Vom Islamischen Staat verbleibt nur noch ein Zeltlager

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Sicht auf das letzte IS-Territorium in Syrien

Der Islamische Staat ist besiegt. So werden wohl die Meldungen in den kommenden Tagen verlautbaren, nachdem der Islamische Staat fast sein letztes Areal in Syrien und damit in seinem einstigen Kernterritorium verloren hat. Von der Aufrufung des Kalifats, alle Muslime unter einer Flagge vereinen zu wollen und Rom zu erobern bleibt in den letzten Stunden nur noch ein kümmerlicher Rest einer Zeltstadt, Hunderte (fast nur internationale) IS-Kämpfer, ihre nicht minder radikalen Familienangehörige und einfache Zivilisten wurden vom arabisch-kurdischen Milizenbündnis der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) umzingelt und am Ende besiegt. Dennoch bedeutet diese Entwicklung nur die Rückkehr der Terrormiliz zu seinem traditionellen Ursprung, bereits heute sind die Guerillataktiken in Nordsyrien spürbar.

Die letzten IS-Kämpfer haben sich in der letzten Zeltstadt verbarrikadiert und stehen unter enormen Druck; neben dem feindlichen Beschuss stehen sie alle unter dem Einfluss von Aufputschmitteln. Die rund 50 verbliebenen Zelte sind zwar keine militärische Gefahr mehr, dennoch warten die Syrischen Demokratischen Kräfte bisher auf diverse Spezialeinheiten, besonders auf medizinische und auf Minenentschärfung spezialisierte Truppen, die dann auch den verbliebenen Menschen in ihrer desaströsen Lage helfen sollen. Neben den fast nur ausländischen IS-Kämpfern halten sich auch ihre nicht minder radikalen Familienangehörigen (besonders Frauen werden oft unterschätzt) und mehrere Geiseln vor Ort auf.

Erst am Donnerstag flohen etwa 1.200 Personen aus dem verbliebenem IS-Territorium, laut eigenen Angaben werde als menschliche Schutzschilde gebraucht, Scharfschützen würden sogar Kinder erschießen, sollten sie fliehen. Zudem sprachen sie davon, keine Verbindungen zum Islamischen Staat gehabt zu haben und dass die Männer, die als IS-Kämpfer aktiv waren, lediglich Köche, Ärzte oder Unternehmer waren. Viele der besonders aus dem Westen stammende Frauen und Jugendliche wie die Britin Shamima Begum zeigen ebenfalls keine Reue für die Verbrechen des Islamischen Staat, einzig dass es aufgrund der Niederlage nicht das „wahre Kalifat“ war.

Trotz der Niederlage des Islamischen Staates als territoriales Konstrukt wird er weiterbestehen und zu seiner alten Identität als Guerillamiliz zurückkehren. Bereits heute hat die Anzahl der Anschläge und Attentate im Territorium der SDF bzw. kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erheblich zugenommen, gerade die Provinzen Raqqah und Hasakah kommt es nahezu wöchentlich zu Angriffen auf diverse Institutionen oder Stammesführer. Die Anschläge auf US-Truppen stellen dabei das bisherige Novum dar, innerhalb einer Woche wurden zwei US-Militärkonvois angegriffen, wobei vier Amerikaner starben. Auch in den Randgebieten der syrischen Regierung gibt es vermehrt Berichte, dass der IS die Unwirtlichkeit der syrischen Wüste für sich ausnutzt und von dort vermehrt Angriffe vor allem auf die drusische Bevölkerung in Suweida ausführt.

Besonders im Irak hat der Islamische Staat nach wie vor eine enorme Präsenz im westlichen Teil des Landes, trotz der durchaus effektiven Maßnahmen des Staatsapparates, welcher z.B. bei einer Anti-Terror-Operation in Anbar Hunderte Guerillakämpfer festgenommen konnte und die wichtigen Versorgungsstraßen im Lande sichert. Dennoch gehören gerade die ländlichen Regionen in der Nacht der Terrormiliz, dort führen sie nahezu ungestört Attentate auf feindliche Stammesführer, Militärs oder Beamte statt. Gerade Kirkuk und die Wüstenprovinz Anbar sind davon betroffen.

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