Weiterhin Gefechte an Jemens wichtiger Hafenstadt

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In der letzten großen Lebensader für weite Teile des Jemens geht das derzeit brutalste Gefecht auf jemenitischen Boden weiter. Houthi-Rebellen und verschiedene Milizen unter dem Banner der Hadi-Regierung bzw. unter der Führung der Arabischen Koalition kämpfen seit Monaten um die vitale Hafenstadt al-Hodaydah an der Westküste Jemens, durch den Hafen werden nahezu 90% aller humanitären Hilfsgüter in das Land gebracht. Bisher ist noch kein Ende des Konfliktes in Sicht, die Arabische Koalition unter dem Kommando von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate kann zwar Boden gewinnen, jedoch nur sehr langsam und unter höchsten Anstrengungen und Verlusten.

Während die Houthi-Rebellen den südlich von der Stadt gelegenen Flughafen und die Viertel verteidigen können, rückt die der Regierung unterstehenden Milizen am östlichen Stadtrand weiter vor und konnten dort die Kilo-16-Straße in Richtung Sana’a sperren. Das aus südjemenitischen Unabhängigkeitskämpfern, Armeeüberresten, afrikanischen Söldnern und Spezialeinheiten der VAE bestehende Bündnis gelingt es dennoch nicht, weitere Erfolge zu verzeichnen und wirkliche Kontrolle zu erringen, nach eigenen Angaben aber konnte man die Stadt erfolgreich von drei Seiten „belagern“ und versucht derzeit, entlang der Küste in Richtung Hafen vorzudringen. Innerhalb der Stadt fliegt Saudi-Arabien immer wieder Luftschläge, die zu getöteten Zivilisten führen. So starben am Mittwoch 21 Menschen in einer Gemüseverpackungsanlage. Ohnehin steht die Versorgung schlecht für die Bevölkerung, selbst einfache Lebensmittel sind nur noch schwer zu bekommen durch die Landesblockade.

Immer wieder führt die Guerillataktik der Houthis zu enormen Verlusten und zum Rückzug in den sicheren Süden. Dutzende der aus den VAE importierten MRAPs und andere Militärfahrzeuge werden immer wieder zerstört, verbrannt und an der Straßenseite liegen gelassen, die nun bereits Hunderte Meter lang die Straßen säumen. Besonders auf der Kilo-16 gibt es enorme Verluste, eine einfache Nutzung der Straße ist nicht möglich. Vor wenigen Tagen sollen die Houthis die Straße wieder kontrollieren, auch wenn das gesamte Areal sich eher zum Niemandsland entwickelt hat. Auch hinter den Frontlinien sorgen die Rebellen für Verluste.

Dabei setzen die Houthi-Rebellen auch neu entwickelte Waffen ein: Wenige Tage nach der Ankündigung von der Entwicklung einer neuen „Präzisionsrakete“ wurde eine dieser ballistischen Raketen des Typs „Badr P-1“ erstmals nahe al-Hodaydah gegen ein angebliches Militärcamp von sudanesischen Söldnern entlang der jemenitischen Westküste eingesetzt. Neben der Ankündigung veröffentlichten sie auch ein Video vom Angriff, die eine kleine, aber präzise Detonation zeigt. Zudem könnte die Waffe auch zukünftig vermehrt gegen Ziele in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt werden, welche ohnehin schon von anderen Raketen und Drohnen der Houthis attackiert werden.

Im Mai startete die Arabische Koalition, hauptsächlich bestehend aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate, die Operation „Goldener Sieg“, in dessen Folge die gesamte jemenitische Küste im Westen erobert werden sollte, darunter mit al-Hodaydah auch die drittgrößte Stadt des Landes. Unterstützung leistete dabei die Armee der jemenitischen Hadi-Regierung, sudanesische Söldner und südjemenitische Unabhängigkeitskämpfer. Nach den ersten beachtlichen Erfolgen gelang es den Houthi-Rebellen, die vorrückenden Truppen am Flughafen von al-Hodaydah aufzuhalten und die einzige Nachschublinie Dutzende Kilometer weiter südlich zu durchtrennen und damit effektiv zu belagern. Nun gibt es scheinbar den nächsten Versuch, ihre ursprünglichen Ziele durchzusetzen.

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