Schwere Gefechte in der letzten Stadt des IS

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Etwa eine Woche nach der Wiederaufnahme von Anti-IS-Operationen durch die von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) wird das arabisch-kurdische Milizenbündnis mit ihren schwersten und brutalsten Gefechten seit Raqqa konfrontiert. Die größte, noch vom Islamischen Staat gehaltene Stadt Haijin entpuppt sich als Bastion, über Jahre hinweg errichteten die Islamisten Dutzende Verteidigungsstellungen und -systeme, darunter komplexe Tunnelsysteme wie sie in Raqqah oder Mossul vorzufinden waren. Der Islamische Staat kontrolliert im Euphrat-Tal nahe der irakischen Grenze noch mehrere Städte und Dörfer. Nach anfänglichen Erfolgen ist die Offensive der SDF-Verbände zunächst zum Stillstand gekommen.

Die Gefechte finden weiterhin in den nördlichen Bezirken von Haijin fest. Nachdem die SDF ihre Kontrolle über das Viertel Hawamah konsolidieren konnte, finden derzeit beim örtlichen Krankenhaus mithilfe von Artillerie und Panzern statt. Erhebliche Problematik stellen die Tunnel des Islamischen Staat dar, da sie so IS-Kämpfer unentdeckt hinter den feindlichen Linien bringen können. Zudem intensiviert die Terrormiliz ihre Angriffe von der östlichen Wüste aus und konnte dabei einige SDF-Positionen überrennen und Waffen erbeuten. Ursprünglich gab es fälschliche Berichte davon, dass die SDF bereits die Hälfte oder bis zu 70% von Haijin kontrollieren würde.

Die USA tötete vor wenigen Tagen den IS-Kommandanten Abu al-Umarayn nahe Haijin, dieser Angriff erfolgte nach eigener Darstellung in Kooperation mit Russland, was eine Seltenheit darstellt. Ohnehin ist die Feuerunterstützung der „Anti-IS-Koalition“ unter amerikanischem Kommando die wichtigste Waffe der SDF im Kampf gegen die Terrormiliz, diese aber auch zerstörerisch gegenüber Infrastruktur und Zivilisten ist, am Freitag gab es Berichte von 20 getöteten Zivilisten, die in Folge der Bombardierung eines Wohnhauses in Haijin starben. Hunderte andere Zivilisten nutzen den Vorstoß der SDF, um aus dem IS-Territorium zu fliehen, einst befanden sich 50.000 Einwohner in der Region um Haijin.

Der Kampf zwischen SDF und Islamischem Staat dauert seit fast einem Jahr im Euphrat-Tal an. Nach anfänglichen Erfolgen wurde die Operation „Jazira Storm“ immer wieder verzögert, meist aus verschiedenen Faktoren. Generell werden mehrere Gründe für den ausbleibenden Erfolg gegen den IS genannt: Der für die Operationen zuständige Militärrat genießt einen schlechten Ruf bezüglich militärischer Kompetenzen und ist eher mit Vorwürfen der Korruption und Rekrutierung ehemaliger IS-Mitglieder beschäftigt. Zudem bestehen die Einheiten größtenteils aus Kurden und Araber, die weit entfernt von ihrer eigentlichen Heimat im Norden kämpfen. Einigen Aussagen zufolge soll die USA aber einen effektiven Endschlag gegen den Islamischen Staat verhindern, so würde damit eine Legitimation für die weitere Präsenz in Syrien wegfallen. Außerdem attackieren die Dschihadisten immer wieder die Städte der syrischen Regierung auf der anderen Uferseite, wodurch sie sich untereinander schwächen.

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