Russisch-türkische Patrouille von Islamisten aufgehalten

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Eigentlich hätte es am Sonntag die erste gemeinsame Patrouille des türkischen und russischen Militärs entlang der M4-Autobahn gegeben, welche die Küstenstadt Latakia mit der Millionenstadt Aleppo verbindet, um die erst vor kurzem zwischen den beiden Akteuren ausgehandelte Waffenruhe in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib umzusetzen und eine „Demilitarisierungszone“ entlang der Fernstraße zu etablieren. Dieses Planung wurde jedoch von verschiedenen islamistischen Gruppierungen und wütenden Zivilisten durchkreuzt, wodurch die Patrouille nach nur wenigen Minuten abgebrochen werden musste, auch um sich vor weiteren Gefahren zu schützen. Die Aufständischen in Idlib drohten sogar damit, russische Soldaten zu attackieren und sogar ein Kopfgeld für die Ermordung eines dazugehörigen, russischen Journalisten auszuzahlen.

Der Militärkonvoi hat sich von der erst kürzlich wiedereroberten Stadt Saraqib in Ost-Idlib auf den Weg nach Latakia gemacht, wurde jedoch durch Straßensperren, vor allem hervorgebracht durch brennende Barrikaden, daran gehindert und musste nach nur wenigen Minuten gestoppt werden. Kurz darauf zog man sich wieder zurück, der Sinn und Zweck der gemeinsamen Patrouille wurde somit nicht erfüllt. Die involvierten Gruppierungen wie Tahrir al-Sham oder Ansar al-Sham blockierten die Straßen auch mit eigenen Fahrzeugen und drohten damit, das Feuer auf russische Militärfahrzeuge zu eröffnen. In den sozialen Medien wurde sogar ein Kopfgeld für einen russischen Journalisten verhängt, welcher immer wieder an vorderster Front in der syrischen oder russischen Armee berichtet.

In dem Zusammenhang stellte das russische Verteidigungsministerium nochmal klar, dass es sich hierbei um einen eklatanten Bruch der Waffenruhe handelt und man dementsprechend „anti-terroristische“ Maßnahmen ausführen werde, solange diese Gefahr für den Frieden nicht beseitigt ist. Berichte von russischen Angriffen oder Bombardements auf feindliche Stellungen in der Demilitarisierungszone gibt es jedoch nicht.

Es gibt ohnehin wenig Hoffnung auf einen langfristigen Frieden, das hat Vergangenheit immer wieder gezeigt. Stattdessen werden Waffenruhen als Pausen von beiden Seiten genutzt, um sich neu zu gruppieren, Verstärkungen an die Frontlinien zu schaffen und neue Stellungen auszuheben. Teil der neuen demilitarisierten Zone ist ebenfalls die Region rundum Latakia und der Stadt Jisr al-Shughour, die inzwischen mehrheitlich von dschihadistischen Gruppierungen aus Tschetschenien, Degestan, Usbekistan oder der chinesischen Xianjiang-Provinz (Uiguren) beherrscht wird. Diese Gruppierungen sind nicht dafür bekannt, sich an zwischenstaatliche Vereinbarungen zu halten und werden alles unternehmen, um weiterhin ihren Dschihad in Syrien ausführen zu können. Dadurch erhält die syrische Regierung wiederum eine neue Legitimation, gegen die Opposition militärisch vorgehen zu können.

Der derzeitige Deal erinnert frappierend an all die Waffenruhen der vergangenen Jahre. So einigten sich Russland und die Türkei beispielsweise 2018 auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern. Die Kontrolle sollten dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reichte. Heute ist das Ergebnis offensichtlich: Nach mehrfachen Brüchen und neuen Verhandlungsversuchen kontrolliert die syrische Armee die Hälfte der Provinz Idlib und die Provinz Aleppo inzwischen fast vollständig.

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