Türkei beendet anti-kurdische Offensive nach nur einem Tag

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Ebenso überraschend wie die Offensive begann, wurde sie nun scheinbar wieder abgebrochen: Die Türkei und die mit ihnen verbündete „Syrische Nationalarmee“, bestehend aus verschiedenen islamistischen, ehemals der Freien Syrischen Armee (FSA) zugehörigen Milizen, beendeten die seit nicht mal einem Tag andauernde Offensive auf die kurdische Stadt Tel Rifaat im Norden der Provinz Aleppo. Türkische Medien bestätigten den Halt der Operation, nannten hierfür aber keine näheren Gründe. Über diesen plötzlichen Stimmungswandel kann lediglich gemutmaßt werden, möglich ist eine russische Intervention im Hintergrund eines „schmutzigen Deals“ zwischen der Türkei und Russlands, wodurch die syrische Regierung freie Hand für eine Idlib-Offensive erhält.

Innerhalb des einen Tages konnte die sogenannte „Syrische Nationalarmee“ die Dörfer Maranaz und al-Milkiyah ohne erwähnenswerten Widerstand sichern, jedoch mussten sie sich noch im Verlaufe des Tages wieder zurückziehen. Laut eigener Behauptung ist der Rückzug auf die große Menge an „russischen Minenfeldern“ und weiteren Sprengstoffvorrichtungen zurückzuführen. Zudem berichteten die kurdischen „Afrin Liberation Forces“ (ALF) von erbitterten Kämpfen, in dessen Folge 22 islamistische Kämpfer getötet und ein Militärfahrzeug zerstört wurde. Aber auch die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und alliierte Gruppierungen erlitten erhebliche Verluste, vor allem durch türkische Luftschläge auf die gesamte Region. Zudem wurden fünf Soldaten der syrischen Armee verletzt, welche angeblich Artillerieunterstützung bei den Gefechten gaben.

Derzeit kommt es noch zu vereinzelten Luftschlägen durch die türkische Luftwaffe, Berichte von Bodenkämpfen gibt es jedoch seit Stunden nicht mehr. Ob die türkische Operation nur zeitweise ausgesetzt oder tatsächlich komplett abgebrochen wird, bleibt abzuwarten. Viele sahen im Beginn der Offensive einen Deal zwischen Russland und der Türkei: Während die syrische Regierung eine freie Hand für ihre Operation in der Provinz Idlib (oder zumindest Teilen davon) erhält, zieht sich die Armee aus Tel Rifaat zurück und überlässt dieses kleine Gebiet, welches ehemals dem Kanton Afrin angehörte und immer wieder Ausgangsbasis von kurdischen Guerillaangriffen gegen die Türkei ist, der Türkei und seinen syrischen Stellvertretern. Ein möglicher Hintergrund kann also in der Unzufriedenheit bei den beiden Verhandlungspartnern liegen, insofern man der Geschichte eines „schmutzigen Deals“ glauben mag.

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