Syrische Armee erobert Süd-Idlib, Islamisten erobern Saraqib zurück

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Die Offensive der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) mit der Unterstützung Russlands und verschiedener Milizen in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib dauert weiterhin an. In den letzten Tagen konnte ein großer Teil im Süden der Region erfolgreich ohne nennenswerten Widerstand von den Aufständischen erobert werden, derzeit rücken die syrischen Streitkräfte weiter erfolgreich vor und können tagtäglich mehrere Orte sichern, darunter auch die für ihren Widerstand bekannte Stadt Kafrnabel. Zum gleichen Zeitpunkt starteten islamistische Kräfte mit der Unterstützung der Türkei eine Gegenoffensive weiter nördlich und erobert Saraqib, eine entlang der M4- und M5-Autobahn günstig gelegene Stadt, die erst vor wenigen Wochen von der syrischen Regierung gesichert werden konnte. Dabei werden auch Kindersoldaten eingesetzt.

Mit unglaublicher Geschwindigkeit konnte das syrische Militär fast das gesamte Zawiyah-Hochland, den Shashbal-Berg und die al-Ghab-Felder erobern und damit die Frontlinie wesentlich verkleinern konnte. Es ist zu erwarten, dass die verbliebenen Gebiete von al-Ghab innerhalb der nächsten 24 Stunden fallen werden, da die syrische Armee ohne Probleme von zwei Seiten vorrücken kann. Zu den wichtigsten Eroberungen zählt die Stadt Kafrnabel, welche jahrelang zu den wichtigsten Hochburgen der Opposition zählte und international durch das regelmäßige Erstellen von Anti-Assad-Postern Bekanntheit erlangte. Nun befindet sich die syrische Armee durchschnittlich rund 14 Kilometer von der M4-Autobahn entfernt, welche als das Ziel des derzeitigen Vorstoßes gilt. Bis auf den Abschuss einer türkischen Aufklärungsdrohne kam es zu keinen wirklichen Gefechten mit oppositionellen Kräften.

Weiter nordwestlich sieht die Situation für die syrische Regierung hingegen weniger optimistisch aus. Die dritte Gegenangriff islamistischer Kräfte auf die Stadt al-Nayrab, welche westlich der M5-Autobahn liegt und sich nur wenige Kilometer von der gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib befindet, konnte sich inzwischen zu einer richtigen Gegenoffensive entwickeln. Nach der Einnahme von al-Nayrab konnten weitere umliegende Dörfer wie Afes oder San gesichert werden, nachdem sich die syrische Armee zurückziehen musste. Dabei hinterließen sie auch allerlei an Equipment, darunter mehrere Kampfpanzer (T-55 und T-72) und ein Shilka-Flakpanzer, neben weiteren Waffen. In der Nacht zum Donnerstag konnte zudem das Ziel der Operation, die Stadt Saraqib, erfolgreich besetzt werden. Damit ist auch die M5-Autobahn erneut durchtrennt. Zudem errichtete die Türkei mehrere Checkpoints und Militärbasen in den Vororten, um damals das Vorrücken der syrischen Armee (erfolglos) zu verhindern. Die darin befindlichen türkischen Soldaten wurden nun wieder befreit.

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Fortschritt der syrischen Armee in Süd-Idlib in den letzten Tagen

Der Angriff wird von der radikalislamistischen Gruppierung Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra) und der salafistischen Ansar al-Tawhid angeführt, aber auch andere Kräfte wie die direkt von der Türkei finanzierte „Nationale Befreiungsfront“ sind an der Offensive beteiligt. Mit neuesten türkischen Waffen ausgerüstet, darunter etliche M113-Transportpanzer oder Raketenwerfern, können sie den verbliebenen Einheiten der SAA in der Umgebung von Saraqib überwältigen und weiter vorrücken. Alleine am Mittwoch wurden zudem drei MANPADS gestartet, schultergestützte Flugabwehrraketen, die russische und syrische Kampfjets attackieren sollten, ihre Ziele aber verfehlten. Es ist unklar, ob diese Waffen von den Islamisten selber oder türkischen Soldaten eingesetzt werden, bisher spricht alles für den letzteren Fall.

Außerdem wurden Videos und Bilder veröffentlicht, welche auf die Beteiligung von Kindern an der Rebellenoffensive hinweisen. Neben einem Video (siehe unten) veröffentlichte die „Nationale Befreiungsfront“ mehrere Videos, in dem andere Kindersoldaten Teil des Angriffes auf al-Nayrab waren. Ein Indikator dafür, dass die verbliebene Zahl an Kämpfern auf Seiten der Opposition zuneige geht.

https://twitter.com/syrianwarpress/status/1232718194881814529?s=21

In den vergangenen Wochen hat die Türkei massiv in der Provinz Idlib aufgerüstet und ihre Aggressionen gegenüber der syrischen Regierung verstärkt. Tausende Soldaten und etliche Militärfahrzeuge überquerten die syrisch-türkische Grenze, um an den Frontlinien Präsenz zu zeigen und damit ein weiteres Vorrücken der syrischen Armee aufzuhalten, bisher aber ohne Erfolg. Inzwischen intervenierte die Türkei sogar direkt in die Gefechte, unter anderem durch den Einsatz von mehreren Artillerie-, Raketen- und Luftabwehrsystemen. Die syrische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und so wurden bereits mehrfach türkische Militärkonvois bombardiert, die bisher zu 21 getöteten türkischen Soldaten geführt haben. Zudem wurden mehrere Militärbasen der Türkei erfolgreich in den Provinzen Idlib und Aleppos eingeschlossen, wodurch sie sich in „Geiselnahme“ befinden. Die Türkei stellte der syrischen Regierung bis Ende Februar ein Ultimatum, sich aus den neu eroberten Gebieten in Idlib zurückzuziehen, ansonsten werde man einen militärischen Gegenangriff starten.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Zu den wichtigsten Zielen dieser Phase zählt die vollständige Eroberung der M5-Autobahn, welche Aleppo und Damaskus miteinander verbindet, der zweitgrößten Stadt Idlibs namens Maraat al-Numan und Sicherung der Vororte Aleppos. Dies entspricht etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib. Nun wird diese zweite Phase scheinbar um die Eroberung der M4-Autobahn und jener Gebiete südlich erweitert.

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