Die USA auf Eskalationskurs

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Überbleibsel des Marschflugkörpers Quds-1, welche von den Houthis genutzt werden

Nach den neuesten Entwicklungen im jemenitischen Konflikt sucht die USA offenbar die Eskalation mit dem Iran. Entgegen etlichen Indizien sucht die amerikanische Regierung den Täter nicht bei den jemenitischen Houthi-Rebellen, die sich kurz nach der Tat ebenfalls dazu bekannten, sondern bei anderen staatlichen Akteuren, allen voran dem Iran. In den Tagen nach dem Ereignis verbreiteten sich mehrere Behauptungen, von wo die Drohnen aus gestartet wurden. Während das pro-saudische Lager die Theorie eines Raketenangriffes vom Irak aus aufstellt, sieht die USA sogar den Iran direkt als Täter an. Der Eskalationskurs der USA wirft neue Fragen auf, entspricht er doch in keinster Weise der derzeitigen Faktenlage.

Zunächst behauptete die USA, die Attacke sei vom wesentlich näher gelegenen Irak erfolgt worden. Ernsthafte Beweise für einen Angriff vom Irak aus gibt es Keine, stattdessen argumentieren Saudi-Arabien und amerikanische Think-Tanks mit der Entfernung von „nur“ 500 Kilometer zwischen der irakischen Grenze und Abqaiq aus. Zudem soll der Norden wohl wesentlich schlechter überwacht werden, was den Totalausfall der saudischen Luftabwehr erklären soll. Zudem wurde in den sozialen Medien ein Video veröffentlicht, welches angebliche Raketengeräusche über Kuwait zeigen soll und man hier einen direkten Zusammenhang zu den Abqaiq-Vorfällen aufbaut. Der Irak selber verneint derartigen Anschuldigungen, jegliche Informationen des Militärs und internationaler Partner widersprechen demnach dieser Darstellung.

Es ist aber auch nicht das erste Mal, dass die USA Drohnen- und Raketenangriffe nicht den jemenitischen Houthi-Rebellen, sondern schiitischen Milizen im Irak vorwirft. Demnach war der Drohnenangriff im Mai auf die Ost- und Westküste verbindende Pipeline im Zentrum Saudi-Arabiens von „Hashd al-Shaabi“, ein Dachverband an verschiedenen irakischen Milizen mit einem mehrheitlich schiitischen Hintergrund, verübt worden. Auch hier wurden wieder keine näheren Details veröffentlicht, erneut lediglich die Nähe zur irakischen Grenze als Argument genutzt.

Einen Tag später ist die amerikanische Regierung sogar davon überzeugt, dass die Drohnenangriffe von iranischen Territorium aus gestartet wurde, immerhin befindet sich die Ölraffinerie nur 200 Kilometer vom Iran entfernt und lediglich der Persische Golf trennt die beiden Länder. Ähnlich dünn ist die Beweislage auch hier. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo war nur wenige Stunden später davon überzeugt, dass der Iran der Täter war und die Houthi-Rebellen in keinster Weise involviert waren. Auch Trump behauptete in seinem letzten Tweet, dass der Täter aus Sicht der USA klar wäre, ohne aber den Iran selber zu nennen.

 

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Veröffentlichte Satellitenbilder zeigen die Schäden an der Raffinerie von Abqaiq

Die Belege für einen Drohnen- bzw. Raketenangriff durch die jemenitischen Houthi-Rebellen sind hingegen zahlreich. Die Houthi-Rebellen besitzen seit Jahren die Kapazitäten und Möglichkeiten, den nördlichen Nachbar in seinem nahezu gesamten Gebiet anzugreifen und macht von diesen Waffen auch reichlich Gebrauch. Bereits in der Vergangenheit setzten die Houthis immer wieder Kampfdrohnen gegen Ziele in Saudi-Arabien ein, darunter befanden sich auch eine Aramco-Erdölraffinerie in der saudi-arabischen Provinz Jizan oder bei Riad. Die meisten Angriffe beschränken sich aber auf die Grenzregion, Bombardierungen von einer Entfernung sind bisher sehr selten gewesen, dort wurden bevorzugt Raketen genutzt.

Ein weiteres Indiz stellen die von den USA veröffentlichten Satellitenbilder dar, welche die verursachen Schäden an der Raffinerie von Abaqiq aufzeigen. Äußerst präzise wurden unter anderem mehrere Tanks getroffen, die dadurch entstandenen Löcher sind in Richtung Westen/Südwesten aufgetreten und lassen damit einen direkten iranischen Angriff unwahrscheinlich werden lassen.

Die bisherige Rekordreichweite stellen wohl zwei Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate dar, das Land besitzt zum Jemen eine ähnliche Entfernung wie Abqaiq. Die erste Meldung der Houthis berichtet von einem Angriff auf das derzeit in Bau befindende Atomkraftwerk Barakah im Süden des Landes. Es gibt jedoch keine Berichte von verursachten Schäden. Ein Jahr später wurde der Internationale Khalid-Flughafen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate mithilfe einer Drohne attackiert,  erst ein Jahr später wurden Kameraaufnahmen veröffentlicht, welche die Zerstörung mehrerer LKWs auf dem Flughafengelände zeigt. Die „Drohnenflotte“ der jemenitischen Aufständische entwickelt sich zunehmend zur gefährlichsten Waffe im Kampf gegen die Mitglieder der Arabischen Koalition im jemenitischen Konflikt.

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Vor zwei Monaten zeigten die Houthis ihre neuesten Entwicklungen im Bereich der Drohnen & Raketen

Diese Drohnen werden auch zunehmend weiterentwickelt. Erst vor zwei Monaten präsentierten die Houthis die neuesten Entwicklungen in ihrer Drohnen- und Raketentechnologie. Bei den Angriffen auf die VAE wurde die Drohne „Samad-3“ verwendet, welche wahrscheinlich im Falle der Raffinerie ebenfalls genutzt wurde. In der Wüste fand man ebenfalls das Wrack einer abgestürzten „Quds-1“, der erstmals vor Monaten präsentierte Marschflugkörper der Houthis. Ein weiterer Beleg für die mögliche Reichweite ist der Einsatz der Aufklärungsdrohne „Samad-1“, welche Wochen zuvor bereits hochauflösende Bilder von mehreren Häfen und Entsalzungsanlagen in ganz Saudi-Arabien aufnahmen und dabei die Reichweite der eigenen Drohnenflotte unterstreicht.

Einziges Mysterium bleibt die iranische Unterstützung für das „Luftprogramm“ der Houthi-Rebellen. Während es zumindest einen technologischen Transfer gibt, immerhin erinnern viele Drohnen in ihrem Design und Zweck an ihre iranischen oder chinesischen Gegenpendants, ist der genaue Umfang unklar. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ganze Drohnen durch die Seeblockade Saudi-Arabiens in das Land geschmuggelt werden können. Auch die Raketen sind wohl Weiterentwicklungen von alten Beständen der jemenitischen Armee, welche massiv von der Sowjetunion und Nordkorea bereitgestellt wurden.

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