Der Islamische Staat regeneriert sich in der syrischen Wüste

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Screenshot aus einem IS-Propagandavideo zeigt die Überbleibsel eines erfolgreichen Überfalls

Eigentlich befindet sich die Provinz Homs seit Jahren fest unter der Kontrolle der syrischen Regierung. Der östliche Teil der Provinz besteht jedoch aus der syrischen Wüste Badia al-Sham, ein unwirtlicher Ort. Die Wüste, welche die östliche Hälfte Syriens und die westliche Hälfte des Iraks miteinander vereint, ist ein idealer Rückzugsort für die versprengten Anhänger des Islamischen Staates, welche vor mindestens drei Jahren aus der Region vertrieben wurden, seitdem aber ihre beschränkten Kräfte konsolidieren konnten und inzwischen immer wieder Überfälle auf Zivilisten und Einheiten der syrischen Armee tief im eigenem Territorium verüben. Sollte seitens der Regierung keine effektive Anti-Terror-Operation gestartet werden, könnte sich die Terroristen auf ewig in dem Gebiet festsetzen und für Angst und Schrecken sorgen.

Zu den beliebtesten Zielen der versprengten IS-Kämpfer zählt die Infrastruktur, immer wieder werden in der Wüste Pipelines von Erdgas- und Erdölfeldern wie al-Shaer sabotiert, sodass die Versorgung unterbrochen ist. Derzeit sind einige Raffinerien aufgrund der „anhaltenden Sicherheitslage“ präventiv geschlossen. Auch die Phosphat-Minen südwestlich der Wüstenstadt Palmyra sind ständigen Übergriffen ausgesetzt, der Abbau und Transport des für die Regierung als wichtige Einkommensquelle dienendes Phosphat ist dadurch stark eingeschränkt. Besonders effektiv sind aber auch die ständigen Überfälle auf die N7-Straße, welche Ost- und Westsyrien miteinander verbindet und quer durch die Wüste verläuft. Dort werden gleichermaßen Militärkonvois als auch reguläre Warentransporter überfallen und Insassen ermordet, wodurch der Weg weiterhin als sehr gefährlich gilt. Am Donnerstag startete der IS erstmals nach langer Zeit einen Überfall auf das Dorf al-Rahjan in der Provinz Hama.

Vorübergehend gab es vereinzelte Meldungen von der Eroberung der Wüstenstadt Suknah zwischen Deir ez-Zor und Palmyra, welche sich jedoch als falsch herausgestellt haben. In Wirklichkeit kam es dutzende Kilometer südlich des Ortes zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften der syrischen Regierung und dem Islamischen Staat. Dennoch existiert das Risiko, dass der IS in näherer Zukunft genug Kräfte gesammelt haben könnte, um somit größere und vor allem propagandistisch ausschlachtbare Ziele wie Suknah oder Palmyra zu attackieren. Ein besonderer Vorteil für die Dschihadisten ist auch darin zu finden, dass die Gebiete in und rundum der Wüste von eher kleinen Garnisonseinheiten kontrolliert werden, die eher aus Milizen bestehen und dementsprechend schlecht ausgebildet sind. Insbesondere in der ostsyrischen Provinz Deir ez-Zor besitzen etliche schiitische Milizen aus dem Irak mit iranischer Unterstützung eine Präsenz im Regierungsterritorium am westlichen Ufer des Euphrats. Auch die von Russland unterstützte und ursprünglich aus Aleppo stammende Miliz „Liwa al-Quds“ übernimmt viele Sicherheitsaufgaben in der Wüste.

Aufgrund der anhaltenden Waffenruhe in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib gibt es aber angebliche Vorbereitungen seitens des syrischen Militärs für eine neue Säuberungskampagne in der Provinz Homs. Demnach wurden bereits mehrere Kampfverbände zur T4-Luftwaffenbasis zwischen Palmyra und Homs geschickt, um von dort aus mit der Unterstützung der russischen Luftwaffe die kleine, aber schlagfertigen IS-Truppen zu vernichten. Die Vergangenheit und das enorme Rückzugsgebiet bis in den Irak beweisen jedoch, dass sich das Unterfangen als schwierig gestalten könnte.

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