Die neue Waffe des Islamischen Staates: Feuer

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Eigentlich hätte 2019 ein erfolgreiches Erntejahr für die Menschen in Nordsyrien werden sollen, nachdem es einen regenreichen Winter gab und das Landwirtschaftsministerium der syrischen Regierung eine Steigerung von Ernteerträgen vermeldete. Dann kamen die Brände. In einem Land, in welchem die Dürre maßgeblich zum Ausbruch des Bürgerkrieges beitrug, scheint sich nun eine neue Katastrophe zu entwickeln, welche vor allem jene Gebiete betrifft, die sich unter der Kontrolle der kurdisch-arabischen „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) befinden. Die Brände sind dabei nicht natürlicher Natur, sondern entsprechen den neuen Guerillataktiken des Islamischen Staates, welche bereits im Irak Anwendung finden. Anschuldigungen treffen aber auch die Türkei und sogar Anhänger der syrischen Regierung.

Besonders die Provinzen Hasakah und Raqqah sind von den Bränden schwer getroffen, Hunderte an Bauern mit zumeist kleinen Ackerflächen sind ihrer Lebensgrundlage beraubt worden. Die Region ist generell landwirtschaftlich geprägt und war vor dem Krieg das ertragreichste Gebiet in Syrien, umso härter trifft es Nordsyrien also. Besonders problematisch ist die Brandbekämpfung, da die SDF trotz internationaler Unterstützung nur einen sehr kleinen Fuhrpark an Feuerwehrautos etc. besitzt und die Feuerwehren heillos überstrapaziert sind. Auch die lokalen Räte sind mit der Situation überfordert, zudem bietet die Autonomieverwaltung schlechtere Preise für das Kilo als die syrische Regierung an. Teilweise versuchen Polizeieinheiten und Milizen in ihrer Heimat die Brände zu löschen, jedoch ist das nur von bedingtem Erfolg geprägt. Einigen Berichten zufolge starben dabei bereits fünf Personen. 

Der Islamische Staat bekannte sich zu derartigen Aktionen unter dem Argument, dass die Landwirte „Apostasie“ betreiben und den Feind [die USA] damit unterstützen. Der IS besitzt im Norden und Osten des Landes weiterhin eine große Präsenz, obwohl der offiziell aus dem Land vertrieben wurde. Schläferzellen erstrecken sich quasi über das gesamte Gebiet, welches von ihnen einst kontrolliert wurde und nährt sich teilweise aus der Unterstützung der lokalen, arabischen Bevölkerung. Auch das Ausheben dieser Strukturen ist nur mühselig erfolgreich, besitzt die SDF doch keinen Geheimdienst wie die syrische Regierung. Auch deswegen ist nur der Norden betroffen, während es im Territorium der Regierung nur vereinzelte Vorfälle gibt.

Trotzdem gehen die Anschuldigungen weiter, auch die Türkei soll dahinter stecken. Dabei wurde ein Video veröffentlicht, welches einen türkischen Soldaten bei dem Versuch zeigt, den Grenzwall nahe der Stadt Dirbesiye von Gräsern und Unkraut mithilfe von Feuer zu befreien. Jedoch greift das Feuer dann auf die umliegenden Felder über, mehrere Hektar werden zerstört. Dieser Einzelfall sehen Viele in der SDF als Beleg dafür, dass auch gerade die von der Türkei unterstützten Islamisten aus Nord-Aleppo Felder in Brand stecken. Aufgrund dessen lehnte man auch ein Angebot der Weißhelme zur Feuerlöschung ab, da sie für ihre intensiven Beziehungen mit Islamisten und der Türkei bekannt sind. Da sich der IS aber bereits zu derartigen Aktionen bekannte, sollte der Täter in den meisten Fällen offensichtlich sein.

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Vom irakischen Militär gefundene Geräte, die vom IS zur Brandentwicklung genutzt werden

Parallelen dazu sind im Irak zu finden, wo es ebenfalls unzählige Brände trotz eines guten Ausgangsjahres gibt. Schätzungsweise kosteten die Brände, welche neben den Äckern auch viele Weideflächen betreffen und bereits unzählige Tiere töteten, etwa 450 Millionen Euro Verluste rechnet die irakische Regierung derzeit ein, Tendenz steigend. Dabei behilft sich die Terrormiliz primitivsten Mitteln: In Salahudin wurden mehrere Handys so umgebaut, sodass sie überhitzen und dadurch Feuer verursachen. In Sinjar nutzte man sogar nur einfache Lupen, welche dann das Sonnenlicht bündelten und Brände entfachte. Auch mehrere Elektrizitätswerke und Militärbasen sind vom Feuer betroffen, im Gegensatz zur Situation in Syrien aber besitzt man ausreichende Mittel zur Brandbekämpfung. Selbst Teile des Militärs und einzelner Milizen wurden dafür einberufen.

Auch wenn Zehntausende Tonnen von der drohenden Verbrennung gerettet werden können und konnten, offenbart diese Situation vor allem die Verwundbarkeit und den weiterhin bestehenden Aktionismus des Islamischen Staates, welcher zu seinen Wurzeln als Guerillamiliz von vor 2014 zurückkehrt und weiterhin enorme Schäden in Syrien und Irak verursachen wird. Ein Ende der Situation ist bisher nicht in Aussicht.

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