USA verlegt erste Truppen aus dem Irak

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Überraschend verkündete das amerikanische Militär den Truppenabzug bzw. die Verlegung von US-Soldaten aus einigen, kleineren Militärstützpunkten im Irak, offiziell wird als Grund der erfolgreiche Kampf der irakischen Regierung gegen den Islamischen Staat genannt. Jedoch kam es kurz zuvor zu vermehrten Raketenangriffen auf amerikanische Basen und die US-Botschaft, die in dem Tod von drei Soldaten resultierten. Zu diesen Angriffen bekannte sich eine scheinbar neue Widerstandsgruppierung, die ihren Ursprung wohl im schiitischen Süden besitzt und möglicherweise auch Unterstützung durch den Iran erhält. Mit dem zunehmenden Einfluss schiitischer Milizen steigt der Druck weiter auf die USA, welche sich trotz Regierungsbeschlüssen nicht aus dem iranischen Nachbarland zurückziehen wollen.

Vom Abzug betroffen sind lediglich kleinere Militärstützpunkte der USA, besonders die sich nahe der syrisch-irakischen Grenzstadt al-Qaim befindliche Basis. Diese befindet sich ohnehin im traditionell von schiitisch-irakischen Gruppierungen dominierten Regionen und sind faktisch von diesen Milizen umkreist, sollte es zu Feuergefechten kommen. Das amerikanische Verteidigungsministerium sprach davon, diesen Schritt bereits vor Monaten geplant zu haben. Dennoch kommt es zu dem Truppenabzug rund eine Woche nachdem zwei amerikanische und ein britischer Soldat im Taji-Camp in Zentralirak getötet wurden. Als Reaktion darauf griff die USA mehrere Militärkonvois schiitischer Kämpfer im Irak und angeblich auch auf der syrischen Seite der Grenze an.

Diese sind Mitglieder des sogenannten Dachverbandes „Hashd al-Shaabi“, auch bekannt als die „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMU). Die PMU entstand als Reaktion auf den Aufstieg des Islamischen Staates im Irak und rekrutierte sich in erster Linie aus dem schiitischen Süden, wobei auch andere Religionsgruppen und Ethnien ihre eigenen Milizen als Teil von Hashd al-Shaabi bildeten. Nach dem Sieg über den IS wurden sie von der Regierung in die regulären Streitkräfte des Landes integriert und stellen seit jeher einen integralen Bestandteil des irakischen Sicherheitsapparates dar. Dennoch gibt es innerhalb von Hashd al-Shaabi Vertretungen, die ein starkes Bündnis mit dem Iran suchen. Diese könnten nun hinter den Angriffen auf das amerikanische Militär stecken.

Die sich selbst als „Liga der Revolutionären“ bezeichnende Gruppe veröffentlichte inzwischen zwei Bekennervideos zu den Taten. Demnach sei es eine Vergeltung für den Tod des iranischen Kommandanten Qassem al-Soleimani und des irakischen Milizenführers Abu al-Muhandis durch amerikanische Luftangriffe zu Beginn des Jahres. Die in der Nähe von Taji gefundenen Raketenwerfer bestätigen zumindest, dass es sich nicht um den Islamischen Staat gehandelt habe, der derartiges Equipment nicht besitzt. Möglich ist es, dass diese Liga nur ein neuer Name für bereits etablierte Gruppierungen wie Kataib Hisbollah oder die Badr-Brigaden ist, um unbehelligt gegen die USA operieren zu können.  Das würde wiederum bedeuten, dass der Iran an diesen Angriffen höchst wahrscheinlich durch Waffenlieferungen beteiligt waren.

In dem Zusammenhang kündigte der schiitische Gelehrte Muqtada al-Sadr die Wiederbelebung der Mahdi-Armee an, welche von 2003 bis 2008 die größte Widerstandsgruppierung gegen die amerikanische Besatzung des Landes darstellte und selber Zehntausende Mitglieder aus der schiitischen Bevölkerung zählte. Vor dem Tod Soleimanis war al-Sadr das typische Beispiel eines Nationalisten, welcher auch die Unabhängigkeit des Iraks vom iranischen Einfluss bewahren wollte. Nun aber scheint sich seine Haltung geändert zu haben, bei der Beerdigung von Qassem Soleimani traf er sich unter anderem mit dem ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad und Hadi al-Amiri.

Raketenangriffe auf amerikanische Stützpunkte, darunter auch auf die Botschaft in Bagdad, sind inzwischen nichts ungewöhnliches, verursachen aber nur gelegentlich Schäden und noch seltener Verletzte oder Tote. Verschiedene Teile der PMU kündigten den bewaffneten Widerstand gegen die USA an, sollten sie sich nicht freiwillig aus dem Land zurückziehen. Nachdem die irakische Zentralregierung den Abzug internationaler Soldaten beschloss, es jedoch zu keinen Konsequenzen kam, nahm die Anzahl an gemeldeten Angriffen auf US-Soldaten erheblich zu. Seitens der Zentralregierung kann die USA auf keine Unterstützung hoffen, auch da sie weiterhin mit schweren Protesten in der Hauptstadt beschäftigt ist.

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