Huthi-Rebellen erobern neue Provinz

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Beim Vorrücken erbeuten oder zerstören Houthis etliche von Saudi-Arabien und den VAE belieferte Militärfahrzeuge

Den jemenitischen Houthi-Rebellen ist die Eroberung einer strategisch wichtigen Stadt in einer nahe der Grenze zu Saudi-Arabien gelegenen Provinz gelungen. Die auch als „Ansar Allah“ bekannte Gruppierung startete in den vergangenen Wochen eine neue Gegenoffensive in der nordöstlich der Hauptstadt Sanaa gelegenen Region von al-Jawf und al-Hazm, die mit der Unterstützung neuer Waffen gesichert und in der Verdrängung der jemenitischen Exilregierung unter dem Präsidenten Mansour Hadi endete. Damit steht nun der Weg in die ölreiche und bisher vom Krieg vergleichsweise verschonte Marib-Provinz frei, die von dem jemenitischen Ableger der Muslimbruderschaft, die Islah-Partei, kontrolliert wird. Die neuesten Fortschritte versetzen die Houthis in eine bessere Verhandlungsposition mit Saudi-Arabien und könnte den künftigen Verlauf wesentlich verändern.

Die Stadt al-Hazm, welche die Provinzhauptstadt von al-Jawf im Norden des Landes darstellt, befindet sich 100 Kilometer nordöstlich von Sanaa an einer wichtigen Versorgungsstraße zwischen Saudi-Arabien und dem Süden Jemens entfernt, welche in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz von Militäroperationen Saudi-Arabiens und der jemenitischen Armee gewesen ist. Zudem befindet sich die Stadt im letzten fruchtbaren Tal, östlich davon ist nur noch Wüste und damit die Marib-Provinz zu finden, welche für ihren Reichtum an Ressourcen und als sicherer Aufenthaltsort für Flüchtlinge aus anderen Landesteilen bekannt ist. Mit dem Tor zur Wüste offen, kann man in die schlecht überwachbaren Gebiete weiter expandieren und damit die gleichnamige Provinzhauptstadt Marib selber umgehen, um Ölraffinerien zu erobern bzw. zu sabotieren.

Die Eroberung von al-Hazm ist einer weiteren Offensive im Januar vorausgegangen, die die Bedingungen dafür geschaffen hat. Die als Operation „Bunyan al-Marsus“ getaufte Operation der Houthis hatte das Ziel, zunächst einen feindlichen Vorstoß auf die Hauptstadt aufzuhalten. Nachdem das geglückt ist und eigenen Angaben zufolge Dutzende Bataillone der Exilregierung vernichtet werden konnten, startete man einen Gegenangriff, der in der Eroberung von 2.500 Quadratkilometern und der vollständigen Wiedereroberung des Distriktes al-Nihm endete. Von einst 70 Kilometern befindet man sich nur noch rund 20 Kilometer von Marib entfernt und damit in der Reichweite von Raketen und Drohnen von Ansar Allah. Dabei wurden die feindlichen Truppen zunächst eingekreist und die letzten Nachschublinien abgeschnitten, sodass man zum Rückzug gezwungen wurde. Mit den neuesten Erfolgen konnte man auch mehrere Gebirgsmassive erobern und damit die Stadt Marib überblicken.

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Bestandteil der Offensive war auch ein Raketenangriff auf die saudische Industriestadt Yanbu, welche die Waffenruhe zwischen Houthis und Saudi-Arabien bedeutend destabilisierte. Dennoch gibt es weiterhin direkte Verhandlungen zwischen dem saudischen Königshaus und den nordjemenitischen Houthi-Rebellen, vor allem da die nur wenige Monate andauernde Intervention im Jemen sich als unerwartet schwieriges Unterfangen herausstellt, die ständigen Drohnen- und Raketenangriffe auf die Öl-Infrastruktur des nördlichen Nachbarn für erhebliche Verluste sorgen und die jemenitischen Partner Saudi-Arabiens nur bedingt militärisch erfolgreich sind. Zudem erhalten die Houthis immer moderne und bessere Waffen über den Iran oder durch eigene Produktion. Die Eroberung von al-Hazm stärkt dabei die Verhandlungsposition der Houthis.

Außerdem könnte man potentielle Überfälle auf den al-Wadeah-Grenzübergang zwischen Jemen und Saudi-Arabien starten, der einzige noch funktionstüchtige und dementsprechend wichtige Grenzübergang zwischen den beiden Ländern. Parallel dazu starteten die jemenitischen Aufständischen mehrere Angriffe an ihren südlichen und westlichen Frontabschnitte, wie in der Hafestadt al-Hodeidah und Abyan, jedoch ohne wirklichen Erfolg vorzuweisen.

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