In Idlib herrscht wieder Krieg

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Zwischen der syrischen Regierung und islamistischen Opposition ist weiterhin keine Deeskalation zu bemerken, im Gegenteil: Dschihadisten setzten nach mehrmonatiger Aussetzung wieder Drohnen und Raketen auf Ziele fernab der Frontlinien ein, die syrische Armee reagierte mithilfe russischer Unterstützung mit schweren Bombardements, die auch weiterhin nicht abklingen und an jenes Szenario eines Krieges erinnern, welches mit der zwischen Russland und der Türkei verhandelten Waffenruhe eigentlich verhindert werden sollte. Kommt es zu keiner Veränderung der derzeitigen Entwicklung, so könnte in den kommenden Monaten eine groß angelegte Offensive der Armee auf die letzte, noch von Islamisten gehaltene Provinz Idlib folgen und damit die derzeitige Waffenruhe beenden.

Seit der russischen Intervention in dem derzeitigen Vorfall wurden vermehrt Streu- und Brandmunition eingesetzt, besonders in der Nacht kommt es zu Bombardierungen von Dörfern und Städten in Idlib und Nord-Hama, letztlich traf es besonders das Dorf Tamanimah schwer, welches von der islamistischen Gruppierung „Tahrir al-Sham“ kontrolliert wird. Neuerdings wurden auch Angriffe auf die gleichnamige Provinzhauptstadt Idlib geflogen. Eines der Ziele war das örtliche Zentralgefängnis, in welchem zu größtem Teil Anhänger bzw. ehemalige Schläferzellen des Islamischen Staates und angebliche „Regimekollaborateure“ eingesperrt sind. Bei dem Angriff wurde eine Außenmauer zerstört, welches Hunderten die Möglichkeit zur Flucht gab. Einige davon wurden zwar später wieder eingefangen, jedoch ist eine beachtliche Zahl weiterhin auf der Flucht. Außerdem wurden zwei weitere Gebäude zerstört.

Kurze Zeit später setzten Islamisten erstmals Raketen mit längerer Reichweite ein, bei einer als „Racheaktion“ bezeichneten Operation wurden mehrere Raketen auf die Küstenprovinz Tartus, etwa 70km von den Frontlinien in Idlib/Hama, gestartet, welche jedoch keinen Schaden verursachten und lediglich Felder trafen. Die Raketen sollen angeblich mit türkischer Unterstützung entwickelt worden sein, nähere Details liegen aber nicht vor. Zudem wurden Drohnen der Opposition in der Provinz Latakia gesichtet und zerstört. Sie sind identisch mit jenen, die zuletzt vor sechs Monaten gegen den syrisch-russischen Militärflughafen al-Hmeimin eingesetzt wurden, aber keinen Schaden anrichten konnten. Satellitenbilder vor Ort beweisen eine wieder verstärkte Präsenz der russischen Luftstreitkräfte,  darauf sind haufenweise Kampfjets des Typs Su-25 zu sehen, die wenige Monate zuvor noch nicht da waren.

Russland und die Türkei einigten sich vor einigen Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Derzeit scheint Russland aber zumindest öffentlich kein Interesse an der Weiterführung der Astana-Vereinbarung zu haben, wodurch eine militärische Offensive wieder eine Option werden könnte.

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