Vorübergehende Waffenruhe in Nord-Hama stoppt Armeevorstoß

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Nach fast zwei Wochen scheint die Offensive der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und verbündeter Gruppierungen im Norden der zentralsyrischen Provinz Hama nahezu erlahmt zu sein, nur wenige Gebiete wechseln derzeit den Besitzer. Bestärkt wird dieser Bericht durch das Gerücht einer einseitig erklärten Waffenruhe in Nord-Hama, welche mindestens zwei Tage anhalten soll. Sollte diese begrenzte Militäroperation bereits jetzt abgeschlossen sein, so konnte die Armee viele Gebiete in der al-Ghab-Ebene und in der Umgebung der islamistischen Hochburg Qalaa al-Mudiq erobern. Stattdessen richten die syrischen Streitkräfte ihr Augenmerk auf das Latakia-Gebirge, von wo aus immer wieder Drohnen und Raketen auf die Küstenprovinzen gestartet werden. Dort konnten die Islamisten aber bisher sämtliche Vorstöße abwehren.

Die vielbesprochende große Idlib-Offensive sollte es nicht sein, nachdem sich derzeitige Operationen der SAA auf die Peripherie Nord-Hamas beschränken. Nach der weitgehend friedlichen Eroberung von Qalaat al-Mudiq und weiteren Gebieten nördlich und östlich der Stadt kommt es derzeit zu erheblichen Gefechten nahe einem einstigen türkischen Observierungspunkt, welcher eigentlich auf die Einhaltung des russisch-türkischen Friedens in Idlib halten sollte. Dort ist die Armee mit dem Problem konfrontiert, nun bergaufwärts entlang der Berges al-Zhawiyah zu kämpfen, für die verteidigenden Islamisten eine gute Gelegenheit ihr Kriegsgerät aus türkischer und amerikanischer Hand einzusetzen, darunter vor allem Panzerabwehrwaffen wie ATGMs oder TOWs, aber auch Panzerfahrzeuge wie die von der Türkei gelieferten Panthera F-9.

Zu den neuesten Eroberungen der Armee zählen die Dörfer der al-Ghab-Ebene, welches jahrelang eine starre Frontlinie war. Unter die gesicherten Orte zählen unter anderem Hamra, al-Huwayz oder al-Hurriyah. Der angebliche Eintritt der Waffenruhe beendet die monatelangen, schweren Bombardements der syrischen und russischen Luftwaffe, in den vergangenen Stunden kam es zu keinem einzigen Luftschlag. Die Waffenruhe scheint auf türkischen und russischen Druck entstanden zu sein, ein Großteil der Aufständischen akzeptiert die Waffenruhe nur unter der Voraussetzung, dass sich die Armee aus den neu eroberten Gebieten zurückzieht.

In Latakia sieht die Situation weniger optimistisch für die syrische Armee aus. Rund eine Woche lang versuchte die 4. Division, das Dorf Kabani und umliegende Hügel im äußersten Nordosten von Latakia zu erobern, bisher ersichtlich erfolglos. Trotz schweren Artillerieeinsatzes konnten die Islamisten, die in der Region vor allem aus der chinesischen Turkestan-Partei und Hurras al-Din, einem al-Qaida-Verbündeten,  bestehen, jeglichen Angriff abwehren und der Armee schwere Verluste zufügen. Nun aber sollen Teile der Eliteeinheit „Tiger Forces“ von Nord-Hama nach Latakia gebracht worden sein, in dessen Folge immerhin einige Hügel in der Umgebung von Kabani gesichert werden konnten.

 

Derweil macht sich Unmut in den Reihen der von der Türkei finanzierten und unterstützten Opposition (TFSA) in Nord-Aleppo breit, da sie nicht in dem Kampf um Nord-Hama intervenieren dürfen. Dennoch machten sich schätzungsweise Hunderte mit Fahrzeugen und schweren Kriegsgerät zu den Frontlinien in Nord-Hama auf, besonders Ahrar al-Sham schickte mehrere Regimente aus ihren Trainingslagern nahe der türkischen Grenzstadt Jarablus. Tatenlos blieben Teile der TFSA dennoch nicht, so attackierte die Hamza-Division die schiitischen Städte Zahraa und Nubl mit Mörsern und Artillerie. Für die Bevölkerung ist es die bittere Erinnerung an die Belagerung durch den Gegner, welche erst 2016 mithilfe kurdischer Kräfte aus dem inzwischen eroberten Afrin aufgehoben wurde. Auch wurde das unter der Kontrolle der syrischen Regierung und kurdischen Milizen stehende Tel Rifaat in Folge der Waffenruhe attackiert, bisher gab es aber noch keine ernsthafte Eskalation.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Die türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen.

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