Wie geht es im Südjemen weiter?

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Nachdem die südjemenitische Unabhängigkeitsbewegung die provisorische Hauptstadt Aden von der jemenitischen Regierung unter der Führung des Exilpräsidenten Massoud Hadi erfolgreich erobern konnte, scheint es nun Unklarheiten über die weiteren Entwicklungen zu geben. Einige fordern die Rückkehr zum Status Quo und damit Wiedergabe von Aden an die Regierung, während radikalere Elemente endlich ihren Traum eines unabhängigen, südjemenitischen Staates wahr haben wollen. Während man sich um gute Beziehungen mit dem größten Unterstützer der Hadi-Regierung Saudi-Arabien bemüht, wird Dieser zunehmend ungeduldig und attackiert Militärbasen in der Stadt. Das wiederum führt zu Spannungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, welche als Schutzmacht für den Südjemen auftreten. Eine Einigung könnte den Verlauf des Jemen-Konfliktes entscheidend ändern.

Einige Militärlager und der Präsidentenpalast sollen sich weiterhin in den Händen der „Southern Resistance“, der wichtigsten Miliz Südjemens, befinden. Andere Orte wie die Zentralbank oder Krankenhäuser wurden hingegen verlassen. Man lehne einen Abzug aus den neu eroberten Gebieten ab, solange „Nordjemeniten“ und die Islah-Partei (der jemenitische Quasi-Ableger der Muslimbruderschaft) Teil der Hadi-Regierung darstellen. Die Arabische Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens soll daraufhin mehrere Luftschläge geflogen haben. In Aden selber haben sich Zehntausende einer Demonstration des „Southern Transitional Council“ (STC) angeschlossen, was die breite Unterstützung der Bevölkerung für die neuen Forderungen bekundigt. 

Derzeit machen sich mehrere Kampfverbände in Richtung der Provinz Abyan nordöstlich von Aden, wo sich der Separatismus ebenfalls etabliert hat. Dort wurden in der Provinzhauptstadt Zinjibar mehrere Militärbasen der Hadi-Regierung besetzt, die dortigen Truppen konnten sich freiwillig zurückziehen. Diese neue Entwicklung deutet der jemenitische Vertreter bei der UN als neue Eskalation mit der Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emiraten, ihren Einfluss auszuweiten und damit das Land noch weiter zu spalten. Die Zeichen derzeit sind also nicht auf Spannung aus.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden stammen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen. Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen, negiert und ausgebeutet und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte aber die Kriegssituation und Entlassung von al-Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden, die sich seitdem über den ganzen Süden ausbreitete und dank der Unterstützung der VAE auch eine größeres Milizenbündnis aufstellen konnte.

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