Islamisten attackieren Flüchtlingskonvoi

DifMl78WAAArsJP.jpg

Die Evakuierung der rund 7.000 schiitischen Einwohner aus den Städten Fuah und Kafraya in der von der Opposition kontrollierten Provinz Idlib ist nicht reibungslos abgelaufen. Vor und während dem Evakuierungsprozess wurden die Scheiben von mehreren der insgesamt 120 Transportbusse eingeschlagen, meistens mithilfe von Steinen oder Schusswaffen. Vor der Abfahrt „inspizierten“ Islamisten unter der Führung von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat al-Nusra und Fateh al-Sham) noch die Busse und denunzierten dabei die verbliebenen Kämpfer und Einwohner. Der ägyptische Dschihadist Abul Yaqthan warnte die Einwohner, nicht mehr zurückzukehren, da „Leute wir ihr keinen Platz in Idlib habt“. Zudem gab es bei dem letzten Checkpoint bei al-Eis nahe Aleppo noch Streitigkeiten, die die Evakuierung für Stunden verzögerte.

Anlass dafür war der Austausch von Gefangenen, der als Gegenleistung für die Evakuierung der Städte von der Opposition verlangt wurde. Fast 1.000 Aufständische sollten demnach entlassen werden, ein Teil davon wollte aber nicht nach Idlib zurückkehren. Deswegen verlangte man einen neuen Austausch mit Personen, die nach Idlib gebracht werden wollen. Außerdem wurden noch 33 Zivilisten aus Idlib evakuiert, die zuvor von Islamisten bei Latakia gefangen genommen. Es war von Angriffen auf den Flüchtlingskonvoi auszugehen, denn bereits im April letzten Jahres gab es einen ähnlichen Versuch, wo aber nur Kranke und alte Menschen nach Aleppo gebracht werden sollten. Dort griffen Islamisten mehrere (leere) Busse an, steckten sie in Brand und töteten mehrere Busfahrer, über 40 Menschen wurden zusdem durch eine Autobombe verletzt.

Fuah und Kafraya sind seit der Rebellenoffensive von Idlib im Jahre 2015 völlig vom Territorium der Regierung isoliert und dementsprechend belagert. Nur noch über den Luftweg erreichten immer wieder einige Hilfsgüter die völlig verarmte und ausgehungerte Bevölkerung. Ebenso wurden aber wahrscheinlich Waren über die Grenze hinweg geschmuggelt, wie es beispielsweise auch in den belagerten Gebieten von Ost-Ghouta geschehen ist. Die vor Ort stationierten Truppen bilden sich fast sämtlich aus den Einwohnern vor Ort, die sich in Hisbollah-ähnlichen Milizen organisierten und über die Jahre hinweg Verteidigungsstellungen aufgrund den andauernden Plänkeleien errichteten. Aufgrund ihrer schiitischen Religionszugehörigkeit sind sie von den sunnitischen Islamisten in Idlib verhasst und werden regelmäßig von Klerikern vor Ort als „Tiere“ bezeichnet.

Aus strategischer Sicht gibt die Regierung damit einen großen Legitimationsvorwand für die (Wieder-)Eroberung der Provinz Idlib auf, besondern für die verschiedenen schiitischen Milizen aus dem Ausland galt die Verteidigung von Fuah und Kafraya (neben dem Schutz des Zainab-Schreines in Damaskus) als Grund für ihre Präsenz. Es bleibt abzuwarten, ob die Armee tatsächlich eine Wiedereroberung von Idlib anstrebt oder man sich mit der Türkei in den Hinterzimmern auf anderweitiges einigen konnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s