Islamischer Staat verliert sein letztes Gebiet

 

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Am Ende kapitulierten erneut Hunderte IS-Kämpfer

Nur noch improvisierte Bretterbuden und hastig aufgebaute Zelte verbleiben vom Islamischen Staate, welches einst das Ziel eines weltumspannenden Kalifates verfolgte. Kämpfer der kurdisch-arabischen „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) durchstreifen das letzte Lager des IS nach ihrer Eroberung, am Ende kapitulierten Hunderte IS-Kämpfer und ihre nicht minder radikalen Familienangehörige, Zehntausende nutzten bereits in den Wochen zuvor die Möglichkeit zur Flucht aus den letzten Quadratmetern, welches von einigen wenigen, fast ausschließlich ausländischen IS-Kadern beherrscht wurde. Damit verliert der Islamische Staat sein letztes, von ihm offiziell gehaltenes Territorium in Syrien und damit in seinem „Kerngebiet“, jedoch hat man sich bereits auf den Tag X vorbereitet und sich umstruktiert: Die Rückkehr zum traditionellen Guerillakampf wird die Region weiterhin für kommende Jahre destabilisieren.

Am Dienstag Morgen herrschte Stille an den Sandbänken des Euphrats, nahe dem Dorf al-Baghouz hielten sich teilweise über 50.000 Menschen in einem kleinem Zeltlager auf. Am Ende kapitulierten erneut Hunderte IS-Kämpfer und angebliche „Zivilisten“, insgesamt zwölf davon sprengten sich während der Evakuierung in ein improvisiertes Flüchtlingslager wenige Kilometer weiter nördlich in die Luft. Eine letzte Gegenoffensive konnte von SDF-Kampfverbänden zurückgeschlagen werden. Zwar gibt es noch rund Einige Dutzend IS-Kämpfer, die eine Kapitulation trotz ihrer aussichtslosen Lage weiter ablehnen, diese kontrollieren jedoch nur wenige Barracken.

Während für lange Wochen hinweg Funkstille von Seiten des Islamischen Staates herrschte, wurden am Ende des Syrien-Territoriums ein Video und mehrere Fotoalben veröffentlicht, die die Situation nahe al-Baghouz aufzeigen. Während man in der eigenen Darstellung Rache an den Westen und die Ungläubigen versprach, auch im Zusammenhang zum Massaker in Neuseeland, gleichte das Zeltlager einer apokalyptischen Landschaft: In dem überfüllten Lager lagen überall Leichen und Menschen, die sich aufgrund von Stress und fehlender Wasser-, Nahrungs- und Medizinversorgung nicht auf den Beinen halten konnten. Einzelne SDF-Kämpfer durchstreifen durch das Lager auf der Suche nach Waffen und Munition, jedoch finden sie nur noch den Tod vor.

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Trotz der Niederlage des Islamischen Staates als territoriales Konstrukt wird er weiterbestehen und zu seiner alten Identität als Guerillamiliz zurückkehren. Bereits heute hat die Anzahl der Anschläge und Attentate im Territorium der SDF bzw. kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erheblich zugenommen, gerade die Provinzen Raqqah und Hasakah kommt es nahezu wöchentlich zu Angriffen auf diverse Institutionen oder Stammesführer. Die Anschläge auf US-Truppen stellen dabei das bisherige Novum dar, innerhalb einer Woche wurden zwei US-Militärkonvois angegriffen, wobei vier Amerikaner starben. Auch in den Randgebieten der syrischen Regierung gibt es vermehrt Berichte, dass der IS die Unwirtlichkeit der syrischen Wüste für sich ausnutzt und von dort vermehrt Angriffe vor allem auf die drusische Bevölkerung in Suweida ausführt.

Besonders im Irak hat der Islamische Staat nach wie vor eine enorme Präsenz im westlichen Teil des Landes, trotz der durchaus effektiven Maßnahmen des Staatsapparates, welcher z.B. bei einer Anti-Terror-Operation in Anbar Hunderte Guerillakämpfer festgenommen konnte und die wichtigen Versorgungsstraßen im Lande sichert. Dennoch gehören gerade die ländlichen Regionen in der Nacht der Terrormiliz, dort führen sie nahezu ungestört Attentate auf feindliche Stammesführer, Militärs oder Beamte statt. Gerade Kirkuk und die Wüstenprovinz Anbar sind davon betroffen.

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