USA und Türkei attackieren syrische Armee

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In den vergangenen Tagen hat sich die Situation in Syrien erheblich zugespitzt, vor allem nachdem es zu mehreren Schusswechseln und Toten zwischen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und türkischen Streitkräften in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib, gekommen ist. Unter dem Vorwand des Schutzes hat die Türkei Tausende Soldaten nach Syrien geschickt und ihre Drohgebärden intensiviert, die in bisher über zehn Toten auf türkischer Seite geführt hatte. Mehrere Luftangriffe trafen türkische Militärkonvois, während syrische Helikopter abgeschossen werden. Nun kam es auch noch zu Gefechten zwischen amerikanischen Truppen und syrischen Militärs im Nordosten des Landes, kurz nachdem die USA und Türkei wieder eine Annäherung miteinander suchen.

Am Dienstag eskalierte die Situation erneut, nachdem ein syrischer Kampfhubschrauber nahe der Stadt Saraqib abgeschossen wurde. Während die Türkei jegliche Schuld von sich weist, werden Islamisten als die wahrscheinlichsten Täter angesehen. Diese wurden erst vor kurzem mit MANPADS, tragbaren Luftabwehrraketen, durch die Türkei ausgestattet, ein Novum welches sogar den zivilen Flugverkehr betreffen könnte. Als Reaktion auf den Abschuss wurde ein türkischer Militärkonvoi nahe der Stadt Qaminas getroffen, dabei gab es aber keine Berichte von Verletzten. Unklar ist weiterhin, ob die Luftschläge durch Syrien oder Russland erfolgt sind. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass die türkischen Streitkräfte durch die syrische Regierung in der Vergangenheit angegriffen wurde, bereits diese Woche handelt es sich um das dritte Bombardement.

Im Hintergrund dieser Ereignisse verkündete Präsident Erdogan am Dienstag, dass bei einem erneuten Angriff auf türkische Soldaten in ganz Syrien zurückgeschlagen werden könnte. Kampfjets und Helikopter können sich nicht mehr frei ohne Absprache mit der Türkei über der Provinz Idlib bewegen, heißt es weiter. Zudem betonte er nochmals den Rückzug der SAA aus Idlib und die Aufgabe ihrer Fortschritte in den vergangenen Monaten, ansonsten werde man militärisch eingreifen. Derartige Drohungen bewahrheiten sich nur selten und werden eher als innenpolitisches Mittel eingesetzt, anstatt solche Forderungen wirklich gegen den Willen der russischen und syrischen Regierungen durchzusetzen.

In den vergangenen Tagen hat die USA zudem betont, sich wieder der Türkei annähern zu wollen und auf diesem Wege an Einfluss im syrischen Konflikt zu gewinnen. James Jeffrey, amerikanischer Diplomat und zuständig für die „Anti-IS-Koalition“ betrauerte die in Syrien getöteten türkischen Soldaten und bezeichnete sie als „Märtyrer“. Zudem unterstützt die USA jegliches weitere Vorgehen bezüglich Idlib und damit auch einer potentiellen Offensive gegen die syrische Regierung.

In einem möglichen Zusammenhang dazu stehend kam es am Mittwoch zu kurzweiligen Gefechten nahe der Stadt Qamishli im Nordwesten des Landes. Milizionäre und Anhänger der syrischen Regierung blockierten einen US-Konvoi, welcher daraufhin auf die Demonstranten schossen, wodurch ein Jugendlicher getötet wurde. Es gab auch vereinzelt Berichte von amerikanischen Luftschlägen, die sich aber als falsch herausstellten. Die USA patrouilliert in der Region regelmäßig, da sie noch unter dem Einflussbereich der kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) fällt und zudem über wichtige Öl- und Gasreserven verfügt.

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Überreste eines türkischen Konvois, nachdem er von syrischen Luftschlägen getroffen wurde

Trotz der Ereignisse und der gestiegenen, türkischen Aktivitäten kann die syrische Armee weiter in der Provinz Aleppo vorrücken. Südwestlich der Millionenstadt konnte das Militär mehrere Dörfer erobern und damit letztendlich die M5-Autobahn vollständig wiedererobern können. Damit befindet sich nun zwischen Hama bzw. Damaskus und Aleppo eine direkte Verbindung. Sogar einige Teile der Vororte Aleppos, wie z.B. Khan al-Assal, konnten gesichert werden, nachdem sie jahrelang die Frontlinien bildeten. Derzeit wird die Pufferzone rundum der M5-Fernstraße ausgebaut und möglicherweise zielt die syrische Armee darauf ab, die Provinz Aleppo fast vollständig zu erobern und damit jegliche Gefahr von der gleichnamigen Großstadt zu bannen.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib. Ebenso unsicher ist es, ob die Militäroffensive weitergeführt wird, oder es erneut zu einer mehrmonatigen Pause kommt. Das nächste Ziel könnten sämtliche Gebiete südlich der M4-Autobahn sein, welche von Latakia bis nach Aleppo verläuft.

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