Syrische Armee erobert Dutzende Orte in Idlib

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Gruppierungen konnten an den ersten drei Tagen der neuen Idlib-Offensive etliche Dörfer und Ortschaften im Südosten der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz einnehmen, ohne erwähnenswerte Verluste zu erleiden. Scheinbar unaufhaltsam und auf kaum Widerstand treffend, rücken die syrischen Streitkräfte auf die nächstgrößere Stadt Jaranaz vor, welche nur noch drei Kilometer von den derzeitigen Stellungen der SAA entfernt liegt. Zudem steht man kurz davor, einen vorgeschobenen Militärstützpunkt der Türkei zu umgehen bzw. einzuschließen und damit mehrere türkische Soldaten zu belagern.

Mit der Unterstützung verschiedener syrischer Milizen wie der aus Aleppo stammenden Liwa al-Quds, konnte die syrische Armee entlang der gesamten Linie in Südost-Idlib vorrücken und etliche Dörfer einnehmen, darunter z.B. Dibbin, Umm Jalal, Rubayah, al-Khurayba, Shara, Barnan und Qarati. Der letzte Ort befindet sich lediglich drei Kilometer von der Stadt Jarjanaz entfernt, welches in der Region eine strategisch wichtige Position einnimmt und sämtliche Versorgungslinien durch die Stadt verlaufen. Unterstützung wird der Vorstoß durch die syrische und russische Luftwaffe, welche in ganz Idlib Angriffe fliegen und Militärkonvois auf dem Weg nach Süden eliminieren. Es wurden sogar mehrere ballistische Raketen von russischen Kampfschiffen vor der syrischen Küste eingesetzt, die daraufhin Ziele in der Nähe der syrisch-türkischen Grenze trafen.

Die Opposition, welche in erster Linie aus der radikalislamistischen Gruppierung Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra), aber auch aus der ebenfalls islamistischen, pro-türkischen „Nationalen Befreiungsfront“ besteht, konnte bisher keine erwähnenswerte Kräfte für eine Gegenoffensive oder Verteidigungskämpfe aufbringen. Es gab zwar am ersten Tag einige Berichte von einer Gegenoffensive, welche aber, insofern sie stattgefunden hat, zurückgeschlagen werden konnte. Einzig der erfolgreiche Einsatz einer mit Sprengstoffen und einem Selbstmordattentäter bestückten Autobombe (SVBIED) am Samstag auf Positionen der Armee im Dorf al-Ruffah kostete mehreren Soldaten das Leben, zudem wurden mehrere Fahrzeuge zerstört. Es bleibt abzuwarten, ob man noch Verstärkung aus den anderen Teilen Idlibs erwartet oder die von der Türkei bewaffneten und ausgerüsteten Söldner aus Nordsyrien zur Hilfe eilen werden.

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Eine besondere Situation stellen die sogenannten „Observierungspunkte“ der türkischen Armee dar, welche vor über einem Jahr in Folge der russisch-türkischen Vereinbarung für eine Waffenruhe in Syrien entlang der gesamten Frontlinie in Idlib errichtet wurden und effektiv den Einfluss der Türkei auf die Opposition ausweitete. Da nun aber die Waffenruhe bereits mehrmals für beendet erklärt wurde, rücken diese Militärbasen in das Visier der Armeeoffensiven. Im aktuellen Falle befindet sich ein solcher Aussichtspunkt nahe dem Dorf Surman, welches seit Samstag sich in der Sichtweite der syrischen Armee befindet. Aufgrund dessen ähnelt der derzeitige Vorstoß einem Zangenangriff um den türkischen Stützpunkt herum, sodass es zu keinen direkten Gefechten bzw. Vorfällen mit der türkischen Armee kommt und die dort stationierten Soldaten isoliert und eingeschlossen werden können. Eine ähnliche Situation gab es bereits bei der letzten Idlib-Offensive im Mai, bis heute befindet sich ein solcher Observierungspunkt nahe der Stadt Morek tief im Territorium der syrischen Regierung, bis heute konnten die Soldaten ihren Posten dort nicht verlassen.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Die daraufhin ausgerufene Waffenruhe ist nun erneut beendet worden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.

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