Türkei verliert in Idlib immer weiter

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Während die Syrische-Arabische Armee (SAA) und Alliierte in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib vorrücken und tagtäglich neue Orte erobern können, versucht die türkische Regierung ihre syrischen Stellvertreter ein letztes Mal zu beschützen. Nachdem bereits etliche Versuche, die Offensive durch die Errichtung türkischer Militärbasen aufzuhalten, gescheitert und die dort stationierten Soldaten sogar belagert sind, versucht man es nun mit der Androhung eines Krieges: Präsident Erdogan warnt die syrische Regierung vor weiteren Fortschritten bis Ende Februar, ansonsten werde man militärisch die syrische Armee wieder aus Idlib vertreiben. Währenddessen haben syrische Streitkräfte möglicherweise etliche türkische Truppen in einer Stadt belagern können.

Der türkische Präsident Erdogan stellte der syrischen Regierung ein Ultimatum zum Rückzug aus der Provinz Idlib. Die Türkei werde handeln, sollte sich das syrische Militär nicht noch im Februar von den türkischen Observierungsposten zurückziehen, sagte er in einer Rede in Ankara. Die Drohungen folgen den militärischen Drohungen der syrischen Armee in Idlib, auch nachdem sechs türkische Soldaten durch syrische Angriffe in der Provinz getötet wurden. Die Türkei reagierte mit angeblichen Vergeltungsangriffen, in deren Folge bis zu 40 syrische Soldaten getötet wurden, jedoch gibt es keine Belege für militärische Aktionen der Türkei. Auch in den letzten Tagen kamen immer wieder Gerüchte auf, dass türkische Artillerie syrische Stellungen angriffen, um die Offensive aufzuhalten, auch dafür gibt es aber keine Beweise. Dementsprechend unwahrscheinlich wird es sein, dass Erdogan seine Drohungen zum Ende von Februar auch wahr machen wird.

Auf dem Boden werden derweil Fakten geschaffen. In den letzten 24 Stunden fielen etliche Dörfer unter die Kontrolle der syrischen Regierung, mehrere hundert Quadratkilometer konnten erobern werden. Zu den neuesten Erfolgen der syrischen Armee zählt es, durch die Eroberung umliegender Dörfer die Stadt Saraqib, welche strategisch günstig entlang der M5- und M4-Autobahnen liegt, vollständig belagert werden konnte. Es gibt auch widersprüchliche Angaben von der vollständigen Eroberung des Ortes, jedoch existieren dafür noch keine Belege. Nach der Eroberung der zweitgrößten Stadt Idlibs, Maraat al-Numan, errichtete das türkische Militär hastig in dem 20 Kilometer weiter nördlich gelegenen Saraqib drei Stützpunkte an allen Ortsausgängen. Auch im Zentrum sollen türkische Soldaten präsent sein. Unklar ist jedoch, ob sich die Streitkräfte zusammen mit den Aufständischen zurückgezogen, oder dem Befehl entsprechend in ihren Basen geblieben sind. Wenn nicht, könnten potentiell Hunderte Militärs von der syrischen Regierung eingeschlossen sein, so wie es bereits in vier anderen, sogenannten „Observierungspunkten“, gekommen ist.

Mit der Umkreisung von Saraqib können nun weitere Fakten geschaffen werden, indem man sämtliche Territorien weiter nördlich der M5-Autobahn bis nach Aleppo sichern und damit die Fernstraße zwischen den Großstädten Aleppo und Hama wiedereröffnen könnte. Die türkische Regierung hat zum wiederholten Male vorgeschobene Basen in den Städten Taftanaz und Sarmin errichtet, um einen weiteren Vorstoß zur gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib, welches nur noch acht Kilometer von den Armeepositionen entfernt liegt, zu verhindern.

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Die neuesten Gefechte haben zur Massenflucht von Zivilisten geführt, Zehntausende Menschen fliehen aus dem Großraum Aleppo in Richtung türkisch-syrischer Landesgrenze. Die Meisten von ihnen kehren nicht zum ersten Mal ihrer Heimat den Rücken. Es gibt keine genauen Zahlen zu den Einwohnern von Idlib, jedoch erscheinen rund eine Millionen Menschen, ungefähr die Zahl der Bevölkerung in der Provinz vor dem Krieg, als wahrscheinlich, da viele Menschen aus anderen Teilen Syriens nach Idlib flohen. Inzwischen sind die Flüchtlingslager entlang der türkischen Grenze mit den Massen an Fliehenden völlig überfordert und setzen auf internationale Unterstützung, da die Anzahl nicht anderweitig bewältigt werden kann.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.

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