Erneut türkischer Soldat in Afrin getötet

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Die Eroberung der nordsyrischen Region Afrin durch die türkische Armee und ihre syrischen Verbündeten dauert seit fast einem Jahr an, auch weiterhin wird die Region von Korruption, wirtschaftlicher Ausbeutung durch den nördlichen Nachbarn und innerislamistische Machtkämpfe geplagt. Erneut töteten kurdische Widerstandskämpfer in ihrem fortwährenden Guerillakampf einen türkischen Soldaten und verletzten Weitere. Tagtäglich sorgen kurdische Milizionäre für Verluste in den Reihen der Islamisten, im Untergrund dauert ein brutaler Guerillakampf gegen die derzeitigen „Besatzer“ an, die wiederum die über Jahre hinweg aufgebaute Zivilgesellschaft und Lebensgrundlage der Bewohner Afrins zerstören.

Vor zwei Tagen wurde der Tod des türkischen Soldaten durch das türkische Verteidigungsministerium offiziell bestätigt. Laut türkischer Darstellung ist er durch einen Mörserangriff von der Stadt Tel Rifaat getötet worden, welcher auf einen Militärposten im Grenzdorf Melkiyah niedergelassen wurde. Tel Rifaat und die umliegenden Gebiete befinden sich unter einer gemeinsamen Verwaltung zwischen Kurden aus Afrin und der syrischen Regierung. Nachdem die Türkei mit syrischer Unterstützung Afrin eroberte, flohen Zehntausende Menschen in Richtung Tel Rifaat und später durch Aleppo nach Manbij. Um das Gebiet vor weiteren türkischen Aggressionen zu beschützen, intervenierte die syrische Armee in einem Abkommen mit der örtlichen YPG und errichtete seitdem ihre Präsenz in Tel Rifaat.

Die „Afrin Liberation Front“ (ALF), Eine der zwei in Afrin operierenden Guerillagruppen mit engen Beziehungen zu den kurdischen Volksverteidigungseinheiten und möglicherweise auch der syrischen Regierung, sprach hingegen von einer erfolgreichen Überfalloperation auf einen türkischen Außenposten, in dessen Folge drei Soldaten getötet und drei Weitere verletzt wurden. Der Angriff ist dabei nicht durch Mörsergranaten, sondern durch den Einsatz mehrerer ATGM-Raketen erfolgt. Auch anderswo ist die ALF und ihre Schwesterorganisation „Wrath of the Olives“ aktiv, so berichtete man zuletzt am Donnerstag von einem Angriff auf islamistische Kämpfer in der Stadt Maraa, östlich von Afrin.

Die Unterstützung für die verschiedenen kurdischen Guerillagruppen und dem Widerstand generell nährt sich auch aus der destruktiven Wut der Islamisten. Derzeit versucht man die weitläufigen Olivenplantagen zu zerstören und die dadurch entstandenen Hölzer gewinnbringend in die Türkei zu verkaufen. Afrin ist nicht nur bekannt für seine Olivenbäume, auch haben Oliven vor Ort eine enorme symbolische Bedeutung (nicht umsonst nannte die türkische Armee ihre Offensive in Afrin „Operation Olivenzweig“). Immer wieder entstehen Brände auf den Plantagen, die den Aufständischen zugeschrieben werden. Türkische Unternehmer brüsten sich damit, Olivenöl aus Afrin international weiterzuverkaufen. Die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Eisenbahnstrecken werden von verschiedenen Organisationen abgebaut und das Metall eingeschmolzen, alles für den eigenen Gewinn.

Hinzu kommen die Entführungen, wo angebliche YPG-Anhänger gefoltert und meist erst nach einer hohen Lösegeld freigelassen. Die islamistische Organisation Ahrar al-Sharqiya hat nach eigenen Angaben fünf Kämpfer von Faylaq al-Sham dabei erwischt, wie sie ein Mitglied von al-Sharqiya entführen wollten, den sie für einen Zivilisten hielten. Der Machtkampf macht inzwischen nicht mehr vor den eigentlichen Verbündeten Halt.  Seit der „Befreiung“ durch türkische Verbände regiert in Afrin die Korruption.

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