Armee bereitet Idlib-Offensive vor

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Tausende Soldaten und Kämpfer, Hunderte Fahrzeuge und Dutzende Luftschläge innerhalb weniger Stunden: Sowohl die Syrisch-Arabische Armee und verbündete Milizen, als auch die islamistische Opposition schickte in den vergangenen Tagen eine enorme Anzahl an Truppen und Kriegsgerät an die Frontlinien, welche die Provinzen Hama, Aleppo und Idlib durchqueren. Alle derzeitigen Meldungen deuten auf eine großangelegte Militäroffensive der Armee auf die letzte Provinz der Islamisten hin, diesmal mit russischer und türkischer Absegnung. Jene Offensive, die vor einem halben Jahr in Folge einer russisch-türkischen Waffenruhe verhindert werden konnte. Derzeit erlebt Idlib die intensivsten Flächenbombardements seit Monaten.

Einige der von Islamisten kontrollierten Orte erleben sogar die schwersten Luftangriffe seit Ausbruch des Krieges. Besonders hart betroffen ist die Region von Nord-Hama, welche in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz großer Gefechte zwischen Armee und Opposition war, trotzdem veränderten sich die Frontlinien im Verlauf der Jahre wenig. Die syrische und russische Luftwaffe fliegt mehrere Angriffe innerhalb einer halben Stunde, selten kam es in Syrien zu einer so hohen Anzahl. Dabei setzt die Regierung inzwischen auch vermehrt Helikopter ein, die teilweise Fassbomben einsetzten.

Attackiert werden feindliche Städte und Stellungen der Aufständischen, darunter Orte wie Kafr Nabudah, Qalaat al-Mudiq, Kafr Zita oder Jabriyah. Dabei wurden auch Dutzende Zivilisten verletzt und teilweise getötet. Islamisten wiederum beschossen ebenso Orte in Nord-Hama oder Aleppo, wo schätzungsweise fünf Zivilisten ermordet wurden. Die Waffenruhe war bereits monatelang zuvor äußerst brüchig, während die Armee Idlib mit Artillerieangriffen attackierte, reagierte die Opposition mit eigenem Mörserbeschuss und ständigen Infiltrationsversuchen von Armeestellungen. Außerdem wurde der russisch-syrische Luftwaffenstützpunkt al-Hmeimin immer wieder von Raketen und Drohnen attackiert, welche jedoch vor ihrem Ziel immer zerstört werden konnten.

Die Syrisch-Arabische Armee hat mehrere Divisionen und Battalione aus dem Süden und Osten des Landes abgezogen, um sie in Idlib zu stationieren. Darunter befinden sich auch Eliteeinheiten der „Tiger Forces“ und Republikanischen Garden, die beide jeweils offensive und defensive Rollen übernehmen. Die Tiger Forces unter der Führung des berüchtigten Suheil al-Hassan formieren sich in der Nähe der al-Ghab-Ebene, welche seit Jahren keine Kämpfe mehr gesehen hat. Vor Ort wurden ebenfalls russische Truppen gesichtet, darunter auch Scharfschützen. In Süd-Aleppo hingegen sind vom Iran unterstützte Milizen aktiv.

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Armeekonvoi auf dem Weg nach Idlib

Auf der anderen Seite stehen die Islamisten, die zwei stärksten Fraktionen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) und die von der Türkei unterstützte „Nationale Befreiungsfront“ unter der Führung von Ahrar al-Sham verstärkten die eigenen Reihen mit Hunderten an Truppen. Dabei setzten sie auch erstmals seit Monaten Panzerabwehrwaffen wie die von den USA gelieferten ATGMs ein, die bereits mehrere Panzer und Fahrzeuge des syrischen Militärs beschädigten. Zudem vermelden sie, durch Mörserangriff vier russische Soldaten in einer Militärbasis nahe der Stadt Hama getötet zu haben. Beweise hier für liegen aber nicht vor.

Auch Gerüchte wurden verbreitet, so heißt es aus Kreisen der syrischen Militärs, dass die Türkei zukünftig ihre Grenzen bzw. Grenzübergänge zu Idlib schließen werden, ein Beleg für die intensive Kooperation zwischen der Türkei und seinem südlichen Nachbarn. Am 11. Februar veröffentlichte die Türkei und Russland eine gemeinsames Positionspapier, in denen man „entschiedene Maßnahmen“ bezüglich Idlib ankündigt. Inwiefern tatsächlich aber etwas geschieht, bleibt abzuwarten. Seitdem blieb es recht ruhig, bisher nahmen Russland und die Türkei öffentlich keine Stellungen, die jeweiligen Präsidenten sollen aber über die Idlib-Situation telefoniert haben.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Derzeit scheint Russland aber zumindest öffentlich kein Interesse an der Weiterführung der Astana-Vereinbarung zu haben, wodurch eine militärische Offensive wieder eine Option werden könnte.

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