Christen protestieren gegen Schließung eigener Schulen durch Kurden

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In der nordsyrischen Stadt al-Hasakeh kam es am vergangenen Dienstag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Milizen und Sicherheitskräften der von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) und christlichen bzw. assyrischen Demonstranten. Anlass ist die geplante Schließung von christlichen Schulen in der Stadt, in dessen Folge sich an verschiedenen Orten Proteste mit mehreren Hunderten Mitgliedern bildeten, vor allem nahe der St. Gabriel-Kirche und einer Schule daneben. Die Demonstrationen waren zunächst friedlich, jedoch eskalierte die Situation, als einige Polizisten in die Luft schossen und die Kirche abriegelten/belagerten.

Angeführt von geistlichen Anführern der christlichen Kirche konnten die Aufständischen die Schließung der Kirche St. Gabriel mehrere Stunden später aufheben und dies mit Glockenläuten symbolisieren. Die assyrische Miliz „Sootoro“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Organisation auf Regierungsseite) trat dabei besonders aggressiv auf. Zudem kam es zu einem Sit-In von Studenten und Lehrern gegen das neue Gesetz, welches der Verursacher für den derzeitigen Konflikt ist.

Ein neues Gesetz soll im sogenannten Jazira-Kanton im Nordosten Syriens kleine, private Schulen verbieten, darunter befinden sich hauptsächlich Privatschulen in Kirchenhand. Diese wurden vor allem von denjenigen in Anspruch genommen, die sich gegen den kurdischen Einfluss im Bildungssystem stemmen wollen. Seit 2015 wird ein Großteil der Unterrichts nur noch in kurdisch abgehalten, unter der syrischen Regierung war das Lehren der Sprache noch verboten. Zudem befürchten viele, dass die Schulabschlüsse in kurdischen Schulen im Gegensatz zu den christlichen Privatschulen nicht anerkannt werden, da die Privatschulen noch das System der Damaszener Regierung nutzen.

Ein Großteil der christlichen Bevölkerung im Nordosten Syriens sind ebenso wie in Restsyrien Anhänger der syrischen Regierung, deshalb kam es bereits in der Vergangenheit immer wieder zu Reibereien mit diversen Sicherheitskräften und der SDF. Anlass war das neu eingebrachte Gesetz, verantwortlich für die Eskalation ist hingegen die Befürchtung vieler Assyrer, gesellschaftlich zugunsten einer stärker werdenden kurdischen Identität marginalisiert zu werden. Die Beziehung zwischen den Kurden und christlichen Minderheiten sorgt immer wieder für Konfliktpotential.

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