Zivilisten überrennen türkische Militärbasis im Irak

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Im Norden des Iraks und dem kurdischen Autonomiegebiet stürmten wütende Anwohner einen Militärstützpunkt der türkischen Streitkräfte nahe der Stadt Shiladze. Anlass für den andauernden Protest der kurdischen Bevölkerung war die Ermordung von mindestens vier Zivilisten bei einem türkischen Luftangriff am 23. Januar, welcher nach türkischer Darstellung feindlichen PKK-Stellungen gegolten habe. Die Türkei ist seit Jahren im irakischen Kurdistan mit dem Segen der dortigen Regierung unter Masoud Bahrzani aktiv, um gegen den gemeinsamen Feind der PKK vorzugehen, welcher durch das Erstarken des Islamischen Staates und dem Rückzug der Peschmerga erhebliche Sympathien im Norden des Iraks aufbauen konnte. Es gibt erste Berichte über Tote.

Wie lokale Medien berichten, stürmte ein wütender Mob aus der Provinz Duhok die örtliche Militärbasis, dabei waren auch Schüsse zu hören. Unklar ist, ob diese vom kurdischen Sicherheitspersonal bzw. der Peschmerga oder von türkischen Soldaten selber abgefeuert wurden, bisher gibt es Berichte von einigen Verletzten und zwei Toten. Der Stützpunkt befindet sich derzeit fest unter der Kontrolle der Bevölkerung, viele türkische Fahrzeuge und Teile der Anlage wurden in Brand gesteckt und Panzer erbeutet. Es ist unklar wie sich die Situation nun weiterentwickeln wird, wahrscheinlich handelt es sich auch um einen Versuch, internationale Aufmerksamkeit auf das bisher unbekannte Vorgehen der Türkei im Irak zu erregen.

Traditionell bildet die Türkei seit Jahren Peschmerga-Einheiten der regierenden Demokratischen Kurdistan-Partei aus und versucht auch damit, seinen Einfluss in der Region auszubauen und jenen der PKK zu verringern. Vor etwa einem Jahr startete die Türkei eine neue Anti-PKK-Operation, die bisher bis zu 30 Kilometer tief in den Irak hineinragt und dabei viele Außenposten errichtet wurden. Das Vorgehen der Türkei geschieht ohne die Absprache mit der irakischen Zentralregierung und wird von dieser auch kritisiert, jedoch sind Bagdad dabei die Hände gebunden. Bisher starben bei türkischen Luftschlägen im Norden des Landes bis zu 20 Zivilisten.

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