Syrische Armee nur wenige Kilometer vor Idlib

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 Tausende Bewohner fliehen durch die Kämpfe in Richtung syrisch-türkischer Grenze

Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und Verbündete können mit der Unterstützung der syrischen und russischen Luftwaffe erneut Territorium in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib gewinnen, obwohl die Türkei ihre Truppenpräsenz entlang einiger Frontabschnitte wesentlich verstärkte. Mit den neuesten Eroberungen konnte man nicht nur einen Versorgungsweg der Aufständischen blockieren, sondern auch mehrere Orte sichern und damit das Zentrum der Provinz bedrohen. Nur noch ein Dorf bzw. acht Kilometer trennen den aktuellen Armeevorstoß von der gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib, die letzte größere Stadt der Opposition.

Die Offensive wird ohne Unterbrechung über Tag und Nacht fortgeführt, zu den neuesten Erfolgen gehört die Eroberung des Ortes al-Nayrab, ein Dorf mit der Entfernung von etwa acht Kilometern zur Hauptstadt Idlib. Dort soll es bereits zu den ersten Flüchtlingsbewegungen kommen, da die Stadt immerhin in Artilleriereichweite liegt. Zudem konnte durch die Eroberung von al-Nayrab die M4-Autobahn durchtrennt werden, welche als wichtige Versorgungsstraße entlang der Ost-West-Achse diente. Islamisten unter der Führung von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) versuchten mehrmals mit Gegenangriffen, die neuen Gebiete der syrischen Regierung wiederzuerobern, mussten dabei aber erhebliche Verluste einbüßen. Die neueste Position verschafft der Armee Möglichkeiten, nach Westen entlang der M4 oder Idlib direkt anzugreifen.

Die SAA konnte von mehreren Richtungen aus an die strategisch günstig gelegene Stadt Saraqib vorrücken, welche oft als ein Ziel der derzeitigen Offensive angesehen wird und am Montag Schauort der getöteten türkischen Soldaten war. Im Westen und Süden konnte man mit der Einnahme der Orte Tal Mardikh und al-Tarnabah bis an die Stadttore von Saraqib vordringen, im Osten versucht man ebenfalls den Abstand zu verringern. Bisher ist unklar, ob sich weiterhin türkische Soldaten in der Stadt aufhalten und auch, wie viele Islamisten vor Ort präsent sind. Alle Bewohner sind vor den drohenden Kämpfen bereits in Richtung Norden geflohen, der einzige noch offene Weg aus der Stadt.

Im Westen Aleppos hingegen haben die Gefechte und der Vorstoß der syrischen Streitkräfte nachgelassen, nachdem es tagelang zu schweren Bombardements und Gegenoffensiven seitens der Aufständischen gekommen ist. Islamisten starteten mehrere Gegenangriffe, so wurden alleine am Samstag drei Selbstmordattentäter auf das Zahraa-Viertel in Aleppo eingesetzt. Sie konnten einige Gebäude im Viertel erobern, mussten sich aber nach wenigen Stunden wieder geschlagen geben und zurückziehen. Wesentlich erfolgreicher waren sie im Südwesten, wo sie das Dorf al-Zaytan wiedererobern konnten, nachdem die SAA den Ort vor wenigen Tagen gesichert hatte. Dabei konnten sie auch einen T-90-Kampfpanzer erbeuten, welcher wohl der modernste und effektivste Panzer in Syrien darstellt.

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Die neuesten Gefechte haben zur Massenflucht von Zivilisten geführt, Zehntausende Menschen fliehen aus dem Großraum Aleppo in Richtung türkisch-syrischer Landesgrenze. Die Meisten von ihnen kehren nicht zum ersten Mal ihrer Heimat den Rücken. Es gibt keine genauen Zahlen zu den Einwohnern von Idlib, jedoch erscheinen rund eine Millionen Menschen, ungefähr die Zahl der Bevölkerung in der Provinz vor dem Krieg, als wahrscheinlich, da viele Menschen aus anderen Teilen Syriens nach Idlib flohen. Inzwischen sind die Flüchtlingslager entlang der türkischen Grenze mit den Massen an Fliehenden völlig überfordert und setzen auf internationale Unterstützung, da die Anzahl nicht anderweitig bewältigt werden kann.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.

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