur seit Jahren nicht repariert, die Sicherheitslage ist aufgrund regelmäßiger Anschläge durch al-Qaida oder den Islamischen Staat desaströs und Lohnzahlungen bleiben ebenfalls oftmals aus. Stattdessen gibt es immer wieder Korruptionsvorwürfe. Außerdem ist die Regierung mit der Islah-Partei im Osten des Landes verbündet, der jemenitische Ableger der Muslimbruderschaft. Islah ist aufgrund ihres islamistischen Hintergrundes insbesondere in Süd-Jemen unbeliebt.

Die neuesten Aktionen der südjemenitischen Unabhängigkeitsbewegung stellt ein Bruch des im November geschlossenen Riad-Abkommens zwischen Separatisten, Exilregierung und ihren jeweiligen ausländischen Unterstützern von Saudi-Arabien und den VAE dar. Nachdem man die provisorische Hauptstadt Aden erobert und die jemenitische Armee vertrieben hatte, einigte man sich auf eine Beendigung des internen Konfliktes aufgrund der weiterhin bestehenden Gefahr der Houthi-Rebellen. Dem Übergangsrat wurden mehrere Ministerposten zugesprochen, dafür wurden die verschiedenen Milizen in die jemenitische Armee integriert. Dadurch wurde ein Krieg im Krieg verhindert, der in den vergangenen zwei Jahren immer wieder neu auflammte. Nun aber scheinen die Südjemeniten neue Ambitionen zu verfolgen und behaupten zudem, dass sich die Regierung nicht an das Abkommen gehalten hätte. Ob sie sich diesmal mit weiteren „kleineren“ Versprechungen wie einer größere Beteiligung an der Macht zufriedenstellen werden, wird die Zukunft zeigen.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden stammen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen. Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen, negiert und ausgebeutet und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte aber die Kriegssituation und Entlassung von al-Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden, die sich seitdem über den ganzen Süden ausbreitete und dank der Unterstützung der VAE auch eine größeres Milizenbündnis aufstellen konnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s