Syrische Armee rückt trotz türkischen Bombardements wieder vor

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Syrischer Soldat im Zentrum von Saraqib

Trotz den weiterhin andauernden Bombardements der türkischen Luftwaffe auf verschiedene Positionen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und verbündeter Gruppierungen kann die syrische Regierung in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib langsam vorrücken und vor wenigen Tagen verloren gegangene Territorien wieder zurückerobern. Während die Türkei weiterhin intensiv in den syrischen Konflikt interveniert, massenweise Waffen und Fahrzeuge an ihre syrischen Stellvertreter liefert und selber durch Kampfjets, Drohnen und Artillerie an den Kämpfen gegen das syrische Militär teilnimmt, hat Russland sein tagelanges Schweigen gebrochen und ist inzwischen an einigen Frontabschnitten mit eigenen Soldaten präsent, um weitere Übergriffe der Türkei zu verhindern.

In einer überraschenden Gegenoffensive konnten die syrischen Streitkräfte die strategisch sehr wichtig gelegene Stadt Saraqib und einige der umliegenden Dörfer wiedererobern und dabei den oppositionellen Verbänden erhebliche Verluste zufügen. Dabei wurde auch mindestens ein türkischer M60T-Kampfpanzer beschädigt und ein türkischer Soldat getötet, welcher zu dem Zeitpunkt an der Seite von Islamisten kämpfte. Bei der Eroberung von Saraqib, welches an einem Autobahnkreuz zwischen der M5 zwischen Aleppo und Hama, und der M4 zwischen Aleppo und Latakia liegt, nahm auch eine höhere Anzahl von Hisbollah-Kämpfern teil, welche gut ausgebildet sind. Derzeit kommt es in den Dörfern al-Nayrab und Afes zu Kämpfen, die gesamte M5-Autobahn befindet sich nun wieder unter der Kontrolle der syrischen Regierung.

Auch in Süd-Idlib können die syrischen Streitkräfte wieder vorrücken bzw. den Vorstoß der Aufständischen mit türkischer Unterstützung aufhalten. In der Umgebung der symbolisch wichtigen Stadt Kafranbel konnten die Dörfer Hazzarin und al-Kabireh wiedererobert werden. Dennoch ist unklar und eher unwahrscheinlich, ob die SAA weiterhin die Eroberung der gesamten M4-Autobahn als Ziel gepflegt. Derzeit befindet man sich in Süd-Idlib etwa 16 Kilometer von der Fernstraße entfernt.

Um die Eroberung von Saraqib diesmal zu verfestigen, schickte Russland eigene Truppen in Form von Patrouillen entlang der M5, sodass die Türkei keine weiteren, direkten Angriffe auf das Gebiet starten kann. Damit übernimmt das russische Militär die gleiche Taktik wie die Türkei über die letzten Monate hinweg, indem sie entlang der ganzen Frontlinie Militärbasen errichteten, um das Vorrücken der syrischen Armee (erfolglos) aufzuhalten.

Die syrische Luftwaffe ist im eigenem Luftraum weiterhin nur sehr wenig und vorsichtig aktiv, nachdem vor zwei Tagen drei syrische Kampfjets durch türkische F-16-Jets attackiert wurden, wodurch zwei davon abgestürzt sind. Am Dienstag wurde eine weitere syrische L-39 von der Luft geholt. Dieser Trainingsjet wurde in Syrien (u.a. auch im Irak) von der Regierung zu einem richtigen Kampfjet umgebaut, welche mehrere Bomben transportieren und abwerfen können. Die gesenkte Präsenz syrischer Luftfahrzeuge macht Russland hingegen in den vergangenen Tagen wieder wett. Besonders im Raum von Saraqib kam es zu dutzenden Luftangriffen durch Russland, auch die Provinzhauptstadt Idlib und Jisr al-Shughour wurden durch Bomben angegriffen.

Drohnenoperationen der Türkei dauern weiterhin auch, jedoch muss man erste materielle Verluste beklagen. Das syrische Militär vermeldet inzwischen mehrmals am Tag, türkische Drohnen abgeschossen und damit zerstört zu haben. Darunter befinden sich in erster Linie teure Anka-S-Drohnen, welche in nur niedriger Stückzahl existieren, und die vergleichsweise öfter produzierten Bayraktar TB2. Dennoch versuchen diese Drohnenangriffe weiterhin erhebliche Verluste in den Reihen der syrischen Armee, insbesondere Militärkonvois werden attackiert und damit dutzende Fahrzeuge zerstört und eine ähnliche hohe Anzahl an Soldaten getötet. Jedoch ist nicht jede abgeschossene Drohne eine Türkische, tatsächlich handelt es sich bei den Meisten um DIY-Drohnen oder Quadracopter, die von den Islamisten konstruiert und eingesetzt werden. Am Mittwoch gab es zudem den Bericht, eine iranische Drohne aus versehen abgeschossen zu haben.

 

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Deutsche Leopard-2-Panzer werden inzwischen in türkischen Stellungen nördlich von Idlib eingesetzt

In den vergangenen Wochen hat die Türkei massiv in der Provinz Idlib aufgerüstet und ihre Aggressionen gegenüber der syrischen Regierung verstärkt. Tausende Soldaten und etliche Militärfahrzeuge überquerten die syrisch-türkische Grenze, um an den Frontlinien Präsenz zu zeigen und damit ein weiteres Vorrücken der syrischen Armee aufzuhalten, mit Erfolg. Inzwischen intervenierte die Türkei sogar direkt in die Gefechte, unter anderem durch den Einsatz von mehreren Artillerie-, Raketen- und Luftabwehrsystemen. Die syrische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und so wurden bereits mehrfach türkische Militärkonvois bombardiert, die bisher zu über 50 getöteten türkischen Soldaten geführt haben. Zudem wurden mehrere Militärbasen der Türkei erfolgreich in den Provinzen Idlib und Aleppos eingeschlossen, wodurch sie sich in „Geiselnahme“ befinden. Die Türkei stellte der syrischen Regierung bis Ende Februar ein Ultimatum, sich aus den neu eroberten Gebieten in Idlib zurückzuziehen, ansonsten werde man einen militärischen Gegenangriff starten.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Zu den wichtigsten Zielen dieser Phase zählt die vollständige Eroberung der M5-Autobahn, welche Aleppo und Damaskus miteinander verbindet, der zweitgrößten Stadt Idlibs namens Maraat al-Numan und Sicherung der Vororte Aleppos. Dies entspricht etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.  Gebiete südlich erweitert.

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