Syrische Armee rückt in Südsyrien weiter vor

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Zwei Tage dauert nun die offizielle Militäroffensive der Syrisch-Arabischen Armee und verbündeter Streitkräfte in den südsyrischen Provinzen Dara’a, Quneitra und Suweida an und bisher sind die Erfolge der Armee ungebrochen, erneut konnte man innerhalb weniger Stunden mehrere Städte einnehmen und dadurch die größte Stadt im Osten Dara’as umzingeln. Einzelne Städte wie Bosra oder al-Nawa fühlen sich aufgrund der anhaltenden Fortschritte sogar in Einzelverhandlungen mit der syrischen Regierung bereit, um eine friedliche Lösung zumindest für den eigenen Ort zu finden und dadurch weiterer Gewalt und Niederlagen aus dem Weg zu gehen.

Die Kämpfe im Osten der Provinz Dara’a dauern weiterhin an und sind geprägt von weiteren militärischen Erfolgen der syrischen Armee. Demnach konnten die alliierten Kampfverbände um der nächstgrößeren Stadt al-Hirak vordringen und dabei mehrere Ortschaften erobern, darunter Nahetah, Mleihat Shaqiryyah und Gharbiyyeh. Die Situation in der einst 27.000 Einwohner zählenden Stadt al-Hirak ist derzeit unklar, einige Militärquellen sprechen von einer erfolgreichen Eroberung des Ortes durch die Eliteeinheiten der „Tiger Forces“. Zumindest aber befindet sich die sämtliche östliche Flanke des Orts eingekreist, nachdem auch das Dorf al-Rakhm und ein Militärstützpunkt am Morgen erobert werden konnte.

Tausende Zivilisten fliehen vor der anhaltenden Brutalität in Richtung der von Israel besetzten Golanhöhen, nachdem Jordanien bereits verkündete keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Die Grenzorte zu Israel sind am sichersten da sie faktisch den Schutz des israelischen Militärs genießen bzw. attackiert Israel bei Grenzgefechten stets Positionen der syrischen Armee. Der UN zufolge sollen sich insgesamt 500.000 Zivilisten in Südsyrien aufhalten, davon sind 10% bereits auf der Flucht. Die Zahlen sind wie in Ost-Ghouta oder Ost-Aleppo aber wahrscheinlich eher inflationärer Natur.

Die Gefechte breiteten sich aber auch in die gleichnamige Provinzhauptstadt Dara’as aus, nachdem die syrische Armee zusammen mit den verbündeten Luftstreitkräften mehrere Viertel innerhalb der Großstadt bombardierten. Bisher gibt es keine Berichte von erwähnenswerten Bodengefechten, die Luftwaffe und Artillerie attackieren bereits die Verteidigungsstellungen der Opposition vor Ort um eine spätere Erstürmung zu vereinfachen. Ebenso möglich ist es, dass es sich hierbei nur um einen Ablenkungsversuch handelt, wodurch Ressourcen der Islamisten gebunden werden und man es stattdessen anderswo einfacher hat. Die Aufständischen reagierten mit dem Gegenbeschuss mithilfe von Artillerie und Mörsern, wobei auch schwere Raketen wie jene des Typs „Omar“ aus eigener Produktion.

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Die Armee hat neben regulären Streitkräften auch Eliteeinheiten wie die „Tiger Forces“, die „Republikanische Garde“ und die 4. Division aufs Feld gebracht. Unterstützt werden sie in ihrem Vorhaben auch von einfachen Milizen wie dem Golan-Regiment, Liwa al-Quds oder Nusour al Zawba’a. Ein Ausnahmefall bildet die fehlende Beteiligung der Hisbollah und dem Iran nahe stehende Milizen, die nach angeblichen Hinterzimmer-Verhandlungen zwischen Israel und Russland sich auf eine Pufferzone einigten, wo der Iran und mit ihm verbandelte Milizen sich nicht der israelischen Grenze nähern dürfen und dementsprechend nicht in Südsyrien aktiv sein werden.

Die sogenannte „Southern Front“ im Süden Syriens war in der Vergangenheit die inzwischen wohl ruhigste, aktive Front im gesamten Konflikt. Sie ist mehrheitlich von der FSA dominiert, Islamisten erhalten aber immer mehr Zulauf. Seit den äußerst verlustreichen Offensiven im Jahre 2015 in Richtung Quneitra und schweren Kämpfen in der Stadt Sheikh Maskeen fehlt er den dortigen Einheiten eigentlich an offensiven Kapazitäten.  Dara’a selber ist seit Anbeginn des Krieges in zwei Teile geteilt. Ursprünglich war die gesamte Region Teil der Deeskalationszonen, völlig erloschen sind die Kämpfe jedoch nie. Die Ankunft der jeweiligen Verstärkungen scheinen von einem Niveau zu sprechen, welches es ansonsten nur in Aleppo oder Ost-Ghouta zuletzt gab.

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