Syrische Armee aktiviert neue Front in Idlib

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Bild der detonierten Autobombe in Jarjanaz

Bei der derzeitigen Militäroffensive der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und verbündeter Gruppierungen kann die syrische Regierung weiterhin neue Erfolge verzeichnen und immer weiter im Südwesten der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib vorrücken. Nun wurde eine weitere Frontlinie weiter nördlich aktiviert, um die gegenwärtige Operation auszuweiten und den Gegner an mehreren Orten zeitgleich zu besiegen, welches auch direkt zur Eroberung vieler weiterer Orte führte. Erstmals regt sich aber auch erheblicher Widerstand bei den Aufständischen von Idlib, die eine bedingt erfolgreiche Gegenoffensive ausführen und mehrere Orte wiedererobern konnten.

Die reaktivierte Front befindet sich im Raum der Stadt Abu Duhur, welche erst vor einem Jahr in Folge einer militärischen Großoffensive der syrischen Streitkräfte gesichert und seitdem als Handelskreuz zwischen den beiden Seiten genutzt wird. Von dort aus konnte die SAA bereits mehrere Dörfer entlang der Frontlinien ohne Probleme erobern und sich damit dem weiter südlich andauernden Vorstoß anschließen. Damit wird das womögliche Ziel der Operation bekräftigt, nämlich die Eroberung sämtlicher oppositioneller Territorien östlich der M5-Autobahn, zu dem auch die Gebiete westlich von Abu Duhur gehören.

Die Gegenoffensive unter der Führung der radikalislamistischen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra) begann mit der Detonation eines SVBIED (ein mit Sprengstoffen und einem Selbstmordattentäter als Fahrer ausgerüstetes Auto) in der neulich erst eroberten Stadt Jarjanaz, welche mehrere Soldaten tötete. Es kam zu keinen weiteren Übergriffen auf die Stadt, stattdessen wurde weiter nördlich die größere Ortschaft al-Gadfah wiedererobert, nachdem sich die syrische Armee kampflos zurückgezogen hatte. Auch das Dorf al-Farwan konnten die Oppositionellen sichern, mussten es jedoch wenige Tage später unter zu großem Artilleriebeschuss wieder aufgeben. Zeitweise kamen Gerüchte von einem Deal zwischen Russland und der Türkei auf, die sich auf eine Waffenruhe geeinigt haben sollen und damit das vorzeitige Ende der Offensive bedeuten würde. Jedoch scheinen sich derartige Berichte nicht bewahrheitet zu haben, beide Länder rufen zwar öffentlich zu einer Beendigung der Kämpfe auf, unternehmen aber dagegen nichts.

Auch außerhalb von West-Idlib ereigneten sich Kämpfe, so kam es zum wiederholten Versuch seitens der syrischen Armee, die letzte Bastion Kabani in der Provinz Latakia zu erobern, jedoch ohne Erfolg. Dutzende Male können die vor Ort erfahrenen Islamisten, die vor allem aus Tschetschenen und Uiguren aus China bestehen, einen Vorstoß vereiteln und der Armee erhebliche Verluste zufügen, bis zu 15 Soldaten wurden getötet. Mit der Eroberung des Dorfes Kabani und den umliegenden Bergen würde der SAA der Weg in die Stadt Jisr al-Shoughur und Ost-Idlib offen stehen und damit eine neue potentielle Front eröffnet werden.

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Eine besondere Situation stellen die sogenannten „Observierungspunkte“ der türkischen Armee dar, welche vor über einem Jahr in Folge der russisch-türkischen Vereinbarung für eine Waffenruhe in Syrien entlang der gesamten Frontlinie in Idlib errichtet wurden und effektiv den Einfluss der Türkei auf die Opposition ausweitete. Da nun aber die Waffenruhe bereits mehrmals für beendet erklärt wurde, rücken diese Militärbasen in das Visier der Armeeoffensiven. Im aktuellen Falle befindet sich ein solcher Aussichtspunkt nahe dem Dorf Surman, der Ort und die umliegenden Gebiete wurden erst am Montag erobert. Dadurch ist der Stützpunkt nun effektiv von der Außenwelt abgeschnitten und die türkischen Soldaten darin belagert. Eine ähnliche Situation gab es bereits bei der letzten Idlib-Offensive im Mai, bis heute befindet sich ein solcher Observierungspunkt nahe der Stadt Morek tief im Territorium der syrischen Regierung, bis heute konnten die Soldaten ihren Posten dort nicht verlassen.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Die daraufhin ausgerufene Waffenruhe ist nun erneut beendet worden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.

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