Der Kampf der Narrative

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Selbst eine Woche nach den zerstörerischen Drohnenangriffen auf die weltweit größte und für 5% der globalen Ölproduktion verantwortliche Raffinerie in der Kleinstadt Abaqiaq nahe der Ostküste Saudi-Arabiens gibt es aus Sicht der verschiedenen Länder keinen eindeutigen Täter. Die zwei Fraktionen des Irans und der Achse Saudi-Arabien-USA befinden sich weiterhin auf dem rhetorischen Konfrontationskurs, trotzdem scheint eine militärische Eskalation nicht im Interesse zu liegen. Dieser Krieg der Narrative wurde in den vergangenen Tagen durch zwei Pressekonferenzen der Houthi-Rebellen und dem Verteidigungsministerium Saudi-Arabiens erneut gestärkt, beide Seiten behaupten eindeutige Beweise für den Täter dargelegt zu haben.

Das Verteidigungsministerium von Saudi-Arabien bereitete mehrere Trümmer und Drohnenwracks auf, die eigenen Darstellungen zufolge verwendet wurden. So wurden militärischen Angaben zufolge insgesamt sieben Marschlugkörper und 18 Drohnen eingesetzt, die die Anlagen in Abqaiq und Khurais zerstörten. Zudem soll der „Angriffswinkel“ der Drohnen Jemen komplett ausschließen, wofür aber keine weiteren Belege vorgelegt wurden. Außerdem soll es sich zweifelsohne bei den Modellen um Drohnen aus iranischer Produktion handeln, wobei hier kein Widerspruch mit den Behauptungen der Houthi-Rebellen zu finden ist. Es ist kein Geheimnis, dass der Iran die Houthis zumindest mit Technologie und Technik unterstützt und damit das weitreichende Drohnen- und Raketenarsenal der jemenitischen Schiiten unterstützt, diese Modelle also frappierend iranischen (und zivilen chinesischen) Modellen ähneln.

Unbeirrt dessen scheint Trump und andere Teile der Regierung felsenfest von der Täterschaft des Irans überzeugt zu sein. Die USA behauptet zwar, dass sie Satellitenaufnahmen von den Drohnenstarts im iranischen Territorium besitzen, veröffentlicht wurde bisher aber noch nichts. Außerdem zeigt sich hier ein Widerspruch auf, noch zu Beginn versicherte die amerikanische Regierung der Welt, dass die Drohnen vom Irak aus gestartet wurden. Saudi-Arabien selber sagt lediglich aus, dass die Angriffe vom „Norden“ aus kamen, ohne den Iran oder Irak zu spezifizieren.

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Yahya Saree fungiert als Pressesprecher der Houthi-Rebellen in der letzten Konferenz

Die Pressekonferenz der Houthi-Rebellen unter dem Sprecher Yahya Saree nannte weitere Details von den Drohnenangriffen auf die Ölraffinerie in Abqaiq. Demnach wurden insgesamt zehn Drohnen eingesetzt, wie man bereits am Tage der Operation verkündete. Zudem veröffentlichte man angebliche Drohnenaufnahmen von Abqaiq, welche sich jedoch als einfache Aufnahmen von Google Maps herausstellten. Zudem drohte man weitere Angriffe an, sollte Saudi-Arabien ihren Feldzug im südlichen Nachbarland Jemen nicht beenden.

Eigener Darstellung zufolge wurden insgesamt drei verschiedene Drohnen eingesetzt: Die Samad-3, welche bereits seit Anbeginn des Jahres gegen Ziele in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Staaten eingesetzt wurden, die neu veröffentlichte Qasef-3-Drohne als Weiterentwicklung von der bisher vielfach eingesetzten Qasef-2K und eine bisher unbekannte Drohne, die aber einen Jetantrieb besitzen soll und insgesamt vier Bomben transportiert. Hier findet sich ein Widerspruch zur Pressekonferenz in Saudi-Arabien, wonach der Angriff auf die zwei Ölanlagen mithilfe von mehreren Marschflugkörpern durchgeführt wurden und die gezeigten Trümmer auch jenen der von den Houthis produzierten „Quds-1“ ähnelt. Es ist zwar möglich dass die nicht näher detaillierte „Drohne“ ein ähnliches Design besitzt, jedoch würde es sich hierbei wohl nicht um eine Drohne handeln.

Desweiteren drohte Yahya Saree den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass man jederzeit strategische Ziele im Golfstaat attackieren und zerstören könnte, sollten die VAE sich aus dem jemenitischen Konflikt nicht zurückziehen. Die Vereinigten Arabischen Emiraten stellen nach Saudi-Arabien das zweitwichtigste Bündnismitglied in der Arabischen Koalition dar, welches 2015 zugunsten der Exilregierung unter Massoud Hadi intervenierte. Inzwischen kam es zu einigen Zerwürfnissen innerhalb des Bündnisses aufgrund der Unterstützung verschiedener Fraktionen im Krieg, wobei die VAE bereits ankündigten ein Großteil ihrer Armee und Kriegsgerätes aus dem Jemen abzuziehen.

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