IS-Anführer Baghdadi in Idlib getötet

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In einer Nacht-und-Nebel-Aktion am Sonntag soll der Kalif und Anführer des Islamischen Staates, Abu Bakr al-Baghdadi, bei einer amerikanischen Spezialoperation in der syrischen Provinz Idlib ermordet worden sein, wie verschiedene Quellen vermelden und der amerikanische Präsident Donald Trump bestätigt. Demnach soll sich der wohl am meisten gesuchte Terroristenführer nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze in einem Dorf nahe der Stadt Barisha versteckt haben. Bisher gibt es keine Bestätigung für den Tod Baghdadis, jedoch starke Anzeichen seitens der USA und selbst die „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) sprechen von einem „erfolgreichen und wichtigen Einsatz“. Idlib im Nordwesten des Landes ist die letzte, noch vollständig von Islamisten gehaltene Provinz in Syrien und faktisch ein türkisches Protektorat, die Obhut von al-Baghdadi so nahe an der Grenze wirft auch ein fragwürdiges Licht auf die Türkei und bestätigt die Haltung der syrischen Regierung, dass Idlib ein Terroristennest darstellt. 

Sein Aufenthaltsort wäre äußerst überraschend, ursprünglich vermutete man eher, dass er sich in den Rückzugsgebieten des Islamischen Staates in der syrischen bzw. irakischen Wüste versteckt aufhielt oder sogar zu Ablegern in anderen Ländern wie in Afghanistan/Pakistan oder nach Afrika floh. Traditionell hat der IS und die in Idlib dominierende Gruppierung Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und al-Nusra, al-Qaida-Ableger) ein verfeindetes Verhältnis, seitdem sich der IS von al-Qaida unabhängig erklärt hatte. Nach den Niederlagen der beiden Fraktionen schien sich das Verhältnis wieder entspannt zu haben, dennoch gibt es kaum Kontakt zueinander. Ebenso unsicher ist die Rolle der Türkei in dem Vorfall, welches in Idlib selber Dutzende Observierungspunkte besitzt und auch die Grenzregion überwacht. Möglicherweise hat al-Baghdadi das wüstenreiche Zentralsyrien und damit Regierungsterritorium durchquert, um nach Idlib zu gelangen. Ebenso möglich kann er aber auch einen Umweg über die Türkei genommen haben, die Grenzschutz ist für die Korruption in Hinsicht auf IS-Kämpfern bekannt.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass es Berichte vom Tode al-Baghdadis gibt, welche sich letztendlich als falsch herausstellten. Auch der Islamische Staat selber würde letzten Endes den Tode von ihrem Anführer bestätigen, denn: Die immer wieder in internationalen Medien auftauchenden Berichte vom Tode des Kalifen waren bereits insofern fragwürdig, da sie das Wesen des islamistischen Extremismus negierte. Das Märtyrertum wird sowohl beim Islamischen Staat als auch in anderen Bewegungen glorifiziert, dass ein Anführer getötet werden könnte sieht man nicht als Verlust an. In der Vergangenheit verkündete man immer den Tod von wichtigen Mitgliedern, z.B. galt Abu Mohammed al-Adnani als der Meister der Propaganda und die Nummer Zwei des Islamischen Staates bis er im August 2016 getötet wurde. Die Taliban wagten es einmal den Tod von Mullah Omar erst zwei Jahre später zu veröffentlichen/bestätigen, das Ergebnis war eine regelrechte Demoralisierung und Enttäuschung der Kämpfer. Der IS in Afghanistan (bzw. Khorasan) nutzte dies geschickt für seine Propaganda aus und verhöhnten die Taliban.

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