Weiterhin Gefechte in Idlib

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Tausende Menschen fliehen aus der Region

Von der einstigen Idlib-Offensive verleibt in den vergangenen Wochen nur noch wenig, während es kaum noch Bodenkämpfe an den Frontlinien in der letzten, noch von Islamisten gehaltenen Provinz gibt, intensiviert die syrische Armee und russische Luftwaffe ihre Artillerie- und Luftangriffe auf verschiedene Orte in Idlib. Inbesondere die Region westlich von Aleppo, einst aufstrebende Vororte der Millionenstadt, ist derzeit schwer betroffen, da sich dort die Streitkräfte der syrischen Regierung auf die Eröffnung einer neuen Front vorbereiten. Derweil versuchen islamistische Milizen, ihr Territorium mithilfe von Selbstmordattentätern und Drohnen zu verteidigen.

Obwohl es kaum zu Gefechten kommt, starteten Gruppierungen unter der Führung von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) mehrere Gegenangriffe auf Positionen der syrischen Streitkräfte. Im Raum von Süd-Idlib verliefen diese Operationen erfolgreich, neben der Wiederoberung zweier Dörfer, welche einen Tag zuvor von der syrischen Armee gesichert wurden, konnte auch allerlei Kriegsgerät erbeutet werden, darunter mehrere Pick-Ups und Panzerabwehrwaffen. Zudem konnten sie mehrere Angriffe auf den Ort Tal Musyaf vereiteln. Besonders in der Siedlung Abu Dafnah kam es am Dienstag zu schweren Gefechten, die von beiden Seiten medial ausgeschlachtet wurden. Während Islamisten Drohnenaufnahmen vom ersten Angriff und dem Rückzug syrischer Soldaten veröffentlichten, zeigten Regierungsmedien das Ergebnis dieser Offensive: Mehrere getötete Aufständische und zwei zerstörte Militärtransporter.

Die reaktivierte Front befindet sich im Raum der Großstadt Aleppo, insbesondere der Süden, welcher 2016 in einer vom Iran und schiitischen Milizen intensiv unterstützten Offensive erobert werden konnte. Damit wäre das womögliche Ziel der Operation bekräftigt, nämlich die Eroberung sämtlicher oppositioneller Territorien östlich der M5-Autobahn, zu dem auch die Gebiete westlich von Aleppo gehören. Bisher kam es kaum zu Bodengefechten, obwohl die syrischen Streitkräfte in den vergangenen Wochen Tausende Soldaten als Verstärkung schickte.

Die neuesten Gefechte haben zur Massenflucht von Zivilisten geführt, Zehntausende Menschen fliehen aus dem Großraum Aleppo in Richtung türkisch-syrischer Landesgrenze. Die Meisten von ihnen kehren nicht zum ersten Mal ihrer Heimat den Rücken. Durch die intensiven Bombardements Syriens und Russlands wurden auch Dutzende Zivilisten ermordet, alleine in der gleichnamigen Provinzhauptstadt wurden 15 Personen auf einem Marktplatz getötet. Im Gegentausch werden durch die anhaltenden Mörser-Angriffe ebenfalls Dutzende Zivilisten in Aleppo getötet.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.

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