Zweite Phase der Idlib-Offensive gestartet

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Am Donnerstag verkündete das syrische Militär die Weiterführung bzw. die „zweite Phase“ der durch die Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und verbündete Gruppierungen vor Monaten gestartete Großoffensive auf die letzte, noch von Islamisten gehaltene Provinz Idlib, nachdem es vorübergehend zu einer Waffenruhe gekommen ist und die syrische Regierung ihre neuen Gewinne erfolgreich konsolidieren konnte. Der Bodenoffensive vorausgegangen sind etliche Luft- und Artillerieangriffe auf die gesamte Provinz und die Frontlinien, welche noch zuletzt vergleichsweise ruhig waren. Bisher sind die Ziele der neuen Phase unklar, Gerüchten zufolge soll das von Islamisten gehaltene Gebiet um bis zu ein Drittel reduziert und die zweitgrößte und strategisch wichtige Stadt, Maraat al-Numan, der Provinz erobert werden.

Obwohl man lange eine Fortführung der pausierten Idlib-Operation erwartete, wurde eine derartige Aktion nicht vor Ende des Jahres erwartet. Der Winter ist in Syrien besonders hart, durch die Sanktionen ist zumindest die zivile Nutzung von Heizgas stark rationiert und im Falle von Idlib machen starke Regen den Boden zu einem großen Hindernis für Militärfahrzeuge und Kampfpanzer. Angeführt wird die Offensive von der Eliteeinheit der „Tiger Forces“ unter dem berühmten Brigadegeneral Suheil al-Hassan, welcher für viele Siege und erfolgreiche Operationen auf Seiten der syrischen Regierung verantwortlich ist. Es ist unwahrscheinlich, dass die untereinander verfeindeten Islamisten den Vorstoß der Armee aufhalten können, nachdem sie bereits innerhalb kürzester Zeit Nord-Hama in der ersten Phase aufgeben mussten.

Die Gerüchten zufolge von der Operation betroffenen Gebiete befinden sich fast ausschließlich unter der Kontrolle der dschihadistischen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und al-Nusra), einzig die urbanen Zentren werden von der „Nationalen Befreiungsfront“ verwaltet, welche wiederum hauptsächlich aus nicht minder islamistischen Gruppierungen wie Ahrar al-Sham oder Jaish al-Izzah besteht.  Zudem befinden sich auch noch mehrere türkische Militärstützpunkte in der Region, welche jedoch bereits in der ersten Phase kein Problem darstellten: Syrische Truppen umgingen sie einfach und konnten sie dadurch isolieren bzw. belagern, bis heute ist eine solche Militärbasis tief im Territorium der syrischen Regierung in Nord-Hama nahe der Stadt Morek zu finden, bisher kam es zu keiner Einigung mit der Türkei für die Evakuierung der Soldaten.

Russland und die Türkei einigten sich vor über einem Jahr gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Zudem errichtete die Türkei mehrere „Observierungspunkte“, um die Waffenruhe offiziell zu überwachen und ihren Einfluss in Idlib auszuweiten. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest herauszögern, bis die SAA im Mai die Idlib-Offensive begann.

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