Millionen Iraker protestieren gegen US-Präsenz

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Am Freitag versammelten sich über eine Millionen Iraker auf den Straßen von Bagdad, um gegen die Stationierung von amerikanischen Truppen im Irak zu demonstrieren. Anlass sind die amerikanischen Eskalations- und Aggressionsstrategien im neuen Jahr, welche zum Rand eines Krieges geführt haben, nachdem der iranische General Qassem Soleimani und der irakische Kommandant Abu al-Muhandis durch einen amerikanischen Luftangriff getötet wurden. Dieser Konflikt wäre vor allem im Irak ausgetragen worden. Trotz mehrerer Bitten durch die irakische Zentralregierung und einer entsprechenden Gesetzgebung lehnt die USA einen Truppenabzug aus dem Land ab, was die Situation nur noch weiter anheizt. Selbst anti-iranische Iraker kritisieren die Aktionen der USA scharf.

Organisiert wurde der Protest vom einflussreichen schiitischen Gelehrten Muqtada al-Sadr, welcher sich in den vergangenen Jahrzehnten gegen einen amerikanischen und iranischen Einfluss gleichermaßen währte und dementsprechend dem nationalistischen Flügel zugeordnet wird. Dank seiner enormen Beliebtheit und seinem Einfluss rief er zu einem „Millionenmarsch“ in Bagdad auf, dem viele Menschen gefolgt sind. Zudem kündigte er die Wiederbelebung der Mahdi-Armee an, welche von 2003 bis 2008 die größte Widerstandsgruppierung gegen die amerikanische Besatzung des Landes darstellte und selber Zehntausende Mitglieder aus der schiitischen Bevölkerung zählte. Vor dem Tod Soleimanis war al-Sadr das typische Beispiel eines Nationalisten, welcher auch die Unabhängigkeit des Iraks vom iranischen Einfluss bewahren wollte. Nun aber scheint sich seine Haltung geändert zu haben, bei der Beerdigung von Qassem Soleimani traf er sich unter anderem mit dem ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad und Hadi al-Amiri.

Ein nicht stattfindender Abzug könnte folgenschwere Folgen für die Tausenden an US-Soldaten im Irak haben, die nun zu einer Zielscheibe für verschiedenste Gruppen werden können. Seit der Ermordung von Soleimani rüsten die etlichen, vom Iran unterstützten schiitischen Milizen im Irak für einen Krieg, insbesondere Raketen-, Mörser- und Guerillaangriffe auf amerikanische Basen könnten eine Konsequenz darstellen. Derartige Aktionen würden von der irakischen Regierung zumindest toleriert werden, immerhin entsprechen sie den eigenen Zielen. Auch für die amerikanische Präsenz in Ostsyrien würde dies das Ende bedeuten, da sämtliche Logistik, Truppenbewegungen und Verstärkungen über den Irak verlaufen und die USA endgültig zu einer Randerscheinung im syrischen Konflikt verkommen würde.

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