Syrische Armee führt Offensive in Idlib fort

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Türkische Militärfahrzeuge werden inzwischen intensiv von Islamisten (Hier: Tahrir al-Sham) eingesetzt

Nachdem die Frontlinien in den Provinzen Idlib und Aleppos für mehrere Tage vergleichsweise verstummt sind, startete die Syrisch-Arabische Armee (SAA) mit alliierten Gruppierungen eine neue Offensive auf jene Territorien südlich der M4-Autobahnen, die die Städte Aleppo und Latakia miteinander verbindet und derzeitig das verbleibende Gebiet verschiedener islamistischer Gruppierungen in zwei Teile teilt. Dadurch würde das Territorium der Aufständischen erneut halbiert werden. Bereits in den ersten 24 Stunden konnten mehrere Orte ohne erwähnenswerten Widerstand erobert werden, nachdem die syrische und russische Luftwaffe tagelang Angriffe in der Region flogen.  Es ist zu erwarten, dass die Operation nur wenige Wochen andauern wird.

In der Nacht zum Montag konnte die syrische Armee bereits erste Erfolge vermelden und mehrere Dörfer an den ehemaligen Frontlinien südwestlich der zweitgrößten Stadt Idlibs, Maraat al-Numan, sichern. Inzwischen wurden sogar ganze Städte wie Kafr Sejena oder Maraat Nurmah erobert, dabei stieß man kaum auf Widerstand und konnte sogar mehrere Islamisten gefangen nehmen. Die westlich von Maraat al-Numan befindliche Region ist auch als das Zawiyah-Hochland bekannt und umfasst mehrere Städte und wichtige Verbindungsstraßen zwischen Ost und West. Da sich die bisherige Offensive auf die Gebiete rundum der M5-Autobahn beschränkte, wurde das Territorium bisher ignoriert.

Bei den neuesten Bombardierungen Syriens und Russland auf Zawiyah wurden einigen Meldungen zufolge bis zu fünf türkische Soldaten getötet und ebenso viele verletzt. Einige Quellen sprechen sogar von bis zu 13 Opfern, wobei es für diese Behauptung keine Beweise gibt. Türkische Truppen werden inzwischen immer wieder getroffen, vor allem nachdem sie aktiv in Gefechte zwischen SAA und Oppositionellen eingegriffen haben. So verstärkte die türkische Regierung nicht nur ihre Militärpräsenz auf dem Hochland mit der Errichtung mehrerer neuer Militärbasen, sondern soll auch Armeepositionen mit Artillerie beschossen haben.

Währenddessen starteten islamistische Kampfverbände zum dritten Mal eine Offensive auf die Stadt al-Nayrab, welche westlich der M5-Autobahn und nur wenige Kilometer von der gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib entfernt liegt. Erneut konnte der Vorstoß innerhalb weniger Stunden abgewehrt und den Oppositionellen erhebliche Verluste zugefügt werden. Im Gegensatz zum vorherigen Angriff soll sich die Türkei in ihrer Unterstützung vergleichsweise zurückgehalten haben, setzte also keine eigenen Truppen, Panzer oder Artillerie ein. Stattdessen wurden die Islamisten massenweise mit modernen Kriegsgerät, darunter auch etliche M113-Transportpanzer, beliefert, ein großer Anteil der Waffen landete zudem bei der radikalislamistischen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham oder Jabhat al-Nusra), die von der Türkei selber als terroristische Gruppierung klassifiziert wird.

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Weiß umkreist zeigt die wahrscheinlichsten Ziele dieser neuen Operation

In den vergangenen Wochen hat die Türkei massiv in der Provinz Idlib aufgerüstet und ihre Aggressionen gegenüber der syrischen Regierung verstärkt. Tausende Soldaten und etliche Militärfahrzeuge überquerten die syrisch-türkische Grenze, um an den Frontlinien Präsenz zu zeigen und damit ein weiteres Vorrücken der syrischen Armee aufzuhalten, bisher aber ohne Erfolg. Inzwischen intervenierte die Türkei sogar direkt in die Gefechte, unter anderem durch den Einsatz von mehreren Artillerie-, Raketen- und Luftabwehrsystemen. Die syrische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und so wurden bereits mehrfach türkische Militärkonvois bombardiert, die bisher zu 21 getöteten türkischen Soldaten geführt haben. Zudem wurden mehrere Militärbasen der Türkei erfolgreich in den Provinzen Idlib und Aleppos eingeschlossen, wodurch sie sich in „Geiselnahme“ befinden. Die Türkei stellte der syrischen Regierung bis Ende Februar ein Ultimatum, sich aus den neu eroberten Gebieten in Idlib zurückzuziehen, ansonsten werde man einen militärischen Gegenangriff starten.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Zu den wichtigsten Zielen dieser Phase zählt die vollständige Eroberung der M5-Autobahn, welche Aleppo und Damaskus miteinander verbindet, der zweitgrößten Stadt Idlibs namens Maraat al-Numan und Sicherung der Vororte Aleppos. Dies entspricht etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib. Nun wird diese zweite Phase scheinbar um die Eroberung der M4-Autobahn und jener Gebiete südlich erweitert.

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