Türkei unterstützt islamistische Offensive direkt

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Mit türkischen Panzerfahrzeugen attackiert Tahrir al-Sham Stellungen der syrischen Armee

Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und Russland wurden am Donnerstag mit einer überraschenden Gegenoffensive islamistischer Fraktionen unter der Führung der dschihadistischen Tahrir al-Sham (HTS, ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra) konfrontiert, nachdem das syrische Militär seine neuesten Eroberungen in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib konsolidieren konnte. Der lokal beschränkte Angriff ist nichts ungewöhnlich, jedoch erhielt HTS direkte Feuer- und Materialunterstützung durch türkische Soldaten, die Seite an Seite mit den selbst in der Türkei als terroristische Gruppierung eingestuften Kämpfer kämpften. Während dieser Vorstoß abgewehrt werden konnte und dadurch türkische Soldaten getötet wurden, verschärft sich die Lage immer weiter.

Ziel der islamistischen Operation war das einst 2.500 Einwohner zählende Dorf al-Nayrab, welches westlich der M5-Autobahn liegt und sich nur rund acht Kilometer von der gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib entfernt befindet. Bereits in der Vergangenheit gab es oppositionelle Eroberungsversuche, welche jedoch immer wieder zurückgeschlagen werden konnte. Nun gab es mächtige Unterstützung vom nördlichen Nachbarn: Mit eigener Artillerie und Bodentruppen lieferte das türkische Militär Feuerunterstützung der Offensive, zudem sollen sie mehrere russische und syrische Aufklärungsdrohnen durch den Einsatz von tragbaren Luftabwehrraketen (MANPADS) abgeschossen haben.  Ebenso involviert sollen mehrere Spezialeinheiten der türkischen Streitkräfte sein.

Inbesondere Russland reagierte auf den türkischen Vorstoß äußerst aggressiv und flog mithilfe von Kampfjets Dutzende Angriffe auf Tahrir al-Sham. Unter anderem wurden auch mehrere Tochka-Raketen von russischen Kriegsschiffen vor der syrischen Küste gestartet, welche umliegende Orte von al-Nayrab trafen. Insgesamt wurden zwei türkische Soldaten getötet und fünf Weitere verletzt. Getroffen wurden die türkischen Streitkräfte durch syrische oder russische Luftschläge, nachdem Islamisten mit türkischer Unterstützung mehrere MANPADS gegen russische Kamfpjets einsetzten, diese aber ihr Ziel verfehlten. Eine direkte Intervention Russlands könnte ein jähes Ende für die türkischen Ambitionen in Syrien bzw. Idlib bedeuten.

Trotz der massiven Unterstützung konnte die syrische Regierung den Angriff abwehren und alle Gebiete rundum al-Nayrab erfolgreich verteidigen. Es gibt widersprüchliche Angaben über die Verluste auf beiden Seiten, Regierung und Opposition sprechen von Dutzenden Toten auf der jeweils anderen Seite und ebenso vielen zerstörten Panzern und Militärfahrzeugen. Durch die Offensive offenbarte sich vor allem die enge Kooperation zwischen HTS und der Türkei, obwohl Tahrir al-Sham als terroristische Organisation eingestuft wird. Nicht nur erhielten sie massive materielle Unterstützung wie z.B. mehrere M113-Transporter, sondern auch direkte Koordinaten durch türkische Aufklärungsdrohnen.

In den vergangenen Wochen hat die Türkei massiv in der Provinz Idlib aufgerüstet und ihre Aggressionen gegenüber der syrischen Regierung verstärkt. Tausende Soldaten und etliche Militärfahrzeuge überquerten die syrisch-türkische Grenze, um an den Frontlinien Präsenz zu zeigen und damit ein weiteres Vorrücken der syrischen Armee aufzuhalten, bisher aber ohne Erfolg. Inzwischen intervenierte die Türkei sogar direkt in die Gefechte, unter anderem durch den Einsatz von mehreren Artillerie-, Raketen- und Luftabwehrsystemen. Die syrische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten und so wurden bereits mehrfach türkische Militärkonvois bombardiert, die bisher zu 16 getöteten türkischen Soldaten geführt haben. Zudem wurden mehrere Militärbasen der Türkei erfolgreich in den Provinzen Idlib und Aleppos eingeschlossen, wodurch sie sich in „Geiselnahme“ befinden. Die Türkei stellte der syrischen Regierung bis Ende Februar ein Ultimatum, sich aus den neu eroberten Gebieten in Idlib zurückzuziehen, ansonsten werde man einen militärischen Gegenangriff starten.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Zu den wichtigsten Zielen dieser Phase zählt die vollständige Eroberung der M5-Autobahn, welche Aleppo und Damaskus miteinander verbindet, der zweitgrößten Stadt Idlibs namens Maraat al-Numan und Sicherung der Vororte Aleppos. Dies entspricht etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib. Ebenso unsicher ist es, ob die Militäroffensiveweitergeführt  wird, oder es erneut zu einer mehrmonatigen Pause kommt. Das nächste Ziel könnten sämtliche Gebiete südlich der M4-Autobahn sein, welche von Latakia bis nach Aleppo verläuft.

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