Syrische Armee rückt in Nord-Hama vor

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Die ersten Tage der neuen Offensive der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und verbündeter Gruppierungen erscheinen bereits vielversprechend: Innerhalb der ersten zwei Tage konnte die Armee einen Durchbruch an den ansonsten starren Frontlinien im Norden der Provinz Hama erringen und dabei mehrere Dörfer und die erste Stadt von der islamistischen Opposition erobern. Dabei kam es jedoch zum erbitterten Widerstand, erstmals wurden bisher zwei Selbstmordattentäter eingesetzt. Auch anderswo kam es erstmals zu Gefechten zwischen den zwei Fraktionen. Gerüchten zufolge soll sich die derzeitige Militäroperation aber dennoch hauptsächlich auf Nord-Hama beziehen und nicht die vollständige bzw. partielle Eroberung der letzten Aufständischenprovinz Idlib zum Ziel haben.

Die schwersten Angriffe wurden in und in der Umgebung der einst 15.000 Einwohner zählenden Stadt Kafr Nabouda ausgetragen, der größte Ort im Nordwesten der Provinz Hama. Nach einer kurzen Offensive konnte die Eliteeinheit der „Tiger Forces“ im Verband mit regulären Truppen den Ort von der islamistischen Miliz Jaish al-Izzah erobern. Über den Tag hinweg dauerten aber schwere Gefechte an den nördlichen Außenbezirken statt, die radikalislamistische Gruppierung Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra) setzte erstmals ein SVBIED (ein mit Sprengstoffen gefülltes Auto mit einem Selbstmordattenäter als Fahrer) ein, welches aber zerstört werden konnte bevor es die Positionen der syrischen Armee erreichte. Über die Nacht hinweg kam es zu einem Gegenangriff von Eliteeinheiten Tahrir al-Shams und der Privatarmee „Malhama Tactical“, welche mit modernsten Waffen und Nachtsichtgeräten ausgestattet ist. Derzeit ist unklar, ob die Gegenoffensive erfolgreich war oder nicht.

Zudem wurden die Hügel und Dörfer Habit, Housh und Tell Housh nordwestlich von Kafr Naboudah gesichert. Die Taktik der syrischen Armee folgt immer dem gleichen Muster: Zunächst wird der Gegner durch tagelange Artillerieangriffe und Bombardements zermürbt, darauf folgen die Bodentruppen. In einigen Fällen kommt es zu Gegenangriffen, nun kann sich die Armee ohne erwähnenswerte Verluste zurückziehen und die Prozedur wiederholen. Dennoch beklagen beide Seiten bereits in den ersten Tagen der Offensive einige Verluste, die Anzahl an getöteten Soldaten und Kämpfern soll im zweistelligen Bereich liegen. Die syrischen Streitkräfte haben mindestens zwei Panzer verloren.

Außerdem eröffneten syrische Kampfverbände in der Gebirgsprovinz Latakia eine neue Front, nahe dem Dorf Kabani konnte eine Erhöhung wiedererobert werden, welche vor mehreren Monaten durch einen Gegenangriff verloren wurde. Die Waffenruhe war in Latakia ohnehin immer wieder brüchig, sogenannte „Inghimasi-Attacken“ rundum dem Al-Qaida-Verbündeten Hurras Al-Din überraschten und eliminierten immer wieder Verteidigungsstellungen der Armee und töteten Dutzende an Soldaten. Ob sich daraus aber eine größere Operation entwickeln könnte ist eher fraglich. Östlich von Latakia liegt die Stadt Jisr al-Shoughur, welche möglicherweise Ziel einer Offensive werden könnte und derzeit von chinesischen extremistischen Uiguren beherrscht wird.

Mehrfach wurde der russisch-syrische Luftwaffenstützpunkt al-Hmeimin in den vergangenen Tagen durch Raketen- und Drohnenangriffe attackiert, die meisten Angriffe stammen aus der rund 30 Kilometer entfernten al-Ghab-Ebene und werden generell Tahrir al-Sham zu geschrieben. Alle Angriffe konnten dem russischen Verteidigungsministerium zufolge erfolgreich abgewehrt und „Aggressoren“ identifiziert werden, ihre Positionen wurden demnach durch russische Luftangriffe zerstört. Es handelt sich um insgesamt drei Raketenangriffe innerhalb der letzten Woche, welche allesamt keinen Schaden verursachen konnten.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Die türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen.

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