Islamisten lehnen Frieden ab, Armee rückt weiter in Südsyrien vor

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Ein weiterer Annäherungsversuch zur Beilegung des bewaffneten Konfliktes zwischen den Aufständischen, der syrischen Regierung und Russland in Südsyrien ist gescheitert. Diese wohl vorerst letzte Hoffnung auf Frieden wurde von den Islamisten in den Provinzen Dara’a und Quneitra abgelehnt, in Angesicht der militärischen Überlegenheit der Syrisch-Arabischen Armee und verbündeter Gruppierungen eine fragwürdige Entscheidung. In dessen Folge begannen Mittwoch Abend die Gefechte an mehreren Abschnitten der Frontlinien wieder mit dem Ergebnis, dass die Armee mindestens eine weitere Stadt erobern konnte. Währenddessen bringen sich Tausende Zivilisten in Sicherheit oder kehren in die neulich wiedereroberten Städte zurück.

Es war wohl nicht gerade unerwartet, dass wie in der Vergangenheit schon die Opposition nicht zu Friedensverhandlungen bereit sind und diese Bereitschaft erst entsteht, wenn sie militärisch stark unterlegen sind. In dem fast umkreisten Ost-Dara’a gaben zu Beginn der Armeeoffensive bereits Dutzende Dörfer und Städte auf oder wurden erobert, diese Hoffnung konnte aber nicht als Konzept für den ganzen Süden durchgesetzt werden. Nun greift man wieder zu den Waffen auf beiden Seiten, mehrere Städte wie Tafas werden inzwischen über den ganzen Tag hinweg von den syrischen und russischen Luftstreitkräften bombardiert mit dem Ziel, die Aufständischen vor Ort zur Aufgabe zu zwingen.

Nur wenige Kilometer östlich der gleichnamigen Provinzhauptstadt und Geburtsort der „Revolution“ Dara’a konnte die Armee mit der Unterstützung der Eliteeinheit der „Tiger Forces“ die Stadt Saida und ein Militärgebiet weiter südlich davon sichern. Der Zivilrat von Saida war eigentlich Bestandteil des „Versöhnungsprozesses“ mit der Regierung, jedoch stürmten Islamisten das Rathaus wenige Tage später und verschleppten diejenigen, die sich für Verhandlungen mit dem „Assad-Regime“ aussprachen. Derzeit rücken die syrischen Streitkräfte weiter südlich in Richtung des Dorfes Um-Mayatheen vor, vier Kilometer vom Grenzübergang zu Jordanien entfernt.

Die Armee konnte über die ganze Operation hinweg etliches Kriegsgerät erbeuten oder in Folge von Kapitulationen erhalten. Darunter befinden sich größtenteils Waffen und Fahrzeuge die in den ersten Jahren des Konfliktes verloren oder aufgegeben wurden, jedoch auch eine enorme Anzahl aus dem Ausland, vor allem den USA. Erwähnenswert sind dabei Waffentypen wie mehrere Panzerabwehrsysteme im Neuzustand wie TOWs oder Milan-Raketen, mehrere T-72-Panzer und vieles mehr. Hauptsächlich stammen die Waffen aus den USA, Jordanien, Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Israel.

Der Süden Syriens hat eine besondere symbolische Bedeutung, immerhin startete dort der syrische Konflikt im Jahre 2011. Die oppositionellen Kräfte vor Ort sind im Vergleich zum Rest des Landes verhältnismäßig moderat unter der Führung der „Southern Front“, das größte Bündnis im Süden. Nachdem aber Erfolge gegen die syrische Armee seit Jahren ausblieben gewannen islamistische Kräfte wie Ahrar al-Sham, Tahrir al-Sham oder die dem Islamischen Staat angehörige Jaish Khalid bin-Waleed an Zuwachs.

Eigentlich ist die Region eine in Folge der Astana-Gespräche ausgehandelte „Deeskalationszone“ wo es eine faktische Waffenruhe gibt, jedoch sind die Kämpfe nie gänzlich erloschen und finden nun ihr Ende in der großen Armeeoffensive mit dem Ziel, die gesamte Grenzregion zu Israel und Jordanien wiederzuerobern. Danach kontrolliert die Opposition neben Wüstengebieten um den irakischen Grenzübergang al-Tanf lediglich Teile der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes.

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