Letzten belagerte Städte werden evakuiert

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Die beiden schiitischen Städte Fuah und Kafraya in der nordwestlichen Provinz Idlib in Syrien schlossen überraschenderweise einen Deal mit der von verschiedenen islamistischen Kräften beherrschten Opposition, in dessen Folge die beiden Orte vollkommen evakuiert und dafür Islamisten die Kontrolle übernehmen werden. Schätzungsweise bis zu 10.000 Einwohner sollen dementsprechend mithilfe von über 100 Transportbussen Idlib durchqueren und dafür nach Aleppo gebracht werden. Alle Einwohner wurden zusammen evakuiert um die Gefahr von Angriffen auf diesen Konvoi zu verhindern.

Denn bereits im April letzten Jahres gab es einen ähnlichen Versuch, wo aber nur Kranke und alte Menschen nach Aleppo gebracht werden sollten. Dort griffen Islamisten mehrere (leere) Busse an, steckten sie in Brand und töteten mehrere Busfahrer, über 40 Menschen wurden zusdem durch eine Autobombe verletzt. Es ist ein Wunder, dass bei dieser Evakuierung es keinerlei Zwischenfälle gab. Vor Ort sollen die schiitischen Kämpfer ihre Waffen- und Munitionslager erfolgreich zerstört haben, derweil gibt es Berichte von einem getöteten Aufständischen, der in Fuah in eine hinterlassene Mine getreten ist.

Fuah und Kafraya sind seit der Rebellenoffensive von Idlib im Jahre 2015 völlig vom Territorium der Regierung isoliert und dementsprechend belagert. Nur noch über den Luftweg erreichten immer wieder einige Hilfsgüter die völlig verarmte und ausgehungerte Bevölkerung. Ebenso wurden aber wahrscheinlich Waren über die Grenze hinweg geschmuggelt, wie es beispielsweise auch in den belagerten Gebieten von Ost-Ghouta geschehen ist. Die vor Ort stationierten Truppen bilden sich fast sämtlich aus den Einwohnern vor Ort, die sich in Hisbollah-ähnlichen Milizen organisierten und über die Jahre hinweg Verteidigungsstellungen aufgrund den andauernden Plänkeleien errichteten. Aufgrund ihrer schiitischen Religionszugehörigkeit sind sie von den sunnitischen Islamisten in Idlib verhasst und werden regelmäßig von Klerikern vor Ort als „Tiere“ bezeichnet.

Aus strategischer Sicht gibt die Regierung damit einen großen Legitimationsvorwand für die (Wieder-)Eroberung der Provinz Idlib auf, besondern für die verschiedenen schiitischen Milizen aus dem Ausland galt die Verteidigung von Fuah und Kafraya (neben dem Schutz des Zainab-Schreines in Damaskus) als Grund für ihre Präsenz. Es bleibt abzuwarten, ob die Armee tatsächlich eine Wiedereroberung von Idlib anstrebt oder man sich mit der Türkei in den Hinterzimmern auf anderweitiges einigen konnte.

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