Türkei startet neuen Angriff auf Kurden

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Überraschend kündigte die Türkei und die mit ihnen verbündete „Syrische Nationalarmee“, bestehend aus verschiedenen islamistischen, ehemals der Freien Syrischen Armee (FSA) zugehörigen Milizen, eine neue Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) an. Die bisher unbenannte Operation hat die von den YPG kontrollierte Region rundum der Stadt Tel Rifaat im Zielkreuz, welche im Nordwesten des Landes liegt und ehemals zum Kanton Afrin gehörte, nach deren Eroberung aber relativ unabhängig agiert. Auch die syrische Regierung ist mit eigenen Truppen in der Region präsent, wie Diese sich verhalten werden ist derzeit unklar.

Der Angriff startete Samstag Abends mit einer Offensive auf die Grenzdörfer Maranaz und al-Milkiyah, welche keine Garnison besitzen und dementsprechend ohne Widerstand von der sogenannten Nationalarmee erobert wurden. Die Türkei wird sich wohl in der Operation vergleichsweise zurückhalten und vor allem Luft- und Artillerieunterstützung anbieten. Dennoch gibt es bereits Berichte über einen getöteten türkischen Soldaten nahe der weiter nördlich gelegenen Stadt Azaz. Jedoch ist unklar, ob der Tod das Resultat der derzeitigen Gefechte war oder der Mord stattdessen auf die kurdischen Guerillagruppierungen in der Region zurückzuführen ist.

Die syrische Armee ist mit eigenen Einheiten seit dem Fall Afrins und auf Bitten der Kurden vor Ort, auch die russische Militärpolizei hatte zumindest zeitweise eine Präsenz in Tel Rifaat. Die Frage bleibt, ob sich die Armee zurückziehen oder Seite an Seite gegen die Türkei kämpfen wird. Möglich ist ebenso, dass schiitische Milizionäre aus den Städten Nubl und Zaahra, zwei Orte mit einer besonderen Beziehung zu den Kurden in Afrin, versuchen werden, Tel Rifaat wie damals Afrin zu verteidigen. Einige Gerüchte sprechen davon, dass Tel Rifaat von der syrischen Regierung im Austausch für eine freie Hand in Idlib (oder zumindest Teile davon) der Türkei gegeben wurde. Ebenso möglich ist es, dass die YPG in Tel Rifaat in einem derartigen Deal involviert ist.  Jedoch gibt es dafür keine Beweise.

Es sollte für die Türkei keine langwierige oder komplexe Mission werden, Tel Rifaat zu erobern. Die Nationalarmee besitzt mit türkischer Unterstützung über genügend Feuerkraft für das kleine, nur von lokalen Streitkräften gehaltene Gebiet. Fast alle nördlichen Frontdörfer sind unbemannt, die nächste Militärbasis mit einer nennenswerten Präsenz an YPG-Einheiten wäre der Menagh-Luftwaffenstützpunkt. Er ist bekannt für seine Belagerung im Jahre 2013 wonach eingekreiste Soldaten der syrischen Armee über ein Jahr standhielten, am Ende jedoch massakriert wurden. Auch der Islamische Staat war damals auf Seiten der Aufständischen am Angriff beteiligt. Tel Rifaat und die Region wurde in Folge einer Offensive gegen die verfeindete Opposition 2016 mit Armeeunterstützung erobert und befindet sich seit jeher fest in der Hand der Kurden. Auch weiterhin befinden sich Zehntausende Flüchtlinge aus Afrin in der Region, müssen aber nun wohl weiter nach Aleppo oder Manbij fliehen.

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