Islamisten starten erfolglose Gegenangriffe in Nord-Hama

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Im Norden der syrischen Provinz Hama dauern die intensiven Gefechte zwischen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA), verbündeten Milizen und islamistischen Aufständischen weiter an. Während die Armee immer weiter vorrückt und tagtäglich neue Ortschaften erobert, stoßen die Islamisten bisher an ihre Grenzen: Trotz mehrerer, groß angelegter Gegenangriffe konnte sie nicht mal mittelfristig einen Ort wiedererobern, geschweige denn halten. Die syrische und russische Luftwaffe bombardieren massenweise feindliche Stellungen und konnten bisher dem Gegner erhebliche Verluste zufügen, besonders Kampfpanzer erweisen sich als leichtes Ziel von oben.

Währenddessen konnte die Eliteeinheit der „Tiger Forces“ in der Region um Qalaat al-Madiq und Kafr Nabouda weiter vorrücken, unter anderem die Dörfer und Hügel Shariah, Meidan Ghazal, al-Tabeh, Abriya, Tall Hwash, Hwash und Bab al-Taqaal erobern und damit die administrative Provinz Idlib betreten. Im Vergleich zum Beginn der Militäroffensive hat die Bodenoperation an Initiative und Geschwindigkeit verloren, während die russische und syrische Luftwaffe weiterhin sehr aktiv über der letzten Islamistenprovinz sind. Eine besondere Problematik stellen die von der Türkei und USA bereitgestellten Panzerabwehrwaffen der Aufständischen dar, welche bereits mehrere Panzer beschädigten. Russische Luftschläge sollen aber mehrere dieser Teams mitsamt ihrer Ausrüstung (ATGMs und TOWs) eliminiert haben.

Die Islamisten starteten in der vergangenen Nacht eine größer angelegte Gegenoffensive östlich von Kafr Naboudah, der Angriff auf die Flanken der syrischen Armee konnte nach bisherigem Stand weitgehend aufgehalten werden. Dabei sollen die Islamisten unter der Führung von Jaish al-Izzah und Tahrir al-Sham erhebliche Verluste erlitten haben: Während die Anzahl an getöteten Kämpfern unbekannt ist, wurden ungefähr sieben Fahrzeuge zerstört, darunter auch mindestens vier Kampfpanzer. Zeitweise sollen sie das Dorf al-Hamamiyah erobert haben, sich jedoch bereits Stunden später wieder aufgrund schwerer Bombardements zurückgezogen haben. Damit reiht sich diese Operation in die bisher drei erfolglosen Gegenangriffe in Nord-Hama ein, welche nur zu erheblichen Verlusten in den eigenen Reihen führten.

Ein Nebenschauplatz der derzeitigen Offensive ist das Latakia-Gebirge rund 50 Kilometer nordwestlich von Nord-Hama. Dort versuchte die 4. Armeedivision mit schwerer Artillerieunterstützung, das Dorf Kabani und umliegende Berge von den dort präsenten Islamisten um Hurras al-Din zu befreien, bisher erfolglos. Trotz dem Einsatz von schweren Waffen wie den Golan-Raketen bleibt ein Fortschritt bisher aus, die Aufständischen konnten sämtliche Vorstöße erfolgreich abwehren. Die Eroberung von Kabani würde der Armee enormen Freiraum für West-Idlib geben, vom Gebirge aus könnte man die inzwischen von chinesischen Uiguren besiedelte Stadt Jisr al-Shoughur erobern, danach sind es nur noch 30 Kilometer bis zur gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib.

 

Derweil macht sich Unmut in den Reihen der von der Türkei finanzierten und unterstützten Opposition (TFSA) in Nord-Aleppo breit, da sie nicht in dem Kampf um Nord-Hama intervenieren dürfen. Dennoch machten sich schätzungsweise Hunderte mit Fahrzeugen und schweren Kriegsgerät zu den Frontlinien in Nord-Hama auf, besonders Ahrar al-Sham schickte mehrere Regimente aus ihren Trainingslagern nahe der türkischen Grenzstadt Jarablus. Tatenlos blieben Teile der TFSA dennoch nicht, so attackierte die Hamza-Division die schiitischen Städte Zahraa und Nubl mit Mörsern und Artillerie. Für die Bevölkerung ist es die bittere Erinnerung an die Belagerung durch den Gegner, welche erst 2016 mithilfe kurdischer Kräfte aus dem inzwischen eroberten Afrin aufgehoben wurde.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Die türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen.

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