Islamischer Staat expandiert in den Kongo

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Der Islamische Staat verkündete durch die eigene Nachrichtenagentur AMAQ erstmals Operationen in der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika. Demnach überfielen IS-Kämpfer nahe der Landesgrenze zu Uganda einen Militärkonvoi der kongolesischen Armee und töteten dabei acht Soldaten. Diese Expansion wird vor allem vom Islamischen Staat in Kenia mithilfe von Mittelsmännern und Finanziers unterstützt, nachdem sich die wichtigste lokale Islamistengruppierung immer weiter dem IS annähert, der Terrormiliz aber noch nicht offiziell die Treue schwor. Dass man sich nun auf diese Organisation bezieht ist auch der Versuch, trotz der Niederlagen im Nahen Osten weiterhin international als relevant zu erscheinen.

Der Angriff des Islamischen Staates erfolgte in der Umgebung der Stadt Kamango. Wenige Stunden später folgten zwei weitere Berichte von Operationen in der Kivu-Region, in dessen Folge drei Soldaten ermordet wurden. Eine Besonderheit ist ebenfalls, dass der Überfall von der erstmals erwähnten Sektion „Zentralafrika“ durchgeführt wurde, der IS unterteilt seine militärischen und administrativen Ableger beispielsweise in Westafrika, Ostasien, al-Sham für das Levante oder Khorasan für Afghanistan/Pakistan. Der Begriff Zentralafrika fiel bereits in einer Sprachnachricht des Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi im Sommer 2018.

Die Beziehungen zwischen internationalen und nationalen, islamistischen Organisationen wie dem Islamischen Staat oder al-Qaida sind nicht gänzlich geklärt. Im Jahre 2017 sollen sich Islamisten der kleinen Organisation „The City of Monotheism and Monotheists“ (MTM) dem Islamischen Staat angeschlossen haben, jedoch schworen sie keinen Treueschwur (Bayah) an den Kalifen al-Baghdadi, weshalb die Zugehörigkeit nicht offiziell ist. Sie tauchte auch in der Vergangenheit bereits in IS-Propagandavideos auf. MTM ist wiederum ein Teil der größten islamistischen Gruppierung „Allied Democratic Forces“ (ADF), welche nach eigenem Selbstverständnis unabhängig agieren, in Wirklichkeit jedoch Hilfe von al-Shabab oder dem IS annehmen. So gehört beispielsweise Waleed Ahmed Zein und sein Bruder Halima Adnan Ali, zwei Geschäftsmänner aus Kenia und Mitglieder des Islamischen Staates, zu den größten Geldgebern der Organisation.

In dem vergangenem Jahr haben sich besonders die Beziehungen zwischen ADF und dem Islamischen Staat intensiviert, im Februar fanden kongolesische Soldaten bei der Eroberung eines ADF-Lagers mehrere Bücher und Materialien, welche vom IS zur ideologischen Ausbildung genutzt werden. Auch die Rhetorik in ADF-Videos wird zunehmend dschihadistischer, mehrere Nasheeds des IS wurden genutzt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der vom IS deklarierte Angriff durch Kämpfer der Allied Democratic Forces durchgeführt wurde und ein erstes Anzeichen für eine fortwährende, intensivere Kooperation sein wird.

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